Helfer aus dem Kreis Viersen im Flutgebiet – Zwischen Hilflosigkeit, Hilfseinsätzen und Dankbarkeit

Wenn man die Mitglieder der befreundeten Familien Blinne und van Montfort vor ihrer zweiten Hilfstour an die Ahr gefragt hätte, was sie aus ihrer recht spontanen Hilfsaktion in Ahrweiler Ende Juli mitgenommen haben – dann wäre es vor allem der Wunsch gewesen, weiterhin zu helfen, weil alles, was sie an diesen beiden Tagen gesehen haben so unvorstellbar war, selbst für Menschen, die vorher schon häufig anderenorts geholfen haben.

Brüggen/Ahrweiler – Inzwischen sind sie ein zweites Mal zurück, der Wunsch ist immer noch da – aber da ist noch viel mehr. Es ist zum einen die Dankbarkeit denjenigen gegenüber, die hier zu Hause dafür sorgen, dass die Hilfe überhaupt möglich wird – diejenigen, die Sonderpreise machen oder Zutaten für das Essen, das für Helfer und Betroffene gekocht wird, gleich ganz spenden. Und denjenigen gegenüber, die das Geld geben, damit die Sonderpreise wenigstens bezahlt werden können.

Dass bei ihrem ersten Hilfseinsatz zwei Wochen nach der Katastrophe alles noch chaotisch war, damit hatten sie gerechnet. Die Bilder davon haben sich fest im Gedächtnis eingebrannt. Das Teenagermädchen, das in diesem Chaos Geburtstag hatte und dem sie eine Torte aus Schokoriegeln und einem Honigglas zusammenbauten, damit sie sich trotz allem eben als Geburtstagskind fühlen durfte. Das Ehepaar, auf dessen Grundstück sie – zunächst sogar versehentlich – ihr Lager aufgeschlagen hatte, und das so dankbar für diese Hilfe war.

Für 600 Menschen gleichzeitig zu kochen bedeutet eben mehr Kartoffeln, mehr Möhren, mehr Zwiebeln und mehr von allem, was sonst noch da sein muss, um nahrhafte Eintöpfe zuzubereiten. Foto: Privat

Dazugekommen ist zum einen das Gefühl Teil eines großen Ganzen zu sein – neue Leute kennenzulernen, mit ihnen Hand in Hand zu arbeiten, als ob es immer schon so gewesen wäre. Zum anderen aber auch die Hilflosigkeit, weil nach fünf Wochen immer noch Strukturen fehlen, vieles unkoordiniert scheint. Sie spüren die Verzweiflung der Bevölkerung, wo Menschen aus Dörfern berichten, in denen noch immer keine Hilfe angekommen ist. Und die der Helfer, die sich zum Teil ausgebremst fühlen. „Sie wollen helfen, sie können helfen – und niemand sorgt für einen Plan, an den sich alle halten können“ – das ist ihre Beobachtung, wohl wissend, dass sie selbst nur ein kleines Rädchen in diesem Getriebe sind.

Die Idee war klar: „Wir helfen mit dem, was wir können.“ Und wer einen Unimog und eine Feldküche hat und beides auch bedienen kann, der hilft eben, indem er warme und nahrhafte Mahlzeiten für die Menschen im Katastrophengebiet, aber auch für die Helfer zubereitet.
Allein wäre das aber nicht möglich gewesen, denn die Dimensionen, in denen man dann zu denken beginnt, sind ganz andere als in der heimischen Küche. Für 600 Menschen gleichzeitig zu kochen bedeutet eben mehr Kartoffeln, mehr Möhren, mehr Zwiebeln und mehr von allem, was sonst noch da sein muss, um nahrhafte Eintöpfe zuzubereiten.

Hier haben – ohne es an die große Glocke zu hängen – zahllose Privatleute, aber auch Firmen aus Brüggen und der Umgebung sofort geholfen, nachdem sie angesprochen worden waren.
„Denen gilt unser ganz besonderer Dank“, versichern die Helfer, die in ein Team für die Hilfe vor Ort und eins für die Logistik und Unterstützung zu Hause in Brüggen aufgeteilt waren.

Foto: Privat

„Unsere Mahlzeiten wurden ermöglicht durch: Familie Hartmut Blinne aus Brüggen, Familie Judel aus Brüggen, KAB Ortsgruppe Bracht, Geflügelhof Mrasek aus Brüggen, Familie Horst Schmitz aus Brüggen, Bäckerei Kamps/Familie Höhl aus Brüggen, Familie Heinz Stoffers aus Brüggen, Peters Hof aus Brüggen, Bauer Backes aus Viersen, Pflegedienst Roland Tohang und Kunden aus Nettetal, Familie Franz-Josef und Bernd Schouren aus Brüggen, Christa Rögels aus Brüggen, Möhren Brocker aus Willich, Familie Werner Gumpert aus Brüggen, Café Bürgermeister=Amt aus Brüggen, Familie Bert Op den Berg aus Brüggen, Hofladen Familie Brinkmann aus Brüggen, Gemüsebau Lankes aus Brüggen, Fleischerei Jochen Ambaum aus Brüggen, Landhof Roosen aus Brüggen, Familie Rolf Hamacher aus Brüggen, Zwiebel Jansen aus Brüggen, Bäckerei Lehnen aus Brüggen, Achim Hofer Imbiss und Hofladen aus Brüggen, Familie Walter und Anna van Montfort aus Viersen, Stevens Rent aus Brüggen, das Burg Café Oomen aus Brüggen, Sandra Syben aus Nettetal, Praxis Physiotherapie Borghans aus Schwalmtal, Regiomarkt Viersen, Jan Backes aus Viersen, Eheleute Lothar Zimmer in Brüggen, Schankanlagen & Getränke-Service van Montfort aus Brüggen und Niederrheinischer Fleisch- und Wurstmanufaktur GmbH aus Viersen.“

„Besonders war auch die Erfahrung, wie sich vorher wildfremde Menschen mit dem gleichen Ziel, nämlich anderen zu helfen, plötzlich mit wenigen Worten verstehen und Hand in Hand arbeiten konnten.“ Für den Brüggener Freundeskreis war das Team der HoWa-Hilfe Brüggen-Nettetal aktiv, das sich spontan aus vor allem Landwirts-Familien der Region für diesen Zweck gebildet hatte. Ihr Versprechen nach der Rückkehr lautete: „Fahrt ihr nochmal, sind wir wieder dabei.“ Das haben sie eingelöst und die Planungen für ein drittes Mal laufen auch schon. (opm/paz)

Foto: Rheinischer Spiegel

 

2 Kommentare

  1. Das, was Politik und Verwaltung oft nicht schaffen, schafft „der kleine Mann“ ohne zögern, wie selbstverständlich.
    Zusammen, als wäre man schon ewig verbunden, MACHEN statt lamentieren.

    Großer Dank und Riesenrespekt!!!

  2. In dem gleichen Ausmaße,wie die private Hilfe dort deutlich wird, erkennt man aber auch das Versagen des Staates. Essen,Waschen,ärztl. Versorgung, u.ä., also das Sicherstellen einer Grundversorgung hätte alleine und sofort vom Staat geleistet werden müssen. Dies sind Grundaufgaben von THW und Bundeswehr. Und von dort hätte dann auch eine Bitte um private Unterstützung kommen müssen,welche dann auch von diesen Organisationen hätte koordiniert werden sollen. Aber die ganzen betroffenen Dörfer und Landkreise und deren Bürgermeister werden bis heute völlig alleingelassen. Der einzelne Bürger sowieso.
    Oder hat hier irgendein Leser etwas von einem Krisenstab der Landesregierungen was gehört. Das gilt für Laschet und Dreyer gleichermaßen. Wo waren sie denn nach ihrem Schaulaufen vor Ort???
    Ja,ich bemühe mal wieder unseren Altkanzler Helmut Schmidt damals bei der Flut in Hamburg. Aber so hätte es hier laufen MÜSSEN. Ärmel hoch und sagen: „Hier bin ich. Ich halte meinen Kopf hin. Es zählt jetzt nur noch Machen und nicht Reden.“ Eine Beispiel: man hätte durch das Land sofort etliche FeWo oder ähnliches anmieten müssen und den Opfern dann sagen können: hier könnt ihr sofort Unterkunft bekommen,euch ausruhen und müsst euch auch über die Kosten dafür keine Sorgen machen.
    Und was ist heute die Wirklichkeit? Ohne private Hilfe läuft nichts. Gelder gibt es immer noch nicht. Aber Formulare,Formulare für den Moloch der Bürokratie. Und die bittere Erkentniss, daß keine Person,welche sich derzeit um ein Führungsamt bewirbt,es anders machen wird.

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