Gut vernetzt für Senioren in Holt – Gerhard Herrmann vom MAGS NRW informierte sich beim Caritasverband

Über die vernetzten Pflegeangebote des regionalen Caritasverbandes für ältere Menschen informierte sich Gerhard Herrmann vom Gesundheitsministerium NRW bei einem Besuch des Caritaszentrums Holt. Ein strittiges Thema war die Bürokratie.

Mönchengladbach – Zu Beginn des gut dreistündigen Besuchs ließen sich Herrmann, Leiter der Abteilung Pflege, Alter, demografische Entwicklung im NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS), und Referentin Nina Tenberken die verschiedenen Bausteine im Caritaszentrum Holt vorstellen. Der Caritasverband Region Mönchengladbach hat hier ein umfassendes vernetztes Angebot geschaffen. Zur stationären Pflege und Kurzzeitpflege sind in den vergangenen Jahren weitere Wohnungen mit Betreuung, zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften und eine Tagespflege hinzugekommen. Gleichzeitig hat die Caritas ihre 36 Sozialwohnungen für Senioren am benachbarten Wadenpfad energetisch saniert. Insgesamt können im und am Caritaszentrum Holt mehr als 200 ältere Menschen leben sowie gepflegt oder betreut werden.

Über das vernetzte Angebot der Caritas für ältere Menschen in Holt informierte sich Gerhard Herrmann vom NRW-Gesundheitsministerium (MAGS) bei einem Ortstermin. Auf dem Foto von links: Prof. Dr. Andreas Wittrahm (Caritasverband für das Bistum Aachen), Einrichtungsleiterin Sabine Ritter, Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa, Gerhard Herrmann, Philipp Knippertz (Caritasverband für das Bistum Aachen), Nina Tenberken (Referentin im MAGS) und Manuela Jansen (Bereichsleiterin Caritas). Foto: Caritasverband

„Ambulant vor stationär – dieser auch politisch gewollte Grundsatz greift auch in Mönchengladbach“, berichtete Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa den Besuchern, zu denen auch Prof. Dr. Andreas Wittrahm und Philipp Knippertz vom Caritasverband für das Bistum Aachen gehörten. Allerdings würden auch die stationären Pflegeplätze dringend benötigt, da immer mehr schwerst pflegebedürftige Menschen ins Altenheim kämen. Das bestätigte Sabine Ritter, die Leiterin des Caritaszentrums Holt: „Ein Drittel unserer neu aufgenommenen Bewohner kommt mit der Diagnose einer zum Tode führenden Krankheit zu uns“, sagte sie.

Gerhard Herrmann bedankte sich für die „interessanten Einblicke“ in das in Holt umgesetzte Konzept der Caritas. „Wir müssen auf Landes- und Bundesebene die Rahmenbedingungen für ein gutes und vielfältiges Angebot vor Ort schaffen, um so den Menschen zu ermöglichen, zwischen den verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Leistungsformen zu wählen“, sagte der Fachmann aus dem MAGS. Deutliche Kritik nahm Herrmann in Bezug auf die Umsetzung des Alten- und Pflegegesetzes und weiterer Neuerungen mit nach Düsseldorf. „In den vergangenen fünf Jahren überrollt uns der Bürokratismus. Das tut richtig weh“, erklärte Frank Polixa.

Insbesondere die vom Land vorgeschriebene Durchführung des Alten- und Pflegegesetzes habe sich als „großes Bürokratiemonster“ entpuppt. Durch das Gesetz war das System der Finanzierung von Altenheimen komplett geändert worden. Nordrhein-Westfalen habe die komplizierteste Regelung von allen Bundesländern mit – beispielsweise – umfassenden Nachweispflichten über tatsächlich angefallene Investitions- und Instandhaltungskosten statt der früher angesetzten pauschalen Werte, monierte Polixa. Damit einher gehen veränderte Beiträge der Bewohner von Altenheimen.

„Wir mussten alleine in unserem Verband mehr als 3000 Rückrechnungen durchführen“, so Polixa, der zusammen mit vielen anderen Fachleuten bereits vor Jahren vor den Auswirkungen des damals noch geplanten Gesetzes gewarnt hatte. Derzeit gebe es landauf landab zahlreiche Widersprüche und Klageverfahren wegen der neuen Bestimmungen. Auch beim regionalen Caritasverband liefen mehrere Widerspruchsverfahren. „Das kostet alles viel Arbeitskraft und eine Menge Geld“, sagte Polixa und fügte hinzu: „Ein einfacheres System mit weniger Nachweispflichten ist sehr wünschenswert. Wir sollten das Geld nicht für Bürokratie, sondern für Pflege am Menschen verwenden“, fügte er hinzu.

Zwar gestand Gerhard Herrmann zu, dass es in der Umsetzung viele Schwierigkeiten gegeben habe. Insbesondere die datentechnische Aufbereitung sei „völlig unterschätzt“ worden. Trotzdem gebe es zu diesem Verfahren keine Alternative. „Das Bundessozialgericht hat uns aufgegeben, das sogenannte Tatsächlichkeitsprinzip anzuwenden, das heißt es dürfen nur die Kosten auf die Bewohner der Pflegeeinrichtungen umgelegt werden, die tatsächlich angefallen sind.“ Pauschalen seien bis auf den Bereich Instandhaltung / Instandsetzung nach den Regelungen des SGB XI unzulässig. „Die Änderung wird uns auf Dauer zudem in die Lage versetzen, ein einzigartiges Monitoring aufzustellen.“ Vorher habe es ein intransparentes System mit vielen Einzelregelungen und -vereinbarungen gegeben. Herrmann: „Richtig ist, dass die Umstellung jetzt Nerven und Geld kostet.“ Aber nach den Anfangsproblemen versprach er Besserung für die Zukunft. Er erläuterte, dass derzeit die Anhörung des Ministeriums zu den aktuell vorgesehenen Änderungen der Abrechnungsregelungen laufe und die Caritas-Vertreter dort die Erfahrungen und Kritikpunkte des Caritasverbandes auf Landesebene einbringen könnten. Abschließend wies er darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen eines der wenigen Bundesländer sei, das die Investitionskosten in der vollstationären Dauerpflege überhaupt noch fördert.

Weitgehend einig waren sich die Gesprächspartner beim Thema Fachkräftegewinnung. Frank Polixa hob hervor, dass die Gehälter und Konditionen etwa von Caritas und Diakonie auf ähnlich hohem Niveau wie die Tarife im öffentlichen Dienst seien. „Wir beschäftigen Menschen, die sich für andere engagieren, und die sollten wir vernünftig bezahlen“, betonte der Caritas-Geschäftsführer. Gerhard Herrmann berichtete, dass eine einjährige Assistenz-Ausbildung in der Pflege geplant sei. „Wir brauchen auch mehr Assistenzkräfte“, sagte er vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.

Die seit Jahresbeginn bundesweit geltende generalistische Ausbildung von Pflegefachkräften beurteilte Prof. Andreas Wittrahm vom Caritasverband für das Bistum Aachen positiv: „Sie wird der Altenpflege nicht schaden“, meinte er. Mit Blick darauf berichtete Frank Polixa, dass der Caritasverband Region Mönchengladbach in den vergangenen Jahren die Ausbildung massiv verstärkt habe. Inzwischen erlernen mehr als 50 Frauen und Männer beim regionalen Caritasverband ihren Beruf. Viele Pflegefachkräfte sind darunter, aber auch Köche und Kaufleute im Gesundheitswesen. Polixa: „Wir werden alles dafür tun, dass wir auch in Zukunft gut ausbilden.“