Große Wildtiere meistern das Zusammenleben mit den Menschen besser als vermutet – aber was ist mit den Kleinen?

Das Zusammenleben der Menschen mit großen wilden Säugetieren wie Wölfen, Hirschen oder Wildschweine war seit jeher nicht unproblematisch: Wildtiere können eine Bedrohung für Nutztiere sein – das Verhältnis Wolf und Schaf ist ein gutes Beispiel.

Natur – Oder Wildtiere wie Wildschweine: Sie fressen Felder kahl und bedrohen die Ernte. Intensive Jagd hat über Jahrhunderte zu unverhältnismäßigen Eingriffen in Wildtier-Populationen geführt. Doch wie bedeutend ist der negative Einfluss des Menschen auf das Überleben großer Wildtiere? Welche Rolle spielen im Gegensatz dazu biologisch-physikalische Einflüsse wie Witterungsbedingungen, Krankheiten und Populationseinbrüche durch Nahrungsmangel? Dazu gab es bisher kaum wissenschaftliche Erkenntnisse.

Diesen Fragen sind Wissenschaftler in einer groß angelegten Studie nachgegangen. Die Ergebnisse wurden aktuell im renommierten wissenschaftlichen Fachjournal „iScience“ veröffentlicht. Die Daten überraschen. „Denn die Verbreitung großer Säugetiere wird weniger durch den Menschen als durch biophysikalische Einflüsse eingeschränkt“, sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

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Doch wie geht es den kleinen Säugetierarten im Zusammenleben mit dem Menschen? Wie dramatisch sind Populationseinbrüche durch Habitatverluste und immer enger werdende ökologische Nischen? „Während große charismatische Arten wie Wölfe und Luchse im Mittelpunkt des Interesses der Naturschützer stehen und Medienstars sind, leben kleine Säugetierarten wie Feldhamster und Mopsfledermaus eher im Verborgenen und werden deshalb leicht zu Verlierern“, sagt Hackländer. Die großen, charismatischen Wildtiere haben es einfacher, gesehen zu werden: „Doch die Deutsche Wildtier Stiftung engagiert sich für das gesamte Spektrum der Wildtiere.“ Deshalb rückt die Stiftung mit ihren Projekten zum Feldhamsterschutz und zum Überleben der Fledermäuse auch die Kleinen ins Rampenlicht.

„Im Feldhamsterschutz setzen wir auf die Kooperation mit Landwirten“, so Hackländer. Denn teilen sich Mensch und Wildtier einen Lebensraum, kommt es schnell zu Konflikten. Das Zusammenleben ist eine Herausforderung. „Europa ist dicht besiedelt und eine durch den Menschen stark veränderte Landschaft; deshalb können wir nur gemeinsam mit Land- und Forstwirten, Flächeneignern, Praktikern und Politikern mit einem effektiven Wildtiermanagement zu positiven Ergebnissen kommen“, betont Prof. Dr. Klaus Hackländer. „Die Ergebnisse der Studie zu großen Säugetieren macht Mut – doch wir dürfen die Kleinen dabei nicht aus den Augen verlieren, damit eine Koexistenz zwischen Mensch und Wildtier in Europa am Ende für alle Früchte trägt.“ (opm/Deutsche Wildtier Stiftung)