Gosch – Ein Besuch beim Sylter „Fischpapst“

An vierzig Standorten in Deutschland und sogar auf einigen Kreuzfahrtschiffen bietet „Gosch“ internationale Fischküche an. Gegründet wurde das Unternehmen auf der Insel Sylt und ist längst zum Touristenziel geworden.
Von RS-Redakteur Leo Dillikrath

Sylt – Die Geschichte schreibt das Jahr 1966, als Unternehmensgründer Jürgen Gosch als Maurergeselle im Auftrag einer Baufirma auf die Insel Sylt reiste. Am Strand verkaufte er in seiner Freizeit aus einem Bauchladen heraus geräucherte Aale, die sich einer regen Nachfrage erfreuten. Bereits ein Jahr später kündigte er zunächst seine Anstellung als Maurer und begann mit seiner Selbstständigkeit als mobiler Aalverkäufer auf Sylt.

Der Fisch hat stetig sein Leben begleitet und wenn Jürgen Gosch über seine Vergangenheit spricht, dann erinnert er sich lebhaft an das erste verdiente Geld im Alter von vier oder fünf Jahren beim Krabbenpulen. Gosch wuchs ohne Vater auf, sammelte in seiner Jugend Kupfer auf einer Mülldeponie und schlug die Lehre zum Maler.

Foto: pnw

Mit seiner „Nördlichsten Fischbude Deutschlands“ am Lister Hafen, die er 1972 eröffnete, folgte das Wachstum des Unternehmens, dem ab 1984 weitere Standorte zunächst auf Sylt und dann ab Ende der 1980er-Jahre auch auf dem Festland folgten. Noch heute sind die Gosch-Filialen, von kleinen Bistros bis hin zu Restaurants, vor allen Dingen an touristisch relevanten Orten zu finden.
In seiner ersten Fischbude in List durfte Gosch Mitte der 60 Jahre keinen Alkohol verkaufen. Er erfand in einer Plastikschale mit Zitronenbrause, einen Korn und drei Krabben eine tolle Fischsuppe, aber ein Konkurrent schwärzte ihm beim Gemeinderat an.

Jürgen Gosch schnackt gerne mit jedem und erzählt seine Geschichten, während er den Hummer in seiner Kochjacke zurecht zupft. Er ist längst zu seinem Markenzeichen geworden. Den Damen hilft er gerne aus der Jacke und lächelt den Herren verschmitzt zu. „Lassen Sie nur, es ist meine Aufgabe die Frauen auszuziehen, Sie können sie hinterher wieder anziehen.“ Der 78-Jährige ist in seinem Element.
Jeden Mittag schaut er sich in seinem Haus in Braderup noch die Wetterdaten an, dänische Wetterberichte hört er am liebsten. Wetter ist sein großes und einziges Hobby.

Auch wenn Jürgen Gosch ständig auf dem Sprung ist, nahm er sich dennoch Zeit für ein Gespräch.
Foto: Rheinischer Spiegel

Im Jahr 2000 erhielt Jürgen Gosch die Auszeichnung als Wirt des Jahres durch die Brauerei Felsenkeller, zehn Jahre später findet er einen Eintrag im Lexikon des Deutsche Standards-Verlags und darf 2017 den Deutschen Gastronomiepreis entgegennehmen. Seit mittlerweile sieben Jahren gibt es übrigens zudem Gosch auf der Hamburger Reeperbahn. Hier pachtete das Unternehmen das Café Keese und eröffnet „Die sündigste Fischbude der Welt“.

Bis nach Hamburg hat es mich allerdings nicht verschlagen und auch wenn Jürgen Gosch ständig auf dem Sprung ist, nahm er sich doch Zeit für den Rheinischen Spiegel. Nach unserem Interview drehte sich bei mir alles um fangfrischen Fisch mit einem passenden Wein. Gosch selbst schreibt, dass sich das Unternehmen schließlich seit mehr als 50 Jahren genau damit auskennt und dem kann ich nicht widersprechen. (nb/ld)


Sylt – Eine faszinierende Insel mit vielfältigen Kontrasten