Heinz Prost stellt neuen Bildband zur Süchtelner Heil- und Pflegeanstalt vor

Mit seinem neuen Werk ermöglicht der bekannte Süchtelner Heinz Prost einen Blick in „Die Wandlung der psychiatrischen Rheinischen Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal Süchteln zur Fachklinik“.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Süchteln – Viele Jahre hat Heinz Prost an seinem mittlerweile dritten Werk gearbeitet. Über 500 Fotografien und interessante Fakten zu der bewegten Geschichte der der psychiatrischen Rheinischen Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal Süchteln trug er zusammen. Nicht einfach, denn die offiziellen Daten und Dokumente waren nach dem Krieg vernichtet worden. Für den 81-jährigen Süchtelner, der bei der Vorstellung seines neuen Buches erneut aufzeigt, wie viele historische Ereignisse er erlebt hat und davon berichten kann, war dieses Buch viel mehr als nur ein Wunsch – es war eine Herzensangelegenheit. „Kurz vor dem Tod meiner Frau Gisela habe ich ihr 2011 das Versprechen gegeben diese Geschichten aufzuschreiben“, erinnert sich Post. Nichts sollte verloren gehen. So recherchierte er fast acht Jahre lang, sprach mit Angehörigen ehemaliger Patienten und Mitarbeiter – weitere zwei Jahre dauerte das Layout.

Viele Jahre hat Heinz Prost an seinem mittlerweile dritten Werk gearbeitet. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Es sollte nicht nur ein reines Geschichtsbuch werden, Heinz Prost wollte die Menschen mit einbeziehen, die in der Heil- und Pflegeanstalt gelebt und gearbeitet hatten. Authentisch wollte er die Tage aufzeigen und das ist ihm gelungen. Überwiegend sind die Berichte in seinem Buch durch Frauen entstanden, denn während ihre Männer in den Krieg zogen, blieben sie zu Hause und erinnern sich immer wieder voller Schuldgefühle an die dunkle Geschichte. Für viele riss die Vergangenheit noch immer nicht ganz verheilte Wunden auf.

In das neue Werk „Die Wandlung der psychiatrischen Rheinischen Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal Süchteln zur Fachklinik“ flossen zudem eigene Erfahrungen des Autors mit ein, denn der Süchtelner arbeitete selbst von 1958 an in der Landesheilanstalt. Zunächst als Pflegeschüler, Pfleger, Oberpfleger und sogar als Leiter der Krankenhauspflegeschule war er 43 Jahre dort tätig. Bereits während der Ausbildungszeit habe er erste „belastende Gespräche“ mit einer Pflegerin geführt, die ihm unter Tränen von den Erlebnissen während der NS-Zeit berichtete.

Mit einer Auflage von 800 Exemplaren, die als Hardcover zu einem Preis von 20 Euro im Foto-Shop Süchteln an der Hochstraße, im Dülkener Büchereck, im Personalratsbüro der LVR-Klinik Süchteln oder direkt bei Heinz Prost (02162 70196) erhältlich sind, öffnet dieses Buch ein Tabuthema. Es berichtet von der Süchtelner Anstalt, welche häufig den Namen wechselte und 1906 die Arbeit aufnahm. Das Anstaltsleben im 1. Weltkrieg findet hier ebenso Platz, wie die Mangelversorgung, der Hunger im Steckrübenwinter in den Nachkriegsjahren oder die Verrohung des Personals.
Umfangreich wird hier das dunkelste Kapitel der Süchtelner Psychiatriegeschichte aufgearbeitet und berichtet von Hirnforschungen und Euthanasie ebenso wie den Abtransporten in die Tötungsanstalten – aber auch von Modernisierungsmaßnahmen, Neubauten und Reformen in den 50er- bis 70er-Jahren. (nb)

Es sollte nicht nur ein reines Geschichtsbuch werden, Heinz Prost wollte die Menschen mit einbeziehen, die in der Heil- und Pflegeanstalt gelebt und gearbeitet hatten. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz