Gemeinsam das evangelische Profil prägen

„Wichtig ist, dass wir gemeinsam evangelisch unterwegs sind“, sagte Superintendentin Dr. Barbara Schwahn in ihrem Bericht zur Kreissynode.

Kreis Viersen-Krefeld – „Dass wir im Kirchenkreis miteinander unser evangelisches Profil prägen und gut vernetzt sind.“ In der Corona-Zeit sei deutlich geworden, welche große Verantwortung bei den Gemeinden liege, bei den Einschränkungen im Lock down, aber noch viel mehr bei den schrittweisen Lockerungen. Ebenso habe sich gezeigt, dass die koordinierende Funktion anderer Leitungsebenen der Kirche Hilfe und Unterstützung bieten könne. Außerordentliches Engagement und Kreativität vor Ort kennzeichne die Zeit seit März.

Am Samstag fand die Herbstsynode des Kirchenkreises Krefeld-Viersen als Videokonferenz statt. 143 Frauen und Männer verfolgen die erste Online-Synode von Krefeld-Viersen, 21 davon Gäste. Superintendentin Schwahn hob drei strategische Herausforderungen aus ihrem Bericht hervor, der den Synodalen komplett in Schriftform vorlag. So sei die Vernetzung der Gemeinden untereinander im Zuge einer Regionalisierung eine Chance, sich im Grunde neu zu erfinden und Schwerpunkte zu setzen. „Die organisatorische oder konzeptionelle Einheit einer Region ist wichtig, um Synergieeffekte zu erwirken“, erklärte Superintendentin Schwahn. „Sie ermöglicht aber durchaus an den einzelnen Standorten ein sehr differenziertes kirchliches Leben. Das gilt es auseinanderzuhalten.“

Foto: privat

Die AG Nettetal habe sich beispielsweise statt für eine Gesamtkirchengemeinde direkt für eine Fusion entschieden, um Gremien einzusparen und nicht in naher Zukunft einen erneuten Prozess auflegen zu müssen. Die Schwerpunkte des Kirchenkreises decken sich mit den Aspekten, die auch dem Diskussionspapier zugrunde liegen, das für die EKD-Synode Anfang November verfasst wurde. Zum evangelischen Profil gehöre „ökumenisch sein“. Zudem über Arbeitsbereiche und Landesgrenzen hinweg, oder in interreligiösen Begegnungen auf Vielfalt zu achten. „Damit wir als evangelische Christen stärker wahrnehmbar sind, ist neben guter Vernetzung und medialer Präsenz auch ein qualitativ gutes Angebot und Unterstützung für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende notwendig“, betonte Schwahn im Hinblick auf eine weitere Herausforderung „Den Menschen zugewandt – Menschen auf uns aufmerksam machen“.

„Gemeinde und Kirche sein in der Pandemie und in der Zukunft“ – dies auszufüllen, dabei helfe die Überlegung, die sie bei ihrer Wahl vor einem Jahr formuliert habe: „Wie wollen wir hier vor Ort gerne Kirche sein. Was begeistert uns. Nur das, wovon wir begeistert sind, steckt auch andere an. Und, wichtig auch die Frage: Was wäre ein passendes Angebot für die Menschen hier. Wovon träumen sie.“ Ludger Firneburg, Geschäftsführer der Diakonie Krefeld-Viersen, berichtete, dass die Coronasituation sehr viel Bewegung in die Arbeit gebracht habe. „Wir haben im Blick, was diese Situation mit Familien und Kindern macht“, sagte Firneburg. „Mit Menschen, die wenig Möglichkeiten haben, sich zu äußern, aber Hilfe und Fürsprache brauchen.“

Diese Fürsprache werde durch die persönlichen Kontakte der Diakonie geleistet. Ein weiteres Beispiel Wohnungslose: „Sie fallen durchs Raster und werden nicht gerne gesehen“, bedauerte Firneburg. „Wir stärken deshalb den Tagesaufenthalt in Krefeld. Sozialarbeiter bieten hier Wohnungslosen zwischen 7 und 20 Uhr Beratung und Hilfe.“ Die Notschlafstelle im selben Gebäude hingegen sei geschlossen, da dort mehrere in einem Saal schlafen müssten. In der Pandemie nicht machbar. Die entsprechende Stelle der Stadt verfüge über mehr Platz.

Die Bahnhofsmission am Krefelder Hauptbahnhof werde ebenfalls gestärkt. „Sie wird räumlich etwas vergrößert“, freut sich Geschäftsführer Firneburg. Zudem sei eine volle Stelle Sozialarbeit in Aussicht. In der Verwaltung des Kirchenkreises „gehören schwerwiegende Schwierigkeiten und Probleme der Vergangenheit an“, erklärte Verwaltungsleiter Martin Schmidt. „Die Bilanzbuchhaltung ist sehr stark aufgestellt, sodass wir inzwischen zu den schnellsten Kirchenkreisen bei Jahresabschlüssen und Bilanzen gehören.“ So seien Kirchengemeinden in der Lage zu sehen, wo sie finanztechnisch stehen und was sie sich leisten können. „Wir haben es geschafft, die aktive Dienstleistung auf eine Ebene zu heben, die unsere Gemeinden erwarten dürfen“, bekräftigte Schmidt. Die Mitarbeitenden kämen gerne auch persönlich in die Gemeinden und Presbyterien, ob zu bautechnischen und energetischen Fragen oder zu Erklärung von Bilanzen oder Beratung in der KiTa-Verwaltung. Die Synode beschloss den Haushalt des Kirchenkreises von 7,9 Millionen Euro.

Nach der Senkung der kreiskirchlichen Umlage auf einmalig 7 Prozent in 2020, wurde die Umlage für drei Jahre auf 12 Prozent des bereinigten Kirchensteueraufkommens für den Kirchenkreis und 3,4 Prozent für die Diakonie festgesetzt. 2019 betrug die Umlage 11,2 Prozent. Bestätigt im Leitungsteam des Kirchenkreises, dem Kreissynodalvorstand (KSV), wurde Assessor Axel Stein aus der Kirchengemeinde Süchteln. Er hat das Amt des Stellvertreters der Superintendentin bereits seit gut zwei Jahren inne. Ebenfalls bestätigt wurde die 1. Stellvertretende Skriba, Petra Vahrenhorst, Berufsschulpfarrerin in Dülken.

Neu im Team ist die 2. Stellvertretende Skriba: Pfarrerin Doerthe Brandner aus der Kirchengemeinde Hüls. Sie ist Nachfolgerin von Pfarrer Mischa Czarnecki aus der Kirchengemeinde Dülken, der sein Amt aus zeitlichen Gründen abgab. Auch Synodalälteste, die ehrenamtlichen Gemeindemitglieder im KSV, wurden gewählt: Rüdiger Leibauer aus Grefrath, Helmtrud Beisler aus Lank und Guntram Teichgräber aus Krefeld-Süd. Annelie Wulff aus Alt-Krefeld, kandidierte nicht mehr, da sie sich auf ihr neues Mandat im Stadtrat Krefeld konzentrieren möchte. Als Stellvertreter der Synodalältesten wurden gewählt: Wolfgang Hoesch aus St. Hubert, Hans-Henning von Bassewitz aus Viersen und Michael Ehmann aus Anrath. Noch weitere Wahlen standen an: Vertreter von Abgeordneten zur Landessynode, das Kuratorium der Diakonie, das Kuratorium des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene (GMÖ), sowie Synodalbeauftragungen für weitere Arbeitsbereiche im Kirchenkreis.

In ihrer Andacht zu Beginn der Synode hatte Pfarrerin Sylvia Pleger Bezug genommen auf den lächelnden Engel an der Kathedrale von Reims. Ein ermutigender heiter triumphierender Engel, der jedoch gleich am Anfang des 1. Weltkrieg zerschossen wurde. Heute stehe dort eine Replik, ohne linken Arm, aber mit dem Gesicht, das Besucher und die ganze Stadt anlächelt. „Es braucht auch immer wieder einen Schub Gottvertrauen, der uns dennoch nicht unvorsichtig werden lässt“, meinte Pleger, Pfarrerin an der Friedenskirche Krefeld: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Tim.1,7).

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