Gladbacher Förderschule setzt moderne Technik gezielt im Unterricht ein

Elektronische Stifte statt Füller, Apps statt Arbeitsblätter, iPads statt Klassenbuch: Die Digitalisierung verändert den Alltag in der Paul Moor-Schule des Caritasverbandes.

Mönchengladbach – Lea ist zehn Jahre alt und Autistin. Sie ist nicht in der Lage, sich durch gesprochene Sprache auszudrücken. Ihre Stimme ist das iPad. Wenn Lea etwas sagen möchte, tippt sie nacheinander ein paar Symbole auf dem Bildschirm an. „Wow, du bist toll“, erklärt daraufhin der kleine Computer. Oder: „Ich möchte ein Croissant essen.“ Das ist nur ein Beispiel dafür, wie digitale Hilfsmittel den Alltag in der Paul Moor-Schule erleichtern. 130 Schülerinnen und Schüler werden in der Förderschule des Caritasverbandes mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung unterrichtet. Inzwischen verfügt jede Lehrkraft über ein iPad und jede Klasse über PCs, Tablets und einen Mini-Beamer. Darüber hinaus setzt die Schule zwei mobile interaktive Smartboards ein.

Die Schüler lernen gerne mithilfe von Bilderbüchern – und die können sie inzwischen selbst digital gestalten. Die 13-jährige Ella etwa hat ihr iPad mit dem Smartboard verbunden und erzählt im Unterricht ihre Geschichte vom Rotkäppchen und dem Wolf, die sie mit eigenen Fotos und den passenden Geräuschen zu einem interaktiven Buch zusammengestellt hat. „Das macht mehr Spaß als mit einem normalen Bilderbuch zu lernen“, sagt sie.

Ella (Name geändert) hat ein digitales Bilderbuch mit Fotos und Geräuschen gestaltet, das sie ihren Mitschülern per iPad und Smartboard vorgestellt. Foto: Caritas

Das gilt auch für Melek, 12, die am Smartboard einige Hygieneregeln in die richtige Reihenfolge bringt. Dazu zieht sie das entsprechende Symbol, etwa zum Händewaschen vor dem Essen, mit dem Finger ins Lösungsfeld. Das Programm quittiert die richtige Lösung mit einem hochgereckten Daumen und Applaus. „Die Schüler lernen so einfach leichter“, erläutert Schulleiterin Marion Middendorp. Mehr noch: Manchen Kindern ermöglicht der Computer eine völlig neue Form der Teilhabe. Der 13-jährige Daniel etwa teilt sich mit, indem er mit den Augen bestimmte Symbole auf seinem Bildschirm ansteuert – das iPad übersetzt den Blick in Geräusche oder Sprache. „Es ist grandios, wie die Technik den Kindern, uns Lehrkräften, aber auch den Familien hilft“, erklärt Lehrer Dominik Schröders. „Das gibt den Kindern eine Lebensqualität, die man kaum beschreiben kann.“

Bereits seit 2016 forciert die Paul Moor-Schule die Digitalisierung. Sie nahm am Programm „Gute Schule 2020“ des Landes NRW teil, das jedes Jahr rund 15.000 Euro für eine bessere Ausstattung zur Verfügung stellte. Schon vorher waren mit Spendengeldern iPads für jede Klasse angeschafft worden. „Wir waren eine der ersten Schulen in Mönchengladbach, die eine flächendeckende Versorgung mit iPads realisiert hat“, sagt Konrektor Jörg Frank. Über den Digitalpakt können ebenfalls Gelder in Anspruch genommen werden.

Auch der Caritasverband Region Mönchengladbach als Träger hat investiert: Seit einiger Zeit ist die Schule ans Glasfasernetz angeschlossen. „Das hat noch einmal einen richtigen Schub gebracht. Durch die Verbesserung der digitalen Infrastruktur haben wir die Herausforderungen der Pandemie und den Distanzunterricht gut gemeistert“, erklärt Marion Middendorp. Fast alle Schüler und Eltern seien bei den Videokonferenzen während Corona dabei gewesen. „Es war auch für uns überraschend, wie gut digitaler Unterricht mit unseren Schülerinnen und Schülern geht. Die Kinder und Jugendlichen wachsen in die Handhabung dieser Medien hinein. Sie haben so einen Zugang auch zu diesem Bereich und profitieren davon enorm für ihr späteres, möglichst selbstbestimmtes Leben“, sagt Jörg Frank.

Über eine App können die Lehrerinnen und Lehrer digitale Übungen in Mathematik und Deutsch einstellen, die von den Schülern beispielsweise am Tablet bearbeitet werden. Texte und Geschichten können mit elektronischen Stiften vertont werden: Sobald der Stift einen vorbereiteten Sticker antippt, spielt er die hinterlegte Aufnahme ab – ideal für Kinder mit Autismus oder Sprachstörungen. Auf Tierfiguren können programmierbare Chips geklebt werden, die ein „Kikeriki“ für einen Hahn oder ein „Pocpoc“ für ein Huhn ertönen lassen – so können die Schüler selbst prüfen, ob sie die Geräusche richtig zugeordnet haben. Freundliche kleine Roboter, sogenannte „Blue-Bots“, oder die Forschungssonde Milo von „Lego-Education“ lassen sich per Tastendruck programmieren und erledigen dann einfache Aufgaben.

Eine aus Lehrkräften bestehende Medien-Arbeitsgruppe entwickelt die digitale Schule ständig weiter, andere Lehrer kümmern sich um Aktualisierungen etwa der iPads. Ein wichtiges Thema ist der Datenschutz: Die Paul Moor-Schule nutzt die vom Land und den Kommunen bereitgestellte Lehr- und Lernumgebung „Logineo NRW“. Alle Lehrer verfügen über einen sicheren Cloud-Speicherplatz für Dokumente und eine sichere Mail-Adresse; darüber hinaus kommunizieren sie über einen vom Land entwickelten Messenger-Dienst. Zudem können sie unter rund 70 unterschiedlichen Fortbildungsangeboten rund um die Digitalisierung wählen. Einige davon gehören zum Pflichtprogramm für Lehrkräfte an der Paul Moor-Schule.

Marion Middendorp und Jörg Frank betonen, dass Digitalisierung das Lernen an der Förderschule im Hardter Wald bereichert, aber andere Unterrichtsformen nicht ersetzt. So spielt der tiergestützte Unterricht nach wie vor eine wichtige Rolle im pädagogischen Konzept. Auf dem großen Gelände am Rande des Hardter Waldes haben Esel, Kamerunschafe, Pferde, Kaninchen, Hühner, Bienen, die Wasserschildkröte Robert und viele Vögel ihr Zuhause – sie werden ganz analog versorgt. (opm/paz)