Große Gladbacher Karnevalsgesellschaft ernennt neue Consul-Carnevalis

Jeder Gast wurde am Eingang äußerst freundlich begrüßt und jede Dame erhielt als Willkommensgeschenk eine rote Rose. Manuela Luhnen, als Präsidentin der Großen Gladbacher Karnevalsgesellschaft begrüßte die vielen Gäste im Haus Erholung, dessen Saal in den Farben der Gesellschaft geschmückt war.
Von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach – Ihr besonderer Gruß ging an Uli Fomferra und Ralph Köllges, die an diesem Abend in den erlauchten Kreis aufgenommen werden sollten. Außerdem an die Laudatoren Guido Ferfers und Hermann Schnitzler.

In Bezug auf das Prinzen-Paar Axel und Thorsten führte sie an, dass es so etwas noch nicht gegeben hat, aber wenn sie auftreten, bringen sie alle Säle zum Toben. Sie wünschte allen einen schönen Abend und versprach ein tolles Programm, das genauestens vorbereitet und geprüft worden sei.

Dann übernahm der 1. Vorsitzende Winfried Hansen das Mikrofon und führte gekonnt durch das Programm.

Als erstes wurde ein Prinzenpaar angekündigt und alle waren gespannt, wer es wohl sei. Es war das Kinderprinzenpaar Luca und Sophie aus Viersen mit Gefolge. Das war für Manuela Luhnen eine besondere Überraschung, denn die Prinzessin und der Adjutant waren ihre Enkelkinder. Die Beiden präsentierten ihr Prinzenpaarlied „Wir sind echte Fründe“ mit gekonnten Tanzeinlagen.

Nach einer Essenspause waren sie dann da. Prinz Axel und Prinz Niersius Thorsten mit Hofmarschall Christian Ernst und den Adjutanten Dieter Lichtenhahn und Stefan Neus. Natürlich durfte der oberste Herr des Mönchengladbach Karnevals-Verbandes nicht fehlen und zwar der 1. Vorsitzende Gert Kartheuser.

Axel und Thorsten waren begeistert als Prinzen im Kaisersaal zu sein. Für die Beiden war es bis zu diesem Zeitpunkt ein toller Tag und dieser wird auch so weiter gehen, denn sie haben noch einige Auftritte vor sich.

Axel, gebürtig in Wuppertal, kam zusammen mit Thorsten vor 11 Jahren nach Mönchengladbach und zwar nach Eicken. Dort sind sie in die Fänge des Karnevals geraten und haben alles nur so aufgesogen. Für Thorsten war es immer ein großer Traum, einmal Prinz zu sein. Aber dieser ist dann verpufft und er hätte nie daran geglaubt, hier einmal als Prinz zu stehen. Den Beiden geht es nur um Spaß im Karneval und nicht darum, ob jemand einen Rock anhat oder nicht.

Da Axels Liebe kleine und große Eisenbahnen bzw. Straßenbahnen sind, fährt er gerne, um abzuschalten, nach Bochum, wo er dann als Fahrer einer Straßenbahn im Einsatz ist.

Auch die Beiden sammeln für ein besonderes Objekt, nämlich das Objekt „Wir“. Das sind 6.500 Mitglieder und zwar die Karnevalisten. Da eine neue Wagenbauhalle für die Karnevalswagen hermuss, sammeln sie hierfür. Da es in diesem Jahr keine Prinzessinnennadel gibt, dafür aber einen Prinzensticker, wird dieser gegen eine Mindestspende von 10 Euro verkauft. Auch dieses Geld dient dazu, die neue Halle, das „Jecke Narrennest“, zu finanzieren.

Kartheuser dankte für die Einladung und erwähnte, dass er viele schöne Erinnerungen an diesen Saal hätte. Da das Prinzen-Paar weitermusste, bat Kartheuser die Aspiranten Fomferra und Köllges für den Consul-Carnevalis zu sich, überreichte ihnen einen MKV-Clown im Narrennest und wünschte ihnen einen wunderschönen Abend.

Dann wurde der erste Preisträger Ralph Köllges mit seinem Laudator Hermann Schnitzler nach vorne gebeten.

Schnitzler gab in seiner Rede viel über Köllges preis, mit dem er bereits seit 26 Jahren freundschaftlich verbunden ist.

So wurde Köllges am 4.1.1962 im alten Krankenhaus in Rheydt an der Gartenstraße mit einem Gewicht von über 4 Kilo geboren. Seine Schwester kam drei Jahre später zur Welt.

Laudator Hermann Schnitzler

Als Kind hatte er schweres Asthma und mit knapp 4 bzw. 5 Jahren musste er alleine in eine Kinderklinik nach Norderney zur Kur. Diese wurde von evangelischen Nonnen geführt und von den vielen Liedern, die dort gesungen wurden, blieb im eines ganz besonders in Erinnerung und zwar „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Da hatte er zum ersten Mal den Wunsch, einmal Pfarrer zu werden. Auch bekam er in dieser Klinik die Masern, und ob das seine Affinität zu Impfungen kommt, ist bis heute nicht geklärt.

Aufgrund seiner Trennungsangst wollte er nicht in einen Kindergarten und absolvierte seine Grundschulzeit in der Grundschule Pahlke Straße in Rheydt.

Während seiner Konfirmantenzeit hatte er bei seinem Pfarrer einen so guten Eindruck hinterlassen, dass dieser sich vorstellen konnte, dass Ralph einmal Priester werden könnte.

Weiterhin litt er an einer Krankheit, die durch Dr. Büchs erfolgreich behandelt werden konnte. Das führte dann zu seinem Berufswunsch, Kinderarzt zu werden. Mit 14 Jahren sagte er Dr. Büchs zu, seine Praxis eines Tages übernehmen zu wollen.

In der Pubertät begann seine sportliche Karriere und zwar mit dem Handballsport beim 1. FC MG und betrieb diesen bis zu seinem 20. Lebensjahr. Hier kam er auch mit Karnevals-Größen zusammen, unter anderem mit Joachim Potrykus (Handelshof) und Willi Kleuser (MKV-Sitzungspräsident).

Schulisch ging es weiter auf dem Hugo-Junkers-Gymnasium, das er mit einem Abitur-Durchschnitt von 1,4 beendete. Aber für das Medizin-Studium war ein Durchschnitt von 1,2 erforderlich und so entschloss er sich nach zwei Jahren, den Medizinertest zu machen. Dieses Ergebnis plus Abi-Note reichte dann, um das Medizin-Studium zu beginnen. Sein Studium finanzierte er erst durch Nachtwachen in einem Krankenhaus, bevor er als Hilfspfleger im Franziskushaus unter Vertrag genommen wurde.

Bei seinem praktischen Jahr 1987 in Krefeld lernte er auch seine Barbara kennen, die dort bereits arbeitete. Bei einer Behandlung eines Verletzten fragte er Barbara geradeaus „ich möchte einmal 5 Kinder haben und Du?“, worauf Barbara blitzartig aus dem Behandlungsraum verschwand.

Dennoch kam die Beiden zusammen und bezogen 1988 ihre erste gemeinsame Wohnung in Kaarst. Mehrmals hatte er seine Barbara gefragt, ob sie seine Frau werden wolle, wurde aber immer wieder vertröstet. Am 20.4.1990 wurde dann doch noch geheiratet und man fuhr nach Tüschenbroich, um dort Fotos zu schießen. Nach einer Bootstour wollte Ralph sein sportliches Können unter Beweis stellen. Barbara stand bereits auf dem Steg und wartete, dass ihr Gatte jetzt zu ihr kam. Er versuchte mit einem beherzten Sprung ebenfalls auf den Steg zu kommen, was aber misslang. Er landete in voller Montur im Tüschenbroicher See. Am nächsten Tag erfolgte dann die kirchliche Trauung, die ohne Zwischenfälle verlief.

Mit ihren Söhnen Fabian und Jonathan genossen sie die Familienurlaube, ganz besonders beim Schwimmen. Aber die große Leidenschaft von Ralph sind die Berge und das Klettern.

Schnitzler lernte Ralph vor 26 Jahren im Elisabeth Krankenhaus kennen. Dort war er nicht nur leitender Notarzt, sondern war auch im Einsatz mit dem Rettungswagen für neu geborene Säuglinge. Aufgrund persönlicher Erfahrungen setzten sich die beiden gemeinsam für die Anschaffung eines Babynotarztwagens ein.

Dann kam der Sprung in die Selbständigkeit und Praxiseröffnung. Er hat Wort gehalten und die Praxis von Dr. Büchs übernommen.

Wie aber kam er zum Karneval? Er besuchte Sitzungen der KG Wenkbülle, wo er nicht nur Willi Kleuser wiedertraf, sondern dadurch kam er auch auf die Idee, Freunde zum Feiern in seine Praxis einzuladen und somit war die Idee zum Praxiskarneval geboren. Seit 2001 findet diese Veranstaltung statt und gewinnt immer mehr Freunde.

Ralph feiert gerne und ist in Sachen Brauchtum sehr flexibel. So hat er seinerzeit in Büttgen den Vogel abgeschossen und war somit Schützenkönig, was seiner Barbara nicht so gut gefiel.

Diese Laudatio war mit Bildern von Ralph unterlegt und zum Schluss erschien dann ein Bild, auf dem Ralph und Barbara als Prinzenpaar der Stadt Mönchengladbach zeigt. Dieses wurde mit einer Karnevals-Wunsch-Kamera geschossen. Die Bemerkung von Schnitzler hierzu hieß: da geht noch was.

Dann erhielt Köllges die Insignien seines Titels in Form der Narrenkappe, des Ordens sowie der Urkunde, die vom Ordensmeister Michael Claser überreicht wurden.

In seiner seiner anschließenden Rede dankte er Schnitzler für die tolle Laudatio. Weiter führte er an, dass er damals geschworen habe, niemals zu rauchen, was er auch bis heute nicht getan habe. Aber er sei dankbar, dass er auf die anderen Dinge nicht geschworen habe. Sein Schlusswort war: als Consul-Carnevalis wird er die Interessen des Humors und des Brauchtums in einer manchmal humorlosen Welt vertreten.

Bevor die zweite Ehrung an diesem Abend anstand, wurde es musikalisch. Die Garderottis, leider ohne ihren Leader Michael Dahl, trugen bekannte Karnevalslieder vor, die von den Anwesenden kräftig mitgesungen und mitgetanzt wurden.

Dann wurden Uli Fomferra und Guido Ferfers als Laudator nach vorne gebeten.

Man hatte Fomferra vor einiger Zeit mitgeteilt, dass man ihn als Consul Carnevalis auszeichnen wolle und so bat er Ferfers, die Laudatio zu halten. Hiermit war Ferfers einverstanden, aber es war auch eine große Herausforderung für ihn. Aber dann schaffte er es doch, über berufliche, karnevalistische, private und freundschaftliche Begebenheiten zu reden.

Die Beiden lernten sich im November 2010 in Holt kennen. Fomferra, der damals leitender Polizeidirektor in Mönchengladbach war, hatte einen eigenen Orden kreiert, den er nur ausgesuchten Leuten verlieh. Sie stellten sich gegenseitig vor und Uli verlieh diesen Orden an Ferfers. So entstand die Freundschaft auf den ersten Blick.

Nachdem er am 10.4.1950 in Neuwerk geboren wurde und gemeinsam mit seinem Bruder eine Kindheit verbrachte, die geprägt war, sich auch einmal um alte und bedürftige Menschen zu kümmern, trat er mit 15 Jahren in das Deutsche Rote Kreuz ein. Mit seinem Lehrer gründete er die Jugendrotkreuztruppe. Zu dieser Zeit erwachte in Uli der Wunsch Arzt zu werden. Aber der Tod eines Patienten ging ihm so nahe, dass er merkte, auf Dauer könne er mit solchen Situationen nicht umgehen.

Also machte er sein Abitur und wollte dann Pilot bei der Bundeswehr werden. Aber auch hier machte ihm das Schicksal einen Strich in Gestalt seiner Jugendliebe durch die Rechnung und er verabschiedete sich auch von diesem Berufswunsch.

Laudator Guido Ferfers

Er entschied sich dann für eine Laufbahn und Karriere bei der Polizei. Anfang 1970 war er mit gerade einmal 24 Jahren einer der jüngsten Kommissare. 1980 bat er um Beurlaubung, um an der Uni Münster das Studium für den höheren Dienst abzuschließen. So wurde er dann mit nur 36 Jahren Kriminalrat und somit einer der jüngsten Kriminalchefs in NRW. Seine Karriere stieg immer weiter, bis er dann leitender Polizeidirektor in Mönchengladbach war.

Sein liebster Sport ist es, mit seinem Hund Jule Gassi zu gehen und bis zu seiner Pensionierung war es ihm ein Bedürfnis, seine Borussia zu beschützen, vor allem bei Spielen gegen den 1. FC Köln.

Er war immer für andere da und geht auch heute noch in Seniorenheime, um den Menschen mit Gesprächen oder einem aufmunternden Wort die Zeit zu erleichtern.

Seit über 50 Jahren ist er Mitglied in der CDU und fühlt sich seinem Stadtteil Holt stark verbunden, ganz besonders der Bruderschaft, wo er bereits Schützenkönig war.

Sein Traum, einmal Stadtprinzenpaar zu werden, klappte aus gesundheitlichen Gründen nicht. Aber seine Frau Heidrun sah es positiv beim Schuss auf den Königsvogel. Sie wollte immer nur Prinzessin werden und jetzt wurde sie sogar zur Königin befördert.

Er ist ein Karnevalsjeck, der es auch fertigbringt, mitten im Sommer bei einer privaten Feier einmal in einer Phantasieuniform zur Karnevalsmusik zu tanzen. Die KG Immer Lustig ist seine Gesellschaft und war dort auch viele Jahre aktives Mitglied.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit versucht er noch, mit Scherzen für andere da zu sein.

Uli Fomferra erhielt ebenfalls die Insignien wie Orden, Narrenkappe und Urkunde aus den Händen von Michael Claser.

Fomferra war vor einigen Monaten sichtlich gerührt, als er die Info bekam, mit dem Titel Consul-Carnevalis ausgezeichnet zu werden. Er hat ja gesagt, obwohl es fraglich war, dass er diesen Termin noch erleben würde aufgrund seiner inoperativen Leber. Aber er hatte Glück, denn am 12.9.2019 wurde ihm eine neue Leber implantiert und er sprach weiter von Glück, dass er auch die nächsten Jahre noch mit seiner Frau zusammen sein kann.

Er drehte sich zur Musikkapelle um und diese spielten das Lied „Echte Fründe ston zesamme“ von den Höhnern. Hierzu meinte er dann, hast du Glück, Geld und Erfolg, kennen dich alle. Hast du Misserfolge, drehen sich alle weg.

Geheilt wurde er durch eine Teilleberspende, welches ein großes Unterfangen darstellt. Sein 27-jähriger Neffe stellte sich zur Verfügung, aber er kam nicht in Betracht, denn seine Leber war zu klein. Er und seine Frau fielen in ein tiefes Loch, aber dann klingelte es an der Tür und Freundschaft stand vor der Tür in Person von Guido Ferfers. Er und auch Jerome Schnitzler hatten dich bereit erklärt, einen Teil ihrer Leber zu spenden.

Dann kam am 11.9. der Anruf, eine Leber steht bereit und der musste im Eiltempo nach Aachen, wo die Implantation am 12.9. vorgenommen wurde. Er dankte Ferfers und Schnitzler noch einmal, denn wäre die OP nicht gewesen, hätten die Beiden am 13.9. in Aachen auf der Matte gestanden.

Er bat die Anwesenden doch noch einmal über einen Organspenderausweis nachzudenken, denn es ist niemals zu spät. So konnten die Augen seiner verstorbenen 94-jährigen Mutter einem Blinden eingesetzt werden, der heute wieder sehen kann.

Nach diesen Auszeichnungen kam der Karneval zu Wort.

Lachen ist gesund“ das war das Motto von „Ette und Lilly“, dem Bauchrednerpaar. Die beiden machten ihre Späße, es war gute Laune vorprogrammiert und es blieb kein Auge trocken. Struwwelige rote Haare und rotzfrech wie ein „Lausbub“ – das war „Lilly“. Sie trug Jeans, ein Halstuch und hatte eine große Klappe. Mit „Hallo Fans“, begrüßte sie ihr Publikum und es folgte ein 30minütiger Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer.

Einen ganz besonderen Augen- und Ohrenschmaus gab es am Ende der Veranstaltung. Die Kapelle „Uit je dak-kapel“ aus den Niederlanden sorgte so für Stimmung, dass keiner mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleiben konnte.

Für Tanzbegeisterte, die noch nicht nach Hause wollten, spielte die Popcorn Partyband bis in den frühen Morgen.