Hans Leifhelm oder die Wiederentdeckung eines Mönchengladbacher Dichters

Hans Leifhelm – das ist ein Name, der wahrscheinlich nur wenigen Mönchengladbachern geläufig sein wird. Es gibt zwar eine Leifhelmstraße, aber sonst? Wer war dieser begabte Dichter, Übersetzer und Schriftsteller, der 1891 in Mönchengladbach „auf dem Hermges“, einem seinerzeit ärmlichen Viertel der aufstrebenden Industriestadt am linken Niederrhein, geboren wurde?

Mönchengladbach – Dieser Frage geht am 6. März 2022 Professor Ralf Georg Czapla im TextilTechnikum des Montforts Quartiers nach. Der Literaturwissenschaftler der Universität Heidelberg, der auch als Vortragsreisender viel in Deutschland und Italien unterwegs ist, macht zur großen Freude der Otto von Bylandt-Gesellschaft und ihres engagierten Vorsitzenden Dr. Rolf Keuchen Station in Mönchengladbach.
Die Vitus-Stadt liegt dem Germanisten Czapla, der aus Erkelenz stammt, besonders am Herzen, da er Anfang der 90er-Jahre hier sein Referendariat absolvierte. Auch verbindet ihn mit seinem damaligen Mentor Ulrich Elsen, dem früheren Bürgermeister und heutigen Bezirksvorsteher von Rheydt und Odenkirchen, eine bis in die Gegenwart gelebte Freundschaft.

Für die Stadt Mönchengladbach ist es ein Geschenk, dass Professor Czapla, der auch schon Vorträge über den Jahrhundertverbrecher Joseph Goebbels in Schloss Rheydt und am Hugo-Junkers-Gymnasium hielt, sich des völlig zu Unrecht vergessenen Dichters Hans Leifhelm angenommen hat.
Ob im Stadtarchiv Mönchengladbach oder am Gardasee – Ralf Georg Czapla ist für Hans Leifhelm und damit auch für dessen Heimatstadt weite Wege gegangen, um ein bemerkenswertes Dichterleben wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Der Dichter, so viel sei im Vorfeld der Veranstaltung verraten, absolvierte, unterstützt vom Volksverein für das katholische Deutschland, 1911 am Stiftischen Humanistischen Gymnasium am Abteiberg als Jahrgangsbester sein Abitur und studierte danach in Straßburg, Innsbruck, Wien, Berlin und Bonn, ehe er 1918 in Heidelberg von Eberhard Gothein zum Nationalökonom promoviert wurde.
1923 ging er nach Graz, um in der Steiermark die Berufsberatung aufzubauen. Leifhelm entzog sich von dort dem Zugriff der Nationalsozialisten, indem er sich nach Italien wandte, wo er unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo an den Universitäten von Palermo und Padua deutsche Sprache und Literatur lehrte. Schon 1947 starb er viel zu früh in Riva am Gardasee an den Folgen einer Hirnhautentzündung.

Der Anlass für Ralf Georg Czaplas Vortrag zu Leben und Werk Hans Leifhelms ist ein besonders schöner, denn der Literaturspezialist veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft und dem Quintus Verlag sowie zahlreichen Bibliotheken und Archiven in Deutschland, Österreich und Italien eine Neuausgabe von Leifhelms Texten, die zum 75. Todestag des Mönchengladbacher Dichters am 1. März 2022 vorliegen und im TextilTechnikum erstmals vorgestellt wird.

Erstmals seit 30 Jahren werden die Texte des Schriftstellers damit wieder im Buchhandel erhältlich sein. Neben Leifhelms lyrischem Gesamtwerk wird der Band eine Auswahl seiner erzählerischen Texte sowie seiner bislang unbekannten Essays zur Nationalökonomie und zum Arbeitsmarkt enthalten.
Viele Texte, die das Mönchengladbach des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts vorstellen, finden sich hier zum ersten Mal: ein Gedicht zum Jubiläum der Kaiser-Friedrich-Halle, ein Stadtlied auf die neugegründete Stadt Gladbach-Rheydt oder eine Erzählung, die vor dem Hintergrund des Odenkirchener Fußballs spielt.
Der Vortrag bildet den Auftakt zu einer Reihe von Präsentationen und Vorträgen, die 2022 in verschiedenen deutschen, österreichischen und italienischen Städten stattfinden werden, um der Wiederentdeckung eines großen Mönchengladbachers nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland den Weg zu bereiten. (opm/Reinhard Bitter)

Matinee der Otto von Bylandt-Gesellschaft mit Vortrag und Buchvorstellung, TextilTechnikum im Montforts Quartier, Mönchengladbach, Sonntag, 6. März 2022, 11:30 Uhr.

Foto: Der Mönchengladbacher Dichter Hans Leifhelm am Schreibtisch – Photograph unbekannt, Bestand der Theodor-Kramer-Gesellschaft, Wien