Hartmut Wnuck erhält Goldene Narrenpritsche

Im Ratssaal des Rathauses Abtei hatte sich alles eingefunden, was Rang und Namen besitzt, um der Verleihung der Narrenpritsche an Hartmut Wnuck beizuwohnen.

Mönchengladbach – Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners zeigte in seiner Begrüßungsrede auf, warum Wnuck die höchste Auszeichnung im Gladbacher Karneval verdient hat. Eine ganze Reihe von Aktivitäten wird von der Stadtsparkasse unterstützt, so z.B. Empfang des Prinzenpaares, die Malwände, die besten Kostüme usw. Auch ist Wnuck in toller Kostümierung immer bei den Pulvermeisters aktiv. Für ihn ist Karneval eine Herzenssache.

Gert Kartheuser, Vorsitzender des MKV, begrüßte die anwesenden Pritschenträger jahrgangsmäßig. Seit 1978 verleiht der MKV in unregelmäßigen Abständen diese Ehrung an Personen, die nicht aktiv im Karneval tätig sind. Hartmut Wnuck ist somit der 22. Preisträger.

Da Wnuck die Band Brings aus Köln sehr liebt, habe man weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Band nach Mönchengladbach zu bekommen. Aber der FC Köln hatte es dieser nach der Borussensitzung verboten, noch einmal in Mönchengladbach aufzutreten. Aus diesem Grunde hatte man dann Tommy Walter verpflichtet, der die Lieder von Brings in Perfektion wiedergab.

Eugen Viehof, der letzte Preisträger von 2017, bekam am 2. Januar 2019 von Kartheuser einen Anruf mit der Frage, ob er die Laudatio auf den nächsten Preisträger der Goldenen Narrenpritsche halten würde. Und somit war ihm klar, dass er in die Bütt musste.

Ja, Hartmut Wnuck ist ein echter Korschenbroicher Jung, wie Viehof. Er ist aufgewachsen am Finkenweg, mitten im Dorf, nahe der Kirche und der Schule. Heute lebt er in Gladbach.

Er wurde am 7.10.1954 in Korschenbroich geboren und wuchs mit seinem jüngeren Bruder dort auf. Es gab zur damaligen Zeit noch viele Bauernhöfe und Hartmut versuchte sich als Heranwachsender als Herdenführer beim Wiesenabtrieb durch die Gassen von Korschenbroich in den Stall. Der Knecht hatte ihm gesagt, er solle vorne gehen und sich nicht umdrehen. Doch, er dreht sich um und blickte der Kuh direkt in deren große Augen und lief in Panik weg.

Erkelenzer Prinzenpaar Frank I. & Andrea I.

Auch mit den Nachbarn legte er sich schon früh an, indem er schmutzige Schneebälle an dessen saubere weiße Wand schmiss.

Bald war er auch Mitglied der Korschenbroicher Kreidler Gang, den Korschenbroicher Hells Angels mit festem Treffpunkt die Parkbank an der Kirche, in der Nähe des Eissalons.

Man sagt, er soll in frühen Jahren auch schon besoffen vom Tisch und zudem auch in den reißenden Fluss „Triet“ zwischen Dorf und feindlichem Pesch gefallen sein. Wie man sieht, hat er es überlebt und ihn gestählt.

Zur Brautschau düste er in jungen Jahren mit seinen Kreidlerfreunden nach Ohler, ins feindliche Gladbach, jenseits der Niers. Ob er Mädels nach Korschenbroich locken konnte, ist nicht überliefert.

Doch eines war sicher: drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich zuhause nicht was solides findet.

Prinzenpaar der Stadt Neuss Kalli I. & Novesia Mandy I.,

Und so geschah es. Auf der berühmten rheinischen Kirmes „Unges Pengste“ in Korschenbroich, wahrscheinlich an der Raupe, lernte er mit 16 Jahren seine Klassenkameradin Margret näher kennen, denn er wurde von ihr gebeten, sie zur nächtlichen Stunde nach Haus zu begleiten. So entstand aus Kameradschaft Liebe.

1976 wurde geheiratet und 1981 kam Sohn Alexander zur Welt.

Auch beruflich hat Wnuck einiges Erwähnenswerte geleistet. Nach Absolvierung verschiedenster Schulen begann er eine Lehre bei der Sparkassse in Korschenbroich. Anschließend das Studium zum Diplomsparkassenbetriebswirt.

1989 erfolgte dann ein schwerer Bruch. Er musste weg aus dem Rheinland und dem Ruf der Sparkasse Unna folgend ins Westfalenland. Man muss ihn mit tollen Versprechungen gelockt und gewonnen haben, sich so weit weg von zuhause nieder zu lassen. Nach einem Jahr besetzte er dann auch schon den frei gewordenen Posten des stellvertretenden Vorstandes.

Nur mit dem Feiern war es etwas komisch. Speziell an Altweiber vermisste er seine kostümierten Alten Weiber, da halfen auch die spendierten Bierchen seiner Vorzimmerdamen in der nahe gelegenen Kneipe wenig. Doch Hartmut machte aus der Not eine Tugend und feierte fortan mit seinen Mitarbeitern „Altweiber“. Somit hat er die rheinische Tradition nach Westfalen exportiert.

Nach 12 Jahren, also 2001, kam er doch wieder zurück, aber nicht nach Korschenbroich, sondern ins hiesige Institut am Bismarckplatz, fast in der Heimat, denn bis Korschenbroich könnte er sogar täglich joggen.

Wnuck liebt die Farbe Blau, weiche Stoffe, designte italienische Schuhe und teure Krawatten, aber was muss, dass muss.

Er isst gerne, besonders Steaks und liebt auch die quadratisch praktisch guten Tafeln mit dem Ritter. Sein Gewicht hat er stets unter Kontrolle, denn morgens muss es ein Müsli sein, handgemacht von seiner Margret.

Auf der Couch ausruhen, ist so nicht seine Sache. Lieber ist er sportlich aktiv. Auch legt er großen Wert auf Etikette. Man munkelt, er habe einen Knigge griffbereit im Regal stehen.

Lobenswerte Eigenschaften nennt man Tugenden und davon hat Hartmut eine ganze Menge. Er ist fleißig, ihm ist nichts zuviel, er ist wissbegierig, damit interessiert, ja auch neugierig, zudem kommunikativ, kontaktfreudig und sehr engagiert. Auch gehört zu seinen Eigenschaften ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Er hat nämlich vieles doppelt, ob Schuhe, Schreibutensilien oder die ganz einfachen Dinge des täglichen Bedarfs.

Als Repräsentant eines Sparkasseninstituts ist er in vielen Aktivitäten dieser Stadt tief verwurzelt. Er identifiziert und engagiert sich persönlich und packt auch einmal an, wenn es erforderlich ist.

Aber am Winterbrauchtum hängt sein Herz. Er ist Mitglied und Ehrensenator bei verschiedensten Karnevalsgesellschaften. Weiter hat er als Mitglied der Pulvermeister die Gladbacher Bürger schon in den tollsten Rollen und Kostümen zum Lachen gebracht. Er verkleidet sich gerne und schlüpft gerne in andere Rollen als die des Vorstandsvorsitzenden, solange diese nicht zu weiblich extravagant sind.

Seine größten Fähigkeiten beweist er täglich durch sein Tun oder, wenn es sein muss, natürlich auch über sein Nichtun. Darum blieben auch die schlechten Eigenschaften zu so einem feierlichen Anlass einmal unerwähnt.

Er schloss seine Laudatio mit den Worten: hier erhält ein heimatverbundener, hoch engagierter, tüchtiger usw. Mensch die höchste Auszeichnung des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes.

Kartheuser bat dann Hartmut Wnuck nach vorne. In Bezug auf die Laudatio erklärte er, dass man es schöner, besser und treffender nicht sagen konnte. Aus der Hand von Horst Beines, Geschäftsführer des MKV, wurde ihm dann die Narrenpritsche angesteckt.

In seiner Dankesrede fühlte Wnuck sich sehr geehrt und dankte für die Auszeichnung. Des Weiteren war er beeindruckt von den Worten des Oberbürgermeisters und von Eugen Viehof. Auch führte er an, dass die Stadtsparkasse die Garden und die Jugend unterstütze, denn Karnevals verbindet und hilft somit dem Rheinländer, die kalte Jahreszeit zu überbrücken. Zu den 12 Jahren, die er in Westfalen gelebt habe, kam ihm dies wie eine karnevalistische Diaspora vor. Als er das erste Mal Altweiber in Westfalen erlebte, kam ihm das wie ein gefühlter Aschermittwoch vor, wobei im Rheinland der Aschermittwoch lustiger ist. Dort versuchte er im Kostüm und mit einem Karren, den Karneval nach Unna zu bringen. In den darauf folgenden Jahren haben ihn seine Mitarbeiterinnen als Putzfrauen unterstützt.

Als er nach Mönchengladbach zurück kam, lernte er den Klimawandel zwischen dem hiesigen und dem westfälischen Karneval erst so richtig kennen. Auch nahm er Bezug auf die verschiedensten Rollen, die er schon bei den Pulvermeistern inne hatte. Für ihn zählt nur eins: Karneval ist Gemeinschaft. Sein großer Respekt ging auch an die Aktiven, die immer im Hintergrund sind und ihre Arbeit dort verrichten.

Nach diesen Worten gratulierten dann die Prinzenpaare aus Mönchengladbach, Dirk und Martina, aus Neuss, Kalli und Mandy, sowie aus Erkelenz, Frank und Andrea. Dem schlossen sich dann die übrigen Gäste an.                              (Text: Marlene Katz)

Info: Alle Preisträger

  • 1978 = Helmut Freuen †
    1980 = Horst Randel
    1985 = Eberhard Freter †
    1986 = Willi Hoff †
    1987 = Hans Ludwig Quast †
    1992 = Heinrich Goldkuhle
    1994 = Heinz Feldhege
    1996 = Rurik S. von Kotzebue
    1998 = Thea Beines †
    2001 = Rolf Krappen
    2004 = Monika Bartsch
    2006 = Manfred Verleysdonk
    2007 = Lothar Erbers
    2008 = Nik Ebert
    2010 = Friedhelm Kirchhartz
    2011 = Rolf Königs
    2012 = Heinz Schmidt
    2013 = Martina Schumachers
    2014 = Rolf Karten
    2015 = Pfarrer Harald Josephs
    2017 = Eugen Viehof
    2019 = Hartmut Wnuck

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