Hape Kerkeling kann auch sehr ernst – Gott sei Dank!

Wer kennt nicht Horst Schlämmer? Wer hat sich nicht amüsiert, als ein junger TV-Künstler rote Kaffeemaschinen verschenkte oder in Frauenkleidern als niederländische Königin am Dienstsitz des Bundespräsidenten vorfuhr? Wenn man an Hape Kerkeling in seinen Paraderollen denkt, dann bleibt aber oft mehr als nur ein ausgelassenes Lachen zurück. 

KKV-Impuls – Hinter dem komödiantischen Kunsthandwerk war vielfach auch der präzise und kritische Blick auf die Gesellschaft zu sehen. Hans-Peter Wilhelm Kerkeling – so heißt er mit bürgerlichem Namen – kann auch ernst. Und das wissen seine Fans nicht erst, seit er sich auf seinen ganz privaten Pilgerweg begab und die Menschen in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ mit auf seine spirituelle Reise nahm.

Herr Kerkeling, was ist schwieriger: Die Menschen zum Lachen oder zum Nachdenken zu bringen?
Menschen herzlich zum Lachen zu bringen, ist keine leichte und keine leichte Aufgabe. Nachdenklichkeit hingegen lässt sich schnell erzeugen. Da reicht ein unüberlegter Kommentar, schon runzelt jemand die Stirn.

Sie sangen vor vielen Jahren einmal „Das ganze Leben ist ein Quiz.“ Stimmt das? Gibt es immer mehr Fragen als Antworten?
Ist das nicht das Aufregende am menschlichen Dasein? Am Ende bleibt es rätselhaft trotz aller Wissenschaft und Forschung. Da kommt der liebe Gott ins Spiel.

Foto: obs/ZDFneo/ZDF/Oliver Vaccaro

Wenn man Sie im Fernsehen, auf der Bühne und in Ihren Büchern kennen gelernt hat, dann bleibt das Bild eines sehr lustigen, aber auch nachdenklichen Mannes hängen. Wenn ich zum Beispiel an die Kunstpersiflage „Hurz“ denke oder an Horst Schlämmer, dann haben Sie das seltene Talent, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, ohne dass man Ihnen böse sein kann. Was kann man als „Humorist“ bewegen, was zum Beispiel ein Politiker nie erreichen kann?
Ehrlich gesagt, bin ich kein besonders nachdenklicher oder grüblerischer Mensch. Eher würde ich mich als kontemplativ beschreiben; also als beschaulich. Ein Humorist legt sich mit niemandem an. Er nimmt Zustände aufs Korn. Das macht ihn natürlich beliebter als den Politiker, der berufsbedingt ständig mit irgendjemandem im Clinch liegen muss.
Dass mein Buch „Ich bin dann mal weg“ viele Menschen dazu bewegen konnte, sich auf den Jakobsweg zu machen, erfüllt mich auch heute noch mit Freude. Das wäre allerdings auch weniger die Aufgabe eines Politikers gewesen, als die eines Bischofs.

Sie haben uns in dem Buch „Ich bin dann mal weg“ an ihrer sehr persönlichen Reise auf der Suche dem Sinn des Lebens teilhaben lassen. Wenn Sie an ihre Pilgerreise denken, was fällt ihnen heute im Rückblick zuerst ein?
Der Blick auf die heiligen Berge Kantabriens. Diese Ruhe und den inneren Frieden, die ich dort spüren durfte, bleiben unvergesslich. Der Jakobsweg hat mich auf einen anderen Lebensweg geführt. Dafür bin ich dankbar.

Sie waren einmal katholisch. Vor vielen Jahren sind Sie aus der Kirche ausgetreten. Dennoch hat man das Gefühl, dass Sie sich mehr mit „Glauben und Gott“ beschäftigt haben als viele, die Sonntag für Sonntag in die Kirche gehen. Würden Sie sich selbst als gläubig bezeichnen? Was bedeutet „Gott“ für Sie?
Ich glaube an Gott! Gott ist für mich Liebe und Barmherzigkeit. Gott ist gewiss kein Dogma oder Katechismus. Genau das trennt mich von der katholischen Kirche, die oft die Lehre über die Liebe stellt. Deswegen habe ich sie aus Überzeugung verlassen. Vielleicht trete ich noch mal in die evangelische Kirche ein. Die ist mir dann doch näher mit ihrem Verständnis von einer persönlichen Beziehung, die jeder Mensch mit Gott hat. Obwohl ich das katholische Brimborium in Rot und Gold schon sehr mochte.

Wenn Sie sich die Gesellschaft heute anschauen – was machte Ihnen Angst und was schenkt Ihnen Hoffnung?
Wohin man blickt: Verhärtete Fronten. Rigidität. Verbohrtheit. Man könnte meinen Belzebub persönlich sei hier am Werk. Wie die EU zusehends zerfällt und sich jeder einzelne Mitgliedsstaat wirrem, nationalistischen Taumel hingibt, das ist erschreckend. Ob Deutschland die Kraft und Klugheit besitzt sich dem zu widersetzen? Das erfüllt mich mit Sorge. Aber als gottesfürchtiger Mensch verliere ich nicht die Hoffnung.

Mal angenommen, Sie dürften vor einer vollen Kirche an einem Sonntagmorgen predigen. Was wäre Ihr Thema und was würden Sie der „Organisation Kirche“ und den anwesenden Gläubigen gerne mit auf den Weg geben?
Gott ist bedingungslose Liebe.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Impulsgeber
Hape Kerkeling

Foto: Hape Kerkeling

Schon früh zog es Hape Kerkeling ins TV. Bereits im Alter von 20 Jahren hatte er mit „Kerkelings Kinderstunde“ 1984 ein eigenes Format, das von Radio Bremen ausgestrahlt wurde. Ein Jahr später hatte er mit der Sketch- und Musikshow „Känguru“ seine erste regelmäßige Show. Es folgten weitere erfolgreiche Formate, in denen Kerkeling mitwirkte. In der Comedy-Sendung „Total Normal“ schaffte er von 1989 bis 1991 Momente, die heute zur deutschen Fernsehgeschichte zählen, wie etwa seine Verkörperung der damaligen niederländischen Königin Beatrix. 1993 erschien sein Film „Kein Pardon“ in dem er Regie führte und die Hauptrolle spielte. Kerkeling feierte auch mit den verschiedenen Formaten viele Erfolge im TV und wurde mit zahlreichen Preisen, etwa dem Adolph-Grimme-Preis, geehrt.

Berühmt wurden auch die Figuren, die er entwickelte, wie etwa das vorlaute Kind Hannilein oder der Journalist Horst Schlämmer. 2006 veröffentlichte Hape Kerkeling seine Eindrücke vom Jakobsweg in seinem Roman „Ich bin dann mal weg“. Darin beschreibt Kerkeling die Erlebnisse und Eindrücke seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg, die er im Jahr 2001 unternahm. Der Roman wurde zum Bestseller, der 2015 auch als Kinofilm sowohl Kritiker als auch das Publikum begeisterte. Ebenso wurde seine Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“, von 2014, zum Bestseller und vier Jahre später zum Kinohit in Deutschland.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!