Graffitis, Verschmutzungen und Kunst: Viersen und sein „Kunstbahnhof“

Die Ecken riechen nach Urin, die Wände sich beschmiert, die Farbe ist rissig und dazwischen hängen nun fünf großformatige Kunstwerke im Viersener Bahnhof.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Glosse – Der Maler und Musiker Emil Schult ist bekannt, unter anderem für seine Zusammenarbeit mit der Band Kraftwerk erlangte er viel Aufmerksamkeit. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und beendete sein Studium als „Meisterschüler“ von Gerhard Richter. Geboren in Dessau lebt der Künstler in Viersen. Mit Blick auf den Viersener Bahnhof, an dem er häufig seine Assistentin empfing, wandte er sich an die Stadt Viersen mit der Idee Kunst im Bahnhof zu integrieren um das Entrée aufzuwerten.

Gemeinsam mit dem Duo „Kunstraub“ (Jerome Stöhr und Normal Schüler), Isabel und Daniel Schubert sowie Sala Lieber entstanden fünf großformatige Kunstwerke, die mittlerweile im Viersener Bahnhof aufgehangen wurden. 40.000 Euro stellte die Deutsche Bahn zur Verfügung, NRW-DB-Chef Werner Lübberink selbst kam nach Viersen um die Arbeiten zu begutachten.

Die Werke, die sich jedes auf seine Art mit Viersen, dem Niederrhein oder dem Bahnhof auseinandersetzen, werden von den Fahrgästen gut aufgenommen und dennoch sind die Meinungen überwiegend negativ. Angesprochen auf den neuen „Kunstbahnhof“ wird meist der Kopf geschüttelt, der Hinweis der SPD-Bürgermeisterin Sabine Anemüller, die die Aktion als Pressemöglichkeit mit dem SPD-Bundestagsmitglied Udo Schiefner am Rande der Europawahl nutzte, auf eine Aufwertung wird meist mit abwertendem Lachen oder Hinweisen auf den restlichen Zustand des Bahnhofs kommentiert.
Viele laufen vorbei, winken ab bei der Frage, wie sie die neuen Kunstwerke finden, 29 bleiben dennoch stehen und geben Antwort. Positive Worte für die Bahn, die Stadt Viersen oder die Viersener Bürgermeisterin sind nicht dabei, der Geruch von Verschmutzungen steigt zu sehr in die Nase.

Dennoch ist die Intention der Künstler gut, denn neue Ideen können Viersen nur voranbringen. Die Werke finden Anklang, auch wenn sie nicht jeden Geschmack treffen, aber Kunst liegt eben im Auge des Betrachters. Umso erfreulicher, dass der NRW-DB-Chef Werner Lübberink, angesprochen auf die Lücken neben den Kunstwerken durch den Künstler, nicht abgeneigt war über weitere Ideen zu sprechen. Und Emil Schult selber hat noch mehr Ideen – nicht nur für den Bahnhof selbst, auch für das Umfeld oder den Süchtelner Busbahnhof. (ea)

Foto: Rheinischer Spiegel