Gewerkschaft warnt vor Kneipensterben im Kreis Viersen

Kneipe in Gefahr: Innerhalb von zehn Jahren haben 87 Gastro-Betriebe im Kreis Viersen geschlossen. Zwischen 2007 und 2017 hat damit jede sechste Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele zugemacht. Zuletzt zählte der Kreis 443 gastronomische Betriebe, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt.

Kreis Viersen – Die NGG Krefeld-Neuss beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Landesamts – und warnt vor einem weiteren Kneipensterben. „Vom Fußballabend in der Bar bis zum Grünkohlessen mit dem Sportverein – die Gastronomie steht für ein Stück Lebensqualität“, sagt NGG-Geschäftsführer Karim Peters. Mit den Betriebsschließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel. Es seien auch etliche Arbeitsplätze in der Region in Gefahr.

Peters macht für den Trend unter anderem die harten Arbeitsbedingungen in der Branche verantwortlich. „Nachts und am Wochenende hinterm Tresen zu stehen, das wollen viele nicht mehr. Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen“, so der Gewerkschafter. Ein entscheidendes Mittel gegen das „Gastro-Sterben“ sei deshalb, die Branche bei Löhnen und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Mit einem Tarifvertrag, der NRW-weit für alle Restaurants und Gaststätten gilt, habe man hier „einen wichtigen Schritt“ gemacht. Allerdings müssten sich noch viel mehr Gastronomen daran halten.

Aber auch den Wirten selbst fehle oft ein Nachfolger, um den Betrieb weiterzuführen, so Peters. „Außerdem müssen sich die Gastronomen gegen Pleiten absichern. Dazu gehört das nötige betriebswirtschaftliche Know-how. Genauso aber originelle Ideen, wie man eine Gaststätte zum Treffpunkt für junge Leute macht.“ Die Gewerkschaft NGG sieht dabei auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Statt das Feierabendbier zuhause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger“, so Peters weiter.
In ganz Nordrhein-Westfalen ging die Zahl der Gastro-Betriebe nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit 2007 um gut elf Prozent zurück. Von damals rund 28.000 Restaurants, Kneipen und Gaststätten waren im vorletzten Jahr nur noch 24.900 geöffnet.

Foto: amiera06/Pixabay

Ein Kommentar

  1. Zitat aus dem Text: „Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen“
    Was heute nicht alles als Fachkräftemangel bezeichnet wird. Früher war das die Servicekraft / Getränkeschubse, Bedienung, der Ober etc.

    Zitat aus dem Text „Statt das Feierabendbier zuhause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger“. Man muss es sich auch leisten können!

    Kühles Hefeweizen (0,5 ltr. Flasche) aus dem heimischen Kühlschrank = unter 1,- € / in der Kneipe für schlappe rund 4,- €, oder umgerechnet ein 0,3 ltr. Glas Bier .. zu Hause für unter 0,50€, in der Kneipe für über 2,- €

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