Hand in Hand beim Viersener Integrationsfest: Vielfalt verbindet

Der Geruch von fremdländischen Gewürzen und wohlschmeckenden Speisen erreicht schon beim ersten Schritt in das Foyer des Stadthauses die Nasen der Gäste und nimmt sie ihn ihren Bann, während Hand in Hand musikalische und tänzerische Darbietungen beim diesjährigen Integrationsfest verzaubern.

 Viersen – Züleyha Tok, die Vorsitzende des Viersener Integrationsrates kommt aus den Gesprächen gar nicht heraus, während die Klänge der Trommlergruppe der Kreismusikschule Viersen unter der Leitung von Christina Adamczyk mit immer schneller werdenden Tonfolgen das Foyer des Viersener Stadthauses erfüllen. Am gestrigen Sonntag fand das jährliche Integrationsfest statt, welches der Integrationsrat der Stadt Viersen traditionell plant und umsetzt.
„Es ist fast ein Mosaik der Kulturen“, sagt Züleyha Tok und ihre Augen glänzen vor Freude. „Jeder von uns ist ein Teil für eine gemeinsame, friedliche Gesellschaft. Schön, dass so viele aus Nah und Fern gekommen sind, um gemeinsam zu feiern. Alteingesessene wie jüngst Zugezogene, Jüngere wie Ältere, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, alle kommen miteinander ins Gespräch, tauschen sich über ihre Kulturen oder aktuelle Fragen, gerade jetzt nach der Bundestagswahl, aus.“ In ihrer Brust schlagen zwei Herzen, zwei Kulturen – so ist die Rechtsanwaltsgehilfin hier in Deutschland groß geworden, ihre türkischen Wurzeln gehören jedoch ebenso zu ihrem Leben.
Nicht anders geht es dem stellv. Vorsitzenden des Viersener Integrationsrates Sakis Tsivalidis. In Deutschland aufgewachsen, ist er fest verbunden mit seiner griechischen Herkunft. „Offenheit für neue Ideen und Aufgeschlossenheit gegenüber Menschen aus anderen Ländern ist heute in unserer globalisierten, wirtschaftlich immer enger vernetzten Welt einfach unabdingbar“, so Sakis Tsivalidis. „Austausch ist längst unverzichtbar; sich in mehreren Sprachen und Kulturen bewegen zu können, bringt Lebensgefühl und ist ein Gewinn für alle, die gemeinsam zusammenkommen, gemeinsam leben. Es liegt viel Reichtum in der Vielfalt und wir möchten heute hier zeigen, wie vielfältig Viersen ist.“

An den Ständen präsentiert die Atatürk-Gesellschaft, die DITIB Moschee Viersen, die Griechische Gemeinde Viersen, die Tschetschenen und die Italienische Gemeinde Leckereien ihrer Kulturen. Es darf probiert werden, was sonst eher unbekannt ist und es lohnt sich verschmitzt lächelnd nach dem Rezept zu fragen. „Das interkulturelle Fest führt uns ganz deutlich vor Augen, wie sehr das Zusammenleben von Menschen aus der ganzen Welt uns reicher macht. Das ist ein ganz besonders hohes Gut, auf das wir stolz sein können“, sagt Züleyha Tok. Zu den Ständen der Kulturen haben sich auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Krefeld mit dem Integrationspoint des Jobcenters Kreis Viersen gesellt. Immer wieder zieht sich der Berater mit Interessenten zurück, bespricht in Ruhe Fragen, Sorgen und Nöte. Die Diakonie informiert über die Integrationsagentur und das Südstadtbüro ebenso wie das Kommunale Integrationszentrum Viersen, während das Technische Hilfswerk sofort die Herzen der Kinder erobert, kann man doch hier Wagen des THW in Pappe nachbauen und natürlich mit nach Hause nehmen.

Mittlerweile hat die Aufführung gewechselt und Frank Jessen referiert über die Thematik „Aus Fremden Freunde machen“. Danach geht es wieder tänzerisch weiter mit der Tschetschenischen Traditionen-Gruppe Viersen, an die sich der Projekt- und Kinderchor der Kreismusikschule Viersen mit überwältigenden Stimmen anschließt. Traditionell sind die Kleinen Sternchen zu Gast, begeistern mit ihren Tänzen. Dann wird gemeinsam getanzt, so wie es sich bei den Griechen gehört. Die Klänge erinnern viele an den letzten Urlaub, lassen Erinnerungen an Griechenland aufleben – schließlich tanzt die Gruppe „Meraki“, die sich in den 80er Jahren gegründet hat und sich aktuell jeden Sonntag um 15.00 Uhr zum gemeinsamen Tanz und Training im Dülkener Alo trifft. Von Griechenland aus wandern die Vorstellungen in die Türkei mit der Baglama-Gruppe des Integrationszentrums, dann zurück nach Deutschland mit der deutsch-russischen Gruppe Raduga (übrigens eine Premiere, denn der Auftritt fand gemeinsam mit dem Verein Sonnenschein e. V. statt), bevor der Tempeltanz der Tamilischen Tanzgruppe den Tag und das Programm abrundet. (dt)

Foto: Martin Häming