Helenabrunn feierte mit vollem Wind in den Segeln und neuer Lennebürscherin

Die letzte Saalsitzung vor dem Höhepunkt des närrischen Brauchtums in Alt-Viersen ist traditionell die der Karnevalsgesellschaft Helenabrunn. Am Freitagabend vergab die Gesellschaft nicht nur ihre begehrte Auszeichnung des Lennebürschers, sie hatte ebenfalls ein buntes närrisches Programm vorbereitet.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Gewohnt zog die Karnevalsgesellschaft Helenabrunn von 1974 auch in diesem Jahr nicht nur Jecken aus den verschiedenen Vereinen an, unter ihre Gäste hatten sich zahlreiche Ur-Helenabrunner gemischt, die sich diesen besonderen Abend nicht entgehen lassen wollten.

Nach Hawaii entführt die alteingesessene Gesellschaft im Ev. Gemeindehaus und lehnt sich mit ihrem Motto an das Viersener Prinzenpaar an. Solch eine Reise mit einem Segelschiff will gekonnt sein, und hin und wieder muss in fremden Häfen angelegt werden um die Vorräte wieder aufzufüllen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Passend hierzu präsentierte die Gesellschaft bei ihrer Galasitzung am vergangenen Freitag ein brasilianisches Bühnenbild mit einem Blick vom Corcovado in Rio de Janeiro und hatte sich auch für den Einzug etwas Besonderes einfallen lassen.
In diesem Jahr mit den aktiven Mitgliedern zogen in farbenprächtigen Kostümen und orientalischem Flair die Teens der Fauth Dance Company ein, die vor der brasilianischen Christusstatue das Programm mit ihren umjubelten Tänzen eröffnen durften. Vierscher Mädche mit dem närrischen Herz am rechten Fleck und ein Nachwuchs auf den die Tanzschule stolz sein kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ohne Pause und nur mit einer kleinen Einspielung der Liveband Konfetti, ging es Schlag auf Schlag weiter mit dem Viersener Prinzenpaar und der Prinzengarde, die sich als Mittänzer des Abends den Sitzungspräsidenten Helmut Schatten auserkoren hatten bevor der Büttenredner Olli, der Köbes mit seinen Brauhausgeschichten das Publikum übernahm. Mit seinen Geschichten „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“, setzte er gekonnt rhetorische Pointen, die vorbereiteten auf die große Ehrung des diesjährigen Lennebürschers. Eine besondere Auszeichnung, mit der in diesem Jahr Else Kaum bedacht wurde.

Seit 1987 ehrt die Gesellschaft eine verdiente Persönlichkeit, als erster Ordensträger durfte Willy Bouren (stellv. Bürgermeister, CDU) die Laudatio über das Leben der neuen Trägerin halten. Geboren 1947 in Viersen ist Else Kaum ein echtes Vierscher Mädche. Als gelernte Friseurin unter dem Urgestein des Vierscher Karnevals, Fritz Nyßen, dem Gründer der Rintger Karnevalsfreunde und Initiator des Rintger Vedelszochs, wurde sie mit dem närrischen Virus infiziert. In Helenabrunn lernte sie ihren Ehemann und Vertrauten Juppi Kaum kennen, auch ihre Kinder sind mit dem Brauchtum eng verbunden. Else Kaum blickt zurück auf 33 Jahre aktive Sängerin im Kirchenchor Helenabrunn, steht nach 40 Jahren Mitgliedschaft der Theatergruppe der KFD auch heute noch auf der Bühne, entwirft und schreibt Texte selber. Ihre Urkunde und den seltenen Orden „Deä Lennebürscher“ durfte sie unter großem Beifall entgegennehmen.

Dann eine Überraschung für den Sitzungspräsidenten, der bereits den nächsten Programmpunkt in der Warteschleife hatte. Auf der Bühne erschien eine weitere Lennebürscherin, vor zwei Jahren war die bekannte Viersenerin Iris Kater ausgezeichnet worden, die Helmut Schatten mit einer kurzweiligen Programmpause in Erstaunen versetzte. Ganz nach Murphys Gesetz Nr. 11 welches besagt, dass es kein weißes Hemd geben darf, dass einen ganzen Abend ohne auch nur einen Fleck überlebt, hatten sich einige Mitglieder der Gesellschaft als kleinen Dank an den Präsidenten etwas Besonderes einfallen lassen.

Eine Auszeichnung, wie sie in diesem Jahr einmalig in Helenabrunn vergeben wurde: Ein Lennebürscher Schlabberlätzchen in gelb-blau. Helmut Schatten nahm es mit Humor und trug beharrlich bis zur Pause das karnevalistische Kleidungsstück.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Doch zuvor ein Auftritt der Band Tacheles aus Köln in orange-bunten Anzügen, die nur mit einer Zugabe von der Bühne kamen. Für die Gäste viel zu kurz, aber es brachte nichts, denn die fünfköpfige Stimmungsgruppe hatte noch einen Anschlusstermin in Aachen. Ob 5.000 Jecken in der Hofburg des Kölner Dreigestirns oder rund 400 Gäste im Ev. Gemeindehaus, die Band folgte ihrem Motto „Alles kann, Stimmung muss!“. Tacheles-Frontmann Rainer Schuster bewies auch in Viersen seine Berufung als Vollblutentertainer mit einer Band aus internationalen Musikexperten und mit kuriosen Namen wie Heini, dem herzlichen Hühnerbauern oder Elvis Massimiliano Maserati.

Diesem übrigens ist es zu verdanken, dass die Band auf der Bühne kein weiß trägt und damit das noch zuvor vorgestellte Murphys Gesetz gekonnt umgeht. Eigentlich mit dem Auftrag in die Welt geschickt weiße Hemden zu kaufen, kam er mit den heutigen Orangetönen zurück und die Band ist seitdem nicht mehr nur für ihre Musik, sondern ebenfalls ihren einzigartigen Outfit-Stil bekannt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Nach der Pause ein weiteres Highlight, denn im vergangenen Jubiläumsjahr der Gesellschaft hatte sich eine besondere Freundschaft zwischen den Helenabrunnern und einem der ältesten Karnevalsvereine im Aachener Grenzland, dem Heinsberger Karnevalsverein von 1913, entwickelt.

Der Grund so einfach wie ungewöhnlich, denn im vergangenen Jahr regierte hier kein Unbekannter als Prinz in einem Dreigestirn das närrische Volk. Propst Markus Bruns, der Viersener „alt“-Pfarrer war in diesem Jahr gerne wieder zu Gast, begleitete den diesjährigen Heinsberger Prinzen Michael II. Dieser hatte wiederum die Heinsberger Prinzengarde mitgebracht, die auf der Bühne in glitzernden rot-schwarzen Kostümen und gekonnten Schritten sowie faszinierenden Luftwürfen überzeugte. Zu schade, dass erneut die Bühnendecke für diese Gruppe einfach zu niedrig war, man mag sich nur annähernd vorstellen können, welche akrobatischen Leistungen diese Garde auf einer Bühne vollbringt, die einige Meter mehr Luftraum zu bieten hat.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf sie folgte etwas verspätet der Comedy-Publikumsliebling aus Limburg an der Lahn: Lieselotte Lotterlappen, weshalb kurzerhand die Prinzenpaare auf die Bühne geholt wurden. Ausgezeichnet bereits vier Mal zum Künstler des Jahres vom Deutschen Künstlermagazin brachte Liselotte Lotterlappen lautstark-schrille Comedy mit, präsentierte den Charme eines Elefanten im Porzellanladen der doch gerne jedes Fettnäpfchen mitnimmt. Ein kunterbuntes Knall-Bonbon, das die Stimmung anheizte für den letzten Act des Abends, der unangefochten den Saal so sehr zum Glühen brachte, dass eigentlich noch lange nicht Schluss sein durfte.

De Kellerjunges aus dem Selfkant, genauer gesagt aus Süsterseel, gaben nicht nur an sie wären die Stimmung – sie waren die Stimmung. 1990 als Rockband gegründet sind Jürgen, Bernd, Stefan, Rainer und Markus mittlerweile auch auf den närrischen Bühnen bekannt. Feiern auf den Stühlen und laute Chöre gehören bei ihren Stimmungsmedleys dazu – so wie am Freitagabend bei der temperamentvollen Sitzung der KG Helenabrunn, bei der die Karnevalisten die Band gar nicht mehr von der Bühne lassen wollten. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller