Grandiose Orpheumspremiere im Dülkener Bürgerhaus

Wenn das Winterbrauchtum das Sommerbrauchtum trifft, die Gäste lernen, das Vierscher Platt Rinderwahnsinn im Endstadium ist, oder dass die Tauben lieber nach Süchteln fliegen weil es in Viersche so langweilig ist, dann können sich nicht nur die Karnevalisten sicher sein, dass das Orpheum seine Tore zur diesjährigen Spielzeit geöffnet hat.

Viersen-Dülken – Die Große Karnevalsgesellschaft Orpheum 1869 Dülken e. V. macht sich bereits warm für ihr 150-jähriges Jubiläum im nächsten Jahr, denn die engagierte Gesellschaft, die in jedem Jahr ein besonderes Highlight auf die Dülkener Bühne zaubert, hat sich in diesem Jahr erneut mit Charme, Witz, Bühnengestaltung und stimmlicher Sangeskraft übertroffen. Dabei war die Premiere am vergangenen Wochenende nicht nur für die Besucher etwas Besonderes, denn auch die Darsteller waren für den ersten Abend ungewöhnlich textsicher, bewiesen Spontanität und Können. Dabei hatte Präsident Günter Kamp doch zur Eröffnung mit jeckem Schmunzeln darauf hingewiesen, dass man am Sonntag die ersten beiden Abende Revue passieren lassen wolle und wahrscheinlich am nächsten Samstag ein ganz anderes Programm realisiert werden würde. Sicher ist, kein Abend im Orpheum ist gleich, jeder ist einzigartig.

Eröffnet wurde das Programm traditionell mit dem Aat Dölker Stöckske, geschrieben von Comicus coitivus (dem Verkehrskasper) André Schmitz. „In diesem Jahr werden wir einmal nicht auf dem Alten Markt spielen, nein, wir gehen in den Stadtgarten“, so Günter Kamp. „Manche von Ihnen werden noch Zimmermann  im Stadtgarten kennen und dort ist in diesem Jahr der Vogelschuss mit ‚Piff paff deä Vuurel mot eraff‘.“ André Schmitz selber als Wirtin Mariechen brillierte ebenso wie Martin Recker als Fitzken und natürlich ließen sich ebenfalls die Eheleute Sauerbrei (Hans Walter van den Bergh mit Peter Hören im klassischen Kleid) einen Kurzbesuch nicht entgehen. Hier sei nicht verraten, wer denn im nächsten Jahr das Königshaus der Schützen stellt, denn schließlich spielt das Orpheum noch an weiteren sechs Abenden.

Vom Stadtgarten aus wechselte die Bühne gekonnt in das Büro von „Schmitz & Backes“. Das Intermezzo von Peter Hören und Christian Dommers bot einen Einblick in den Alltag des traditionsreichen Dülkener Unternehmens bei dem Männer klar in der Unterzahl waren und Praktikanten (Christian Dommers) nur schwer ihre Männlichkeit unter Beweis stellen können. Damit hat er es übrigens ebenso wenig einfach wie die Herren im folgenden Stück in zwei Akten. In der La Familia ist schnell klar, dass der Pate Don Vito Corleone (Dietmar Creutz) das Sagen hat, wobei ihm seine Tochter Frederica, gerade auf Bräutigamsuche, ganz nah auf den Fersen bleibt. Schließlich ist auch ein Pate Vater und das Wohl seiner Tochter geht über alles, auch über sich sträubende Bewerber hinweg. Wobei Väter eben Väter sind und Töchter sowieso ihren eigenen Willen haben. Marcus Büschges und Dietmar Creutz holten in ihrem Zweiakter nicht nur die Stars nach Dülken, sie nahmen direkt das gesamte Bürgerhaus mit nach New York wo die Orpheumsbesucher bei einem Mix aus Kabarett, Musical und Showeffekten einiges erwartete. Ein unvergleichlicher Abend, der auch für Nicht-Karnevalisten unvergessen bleiben wird. (ik)

Karten sind erhältlich unter 02162-7249522, 0178-4060943 oder per Mail: helmut.schaefer@orpheum.de

Foto: ik