BUND befürchtet Grundwasserverseuchung im Dülkener Wasserschutzgebiet

Seit mindestens fünf Wochen ist dem Kreis Viersen und der zuständigen Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bekannt, dass es im Wasserschutzgebiet (WSG) des Wasserwerkes Dülken eine erheblich mit Abwasser belastete offene Muldenversickerung mit direktem Kontakt zum Grundwasser gibt, ohne dass erkennbar Maßnahmen eingeleitet wurden im den Schaden zu begrenzen und zu beheben.

Viersen-Dülken – Die vom BUND veranlasste Analyse einer Probe von Anfang Oktober ergab eine erhebliche Belastung des Wassers in der Sickergrube, angrenzend an den beim Bau von Anwohnern und Tier- und Naturschützern kritisierten Schweinemaststall, mit Ammonium, Nitrat und organischen Substanzen (CSB), bestätigt durch amtliche Untersuchungen des Kreises Viersen mit einer Probe von Ende Oktober. „Es entspricht in seiner Zusammensetzung etwa 1 zu 10 verdünnter Schweinegülle und dürfte im Wassersschutzgebiet entsprechend den geltenden Bestimmungen überhaupt nicht und auch ansonsten nicht ohne Vorbehandlung im Grundwasser versickert werden. Hinzu kommt die Ausgestaltung als offenes, für nahezu jedermann zugängliches Becken, das einen unmittelbaren Gefahrenherd (offener, ebenerdiger Gülleteich) darstellt“, so Paul Kröfges, Sprecher des BUND NRW Landesarbeitskreises WASSER. „Bei jedem Unfall mit wassergefährdenden Stoffen im WSG wird normalerweise die Feuerwehr mit Blaulicht angefordert, um abzupumpen, den Boden abzutragen, Sanierungsmaßnahmen werden unmittelbar eingeleitet, hier wird seit vielen Wochen zugeschaut.“

Der BUND hat bereits Mitte Oktober Strafanzeige wegen Gewässerverschmutzung gegen den Betreiber der Versickerung gestellt, der unmittelbar neben dieser Grube einen Schweinemaststall mit 2.200 Schweinen unterhält. Darüber hinaus hat der BUND unmittelbar den Kreis Viersen aufgefordert zu handeln und den Verschmutzungsherd zu sanieren, da hier mit Blick auf das Grundwasser des Wasserschutzgebietes „Gefahr im Verzuge“ sei.
Laut Aussage des BUND hat aber bis heute weder der zuständige Kreis Viersen noch die Bezirksregierung Düsseldorf (als Aufsichtsbehörde) gehandelt, sondern lediglich „Überlegungen“ angestellt, was zu tun sein, z. B. einen Bodenaustausch vorzunehmen. Der BUND Kreis Viersen hat daher entsprechende Dienstaufsichtsbeschwerden an den Kreis (Landrat) und die Bezirksregierung Düsseldorf gerichtet.

„Im Übrigen stellt sich der Kreis Viersen nach Einschätzung des BUND bewusst dumm, indem er einerseits „sich nicht erklären kann“ wie es zu dieser Verschmutzung kommen konnte und andererseits „feststellt“ dass die Zuläufe zur Mulde „keine bedenklichen bzw. unzulässigen Belastungen enthalten, die einer Versickerung entgegenstehen““, so die Pressemeldung des BUND weiter.
Abgesehen davon, dass auch der BUND davon ausgeht, dass hier wohl ein unmittelbarer Gülleeintrag stattgefunden haben muss, weisen die Stichproben des Kreises an den Zuläufen deutliche Gehalte an Ammonium, Nitrit und Nitrat auf, die in der Summe Nitratgehalten von 70 bis 100 mg/l entsprechen. Damit wurde eine Prognoseberechnung des BUND vom Januar dieses Jahres (Einwendung gegen die Genehmigung) unmittelbar bestätigt und der zulässige Nitratwert für das anstehende Grundwasser (Sanierungsziel) wird deutlich überschritten.

Der BUND fordert daher erneut,  die Versickerungsgrube leer zu pumpen, den belasteten Boden auszutauschen und die Grube ebenerdig mit sauberer Erde aufzufüllen. „Sämtliches bisher in der Grube geleitetes Niederschlagswasser muss endlich über die Kanalisation zur Kläranalage geleitet werden, eine Versickerung dieses belasteten Wassers kann nicht weiter zugelassen werden.“

„Für den BUND ist vor allem nicht nachvollziehbar, dass der betroffene Wasserversorger, die NEW,  dieser „chronischen Brunnenvergiftung“ bisher abwartend und tatenlos zuzuschauen scheint. Eigentlich müssten dort alle Alarmglocken läuten, zumal der BUND in der Vergangenheit mehrfach und intensiv auch den Wasserversorger, der es eigentlich hätte besser wissen müssen, auf diese Problematik hingewiesen hat“, sagt Paul Kröfges weiter, „Wir sind gespannt auf die weiteren Schritte seitens der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach.“ (re)

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