Grüne Kreuze als Mahnung an die Gesellschaft

Immer mehr fallen die grünen Kreuze auf, die vor den Höfen, an Straßen oder auf den Feldern in ganz Deutschland von Landwirten aufgestellt wurden. Ebenfalls in unserer Region, wie auch in Dülken, stehen sie bereits seit einigen Wochen und sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Plötzlich schossen sie wie Pilze aus dem Boden: Grüne Kreuze. Aufgestellt wurden sie von Landwirten, denn hierbei handelt es sich um eine besondere Protestaktion, die auf das massive Höfe-Sterben aufmerksam machen wollen, welches mit dem Anfang September durch das Bundesministerium für Landwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium verabschiedete Agrarpaket befürchtet wird. Ins Leben gerufen von einer Gruppe unabhängiger, engagierter Landwirte, ihnen voran der Landwirt Willi Kremer-Schillings (Bauer Willi), haben sich dieser mittlerweile hunderte von Landwirten und ebenfalls Bauernverbände angeschlossen. Die Mahn-Kreuze sollen auf die Folgen des verabschiedeten Agrarpakets und die sowieso schon schlechte Lage der Landwirtschaft hinweisen, denn seit der Entscheidung geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert, in Einzelfällen sogar nahezu unmöglich gemacht wird.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Maßnahmen greifen massiv in die Eigentumswerte der Landwirte ein, einzelne Flächen würden wertlos und könnten nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Die Folge: Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert, ohne Rücksicht darauf, wie sie dort erzeugt wurde. Das dies nicht im Sinne des Verbrauchers sein kann, meint auch der Dülkener Landwirt Heinz Giesen, der sich an der Aktion „Grüne Kreuze“ beteiligt. „Mit dem neuen Agrarpaket werden die Landwirte weiter drangsaliert, noch mehr Auflagen ausgesprochen werden. Und dass, obwohl jeden Tag in NRW 23 Hektar und bundesweit 66 Hektar Fläche verloren gehen. Nicht unbedingt versiegelte Fläche, sondern ebenfalls Flächen aus der landwirtschaftlichen Benutzung rausfallen, weil die Ökopunkte bei größeren Bauprojekten erfüllt werden müssen“, so Heinz Giesen. „Die zahlreichen Verbote auch im Pflanzenschutzbereich werden dazu führen, dass die Erträge sinken und gefährden damit ebenfalls die Versorgung mit regionalen Produkten. Der Zucker wird demnächst aus Südamerika kommen, aus Zuckerrohr hergestellt, denn wir werden im kommenden Jahr keine Zuckerrüben mehr anbauen.“

Eine Entscheidung, mit der der Dülkener Landwirt nicht alleine steht, denn durch die Einschränkungen der aktuellen Agrar- und Umweltpolitik sehen viele Landwirte ihre Lebensgrundlage bedroht. Das Agrarpaket war dabei der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Zunehmend versuchen traditionelle Landwirte, dieser Entwicklung durch eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu begegnen. Hierdurch entsteht ein Überangebot mit einem gewaltigen Preisdruck, der das Höfe-Sterben begünstigt – deshalb unterstreicht Landwirt Giesen: „Redet mit den Landwirten, nicht über sie.“ Denn es geht nicht darum, dass die Landwirte mehr Geld wollen, es geht darum, dass die Bewirtschaftung von Äckern und Grünland immer weiter erschwert wird. Heinz Giesen erklärt detailreich, die Problematik im Pflanzenschutzbereich und die Mehrarbeit, die die neuen Verordnungen mit sich bringen. Doch die Mehrarbeit will kein Verbraucher an der Kasse bezahlen.

Und damit wird die bittere Wahrheit sichtbar, denn die Aktion „Grüne Kreuze“ stellt keine Forderungen, sondern will auf die tatsächliche Wirklichkeit fern der bürokratischen Darstellungen des Agrarpakets aufmerksam machen und ihre Botschaft in die Gesellschaft tragen: Wenn die Agrar- und Umweltpolitik die Landwirte weiterhin durch politisch gutaussehende, aber realitätsfremde Vorgaben weiter einschränkt, dann werden immer mehr kleine und mittlere Betriebe ihre Arbeit einstellen – Großbetriebe werden immer weiter wachsen und immer mehr Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert werden müssen. Umso wichtiger ist es, sich der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden – auch mit Blick auf den so viel diskutierten Klimawandel. (nb)