Grefrath: Miertz-Kate zeigt „Armut auf dem Lande“

Das Niederrheinische Freilichtmuseum des Kreises Viersen ist um ein Gebäude reicher: Die so genannte Miertz-Kate zeigt ab sofort das Thema „Armut auf dem Lande“ als Dauerausstellung. „Wir schließen damit eine Lücke“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen. „Neben dem Bürgertum, dem bäuerlichen Leben und den Handwerksberufen können unsere Gäste bei ihrem Museumsbesuch nun auch dieses wichtige Themenfeld zum Leben der Menschen am Niederrhein erkunden.“

Grefrath – Benannt ist die 50 Quadratmeter große Kate nach den langjährigen Besitzern, der Familie Miertz. Im Jahr 1981 zog Maria-Margaretha Miertz als letzte Bewohnerin aus. Ursprünglich stand das Häuschen an der Wankumer Landstraße im Kreis Kleve – nur wenige Kilometer entfernt vom Museum in Grefrath. Der heutige Landrat und damalige Kulturdezernent Dr. Coenen schaute es sich dort an und sprach sich für den Wiederaufbau im Freilichtmuseum aus: „Obwohl das Dach eingefallen war und der Putz bröckelte, konnte man den Wert des Gebäudes für unser Museum erkennen.“ Seit 1985 stand das Haus als typische niederrheinische Kate mit Wohn- und Schlafräumen sowie Stallungen und Garten unter Denkmalschutz.

„Entsprechend aufwendig war der Wiederaufbau auf dem Gelände“, erinnert sich Ingo Schabrich, Kreisdirektor und Kulturdezernent. Restaurator Antonius Kiwall leitete mit seinem Team die Mauer-, Ständerwerk- und Putzarbeiten. In einem integrativen Projekt unterstützten Menschen mit Behinderung die Arbeiten. Das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) aus Krefeld mit den Außenarbeitsplätzen für die „Elterninitiative Kindertraum“ ist langjähriger Partner des Niederrheinischen Freilichtmuseums.
Die Kate ist heute so eingerichtet wie sie um das Jahr 1900 ausgesehen haben könnte: mit Ofen, Petrollampen und Kerzen für Wärme und Licht. Fließend Wasser gab es erst seit den 1960er-Jahren. Ein Bad gibt es ebenfalls nicht, lediglich einen Spülstein im Inneren und eine Latrine im Außenbereich. Die Innenausstattung konnte das Museum aus dem eigenen Bestand stellen. Ein gefärbter Betonboden erinnert an den ursprünglichen Lehmstampfboden.

Die Dauerausstellung bereitet das Thema „Armut auf dem Lande“ vom Mittelalter bis heute auf. Schautafeln zeigen, welch hartes Los Armut im Mittelalter war. Auch Webstühle befinden sich in der Kate. „Damit haben sich arme Familien früher ein Zubrot verdienen müssen“, erklärt Museumsleiterin Anke Petrat. Und was Armut in der heutigen Zeit bedeutet, machen Twitter-Nachrichten deutlich. Die Wochenzeitschrift „Der Freitag“ hatte im Winter 2018 die Kapagne „#unten“ initiiert.

Die Miertz-Kate ist auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums wieder aufgebaut worden. Zur Einweihung schauten neben Landrat Dr. Andreas Coenen (r.), Kreisdirektor und Kulturdezernent Ingo Schabrich (7.v.r.), Museumsleiterin Anke Petrat (2.v.r.), Restaurator Antonius Kiwall (3.v.r.), Jan Barendsma (5.v.r.) von der Elterninitiative Kindertraum sowie Herbert Kättner (6.v.r.), Vorsitzender des Museumsvereins Dorenburg, auch einige der Handwerker vorbei, die an der Kate gearbeitet hatten. Foto: Kreis Viersen

Die Ausstellung zeigt die Miertz-Kate um das Jahr 1900. Das Gebäude ist allerdings älter: Am bekannten Standort ist es im Urkataster 1844 erstmalig erwähnt. Ein Balken trägt sogar die Inschrift 1726. Es ist aber unklar, ob eventuell Baureste anderer Häuser verwendet wurden. Familie Miertz war in der Kate seit Ende des 19. Jahrhunderts bis 1981 zuhause.
Der vorsichtige Abbau der Einzelteile erfolgte ab 2011. Im April 2014 legten die Arbeiter den Grundstein im Niederrheinischen Freilichtmuseum.

Der Aufbau der Miertz-Kate erfolgte als integratives Projekt in Kooperation mit dem Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) aus Krefeld und der „Elterninitiative Kindertraum“. Die Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial Versicherung Rheinland stellte 18.400 Euro für das Baumaterial an der Miertz-Kate zur Verfügung. Der Museumsverein Dorenburg spendete die Vitrinen und Ausstellungstexte für die Dauerausstellung sowie den neuen Boden.