„Habbich wat verpasst?“: Perlen des Schwachsinns

Wenn sich Comedians selbst nicht so ernst nehmen, dann ist das die beste Grundlage für einen fantastischen Abend. WDR2 Copacabana bewies mit Jünter, Jötz und Jürgen wie aus nur einem Wort ein humoristisches Feuerwerk entstehen kann.

Foto: Rheinischer Spiegel

Mönchengladbach – Ausverkauft war das TiG, das Theater im Gründungshaus, mit einem Publikum, welches sich durch alle Altersstufen zog. Geschäftsführer Sinan Heesen konnte zu Recht stolz sein, denn schon nach den ersten Sätzen auf der Bühne war klar, Copacabana wurde auch als Live-Comedy den Erwartungen gerecht.
Den meisten Gästen, die aus dem ganzen Rheinland nach Mönchengladbach gekommen waren, war Copacabana bisher „nur“ als die allmorgendliche Auflockerung auf WDR2 bekannt, schließlich gehen hier Jünter, Jötz und Jürgen seit über einem Jahr den großen Fragen der Menschheit nach. Mit „Habbich wat verpasst?“, haben Tobias Brodowy, Henning Bornemann und Uli Winters, die Köpfe hinter Copacabana, einen echten Fankult geschaffen und nach über 200 Folgen wagten sie den Schritt auf die Bühne, Erfolgreich, echt und spontan, wie sich schnell herausstellte.

Ohne Netz und doppelten Boden stellten sie sich dem Publikum, hatten keine einstudierten Pointen dabei und machten den Abend zu einem Unikat. Im freien Fall sprachen sie in kurzen Dialogen über den aktuellen Zooausbruch nach der Überschwemmung in der Eifel. Wechselten von unsichtbaren Elefanten und schwimmenden Löwen mit Luftstrohhalmen zum vom Publikum eingeworfenen Froschkönig, der sich nach einem Kopfstoß im Brunnen für einen Prinzen hielt. In die Riege „Klingt interessant, ist es aber nicht“ reihte sich ebenfalls der Stromausfall am Hamburger Flughafen ein, mit seinem Flugersatzverkehr nach Berlin und der These, dass der Stromausfall nur deshalb zustande kam, weil die Hamburger neue Teile brauchten und diese vom nicht fertig werdenden BER-Flughafen Berlin-Brandenburg „ausgeliehen“ hatten. Ergänzt wurde der Abend durch Kurzlesungen aus den Biografien der frühreifen und erfolgreichen Darsteller sowie einem Vortrag zu einer zufälligen Seite aus dem Katalog eines Versandhauses. Inspirierende Stunden voller hanebüchener Assoziationsketten, improvisierter Komik und „Perlen des Schwachsinns“ im Copacabana-Stil, die kein Auge trocken ließen. (cs)