„Griechen von heute“ – Bevor der Brand kam

Christos Anastasopoulos gehört zur Generation »Gezwungene-Immigration 2.0«, er musste seine Heimat verlassen – so wie Tausende andere Griechen – wegen der Finanzkrise. Diesen traumatischen Schnitt im Leben eines Menschen bearbeitet der Autor mit feinfühliger und direkter Sprache, mit Charisma von Anfang an, das starke Gefühle hervorruft.

Literatur – In seinen Geschichten spiegelt sich all unsere Menschlichkeit wie auch unsere Unmenschlichkeit wider, wenn wir plötzlich am eigenen Leib erfahren müssen was es heißt, den festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Vertrieben, verloren und verängstigt klammern wir uns an Bäume und deren Wurzeln – die unsichtbaren Stützpfeiler unserer Identität, die uns auf ewig mit der Heimat verbinden – oder das was jeder als Heimat versteht – und uns Halt im Leben geben.

Aus diesen Wurzeln wachsen wir zu dem was wir sind, ohne dass wir je die leiseste Ahnung davon haben, wie tief sie sein können. Doch die Gefahr der Vernichtung der Wurzeln und der Identität lauert in jedem Moment und überall: ein Feuer, erschaffen aus Angst und Terror.

Christos Anastasopoulos gehört zur Generation »Gezwungene-Immigration 2.0«, er musste seine Heimat verlassen – so wie Tausende andere Griechen – wegen der Finanzkrise. Foto: privat

Das im Größenwahn Verlag erschienene Werk „Bevor der Brand kam: Geheimnisse unter Bäumen“ enthält 13 Kurzgeschichten. Die Hauptfiguren sind Griechen von heute. Leute aus dem normalen Alltag, die mitten in der Wirtschaftskrise leben. Gleichzeitig aber erlebt jeder auch seine persönliche Krise. Eine emotionale Krise, eine Krise der menschlichen Werte, die sich in die Wirtschaftskrise widerspiegelt.

Es sind Menschen aus jedem Alter, jedem Beruf, jeder Herkunft. Das aber, was sie alle miteinander verbindet und denen die Kraft gibt, diese Krisen zu überwinden, ist die Anwesenheit eines Baumes. Jedes Mal spielt ein Baum, der wie ein Beschützer, wie ein Saman, eine wichtige Rolle und so entfaltet sich die Geschichte um diesen Baum herum.

Das Interessante in diesem Buch liegt darin, dass durch die Anwesenheit/Existenz eines unterschiedlichen Baumes in jeder einzelnen menschlichen Geschichte alle diese Geschichten auf einer wundervollen Art miteinander verbunden werden. Spannend ist auch die andere Seite des heutigen Griechenlands und des Lebens eines heutigen Griechen, wo nicht nur  Souvláki, Tzatziki, Moussaka und Urlaub im Vorschein kommen.

„Die Tatsache, dass in jeder Geschichte ein Baum existiert, ist das Besondere an diesem Buch“, so Autor Christos Anastasopoulos. „Als ich das erste Mal über das soziale Leben der Bäume gelesen hatte, wurde mir bewusst und klar, dass die Bäume eigentlich viel intelligenter als die Menschen sind. Großzügig schenken sie uns Sauerstoff, Schatten, Früchte, Schutz von Überschwemmungen, um uns schließlich mit ihrem Körper, mit ihrem Stamm zu beschenken. Durchaus sind Bäume weiser als die Menschen! Unter diesem Aspekt sind die Bäume in den Geschichten die Beschützer aller Hauptfiguren, die mit ihren persönlichen Schwierigkeiten und Krisen auseinandergesetzt werden. So finden sie Trost unter den Schatten dieser Bäume. Ich würde gerne mein Leben als Baum führen.“

Ein Kommentar

  1. Ich bedanke mich sehr für diese Buchpresentation und ich hoffe dass die Leser und Leserinnen eine schöne Zeit verbringen werden

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