Heute geht die Suche weiter: Gemeinsam für die Enten der Niers

Rund fünfzig ehrenamtliche Helfer hatten sich am gestrigen Montag nach dem Aufruf der Notfelle Niederrhein versammelt, um die Niers nach toten, aber vor allen Dingen noch lebenden Enten abzusuchen. Auch heute wird der Bereich weiter abgesucht, helfende Hände werden dringend benötigt und sind herzlich willkommen – denn die Zahl der toten Tiere steigt. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Süchteln/Grefrath-Oedt – Seit mittlerweile drei Tagen ist die Niers zu einem Grab nicht nur für Enten geworden. Über dreißig tote Tiere wurden bisher gefunden, rund die gleiche Zahl weiterer Tiere weisen Krankheitssymptome wie Lähmungserscheinungen und Atembeschwerden auf. Da es für Wildtiere dieser Art nur wenige Aufnahmestellen gibt, werden sie zurzeit in Privathaushalten gepflegt.

Dazu kommen Vorfälle in den Nette-Seen, in denen ebenfalls vereinzelt tote Stockenten gefunden wurden. Mittlerweile wurden einige Tiere zum Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt nach Krefeld gebracht, da die Ursache für den Tod der Enten die Nervenkrankheit Botulismus sein könnte, ein starkes Nervengift, welches beim Zersetzungsprozess von Blaualgen freigesetzt wird. Der Kreis Viersen empfiehlt dringend, vor allem Hunde in Gewässernähe an die Leine zu nehmen und nicht im Wasser baden zu lassen.

Foto: Notfelle Niederrhein

Ohne Hunde, aber mit Engagement hatten sich gestern Nachmittag deshalb erneut die Notfelle Niederrhein mit der Initiative Fell & Federn Wildtierhilfe NRW an der Niers getroffen. Hinzu kamen zahlreiche Menschen, die den Tieren helfen wollten – am Ende konnten sich die Tierschützer über eine Unterstützung von rund fünfzig Menschen freuen. „Von weitem sahen wir etliche Autos, aber weil dort auch Sportplätze sind, waren wir uns nicht sicher ob die alle für die Enten dort stehen. Als wir näher kamen sahen wir einige Menschen und dachten uns ‚Gut, sind wir nicht alleine‘. Doch als wir um die Ecke kamen hatte ich kurz Gänsehaut und für einen Moment ein wenig Tränen in den Augen … sooo viele Menschen standen da“, berichtet Nadine Ehms von den Notfellen Niederrhein und bedankt sich für die grandiose Unterstützung.

Erwachsene und Kinder, bewaffnet mit Booten, Keschern oder Transportboxen voller Tatendrang, darunter auch Mitglieder des Kanuvereins Moers. Der Hilferuf des Tierschutzvereins war gehört worden. Mehrere Stunden wurde an Land und zu Wasser die Niers abgesucht bis irgendwann die traurige Wahrheit nicht mehr zu übersehen war: Neben den Enten waren auch andere Tiere betroffen. Ein Blesshuhn und gelähmte Ratten, von denen nur noch eine mit pumpenden Herzen gefunden wurde, die Situation an der Niers hat sich nicht entschärft. Achtzehn verendete Enten standen am Abend sechzehn noch lebenden, allerdings bereits schwachen Enten gegenüber. Diese wurden direkt vor Ort erstversorgt.

Unverständlich für die Tierschützer, dass sich laut Angaben vor Ort niemand von offizieller Seite blicken ließ um sich ein Bild von der Situation zu machen, welche auch in den nächsten Tagen die Tierschützer zur Niers ziehen wird, denn einige betroffene Enten konnten bisher nicht gesichert werden. Einen Dank möchte der Verein in diesem Zusammenhang dem Artenschutz-Experten Philippe Niebling von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen aussprechen, der trotz seines freien Tages telefonisch erreichbar war und aus der Ferne versuchte Hilfestellungen zu geben.

Dringend suchen die Notfelle Niederrhein e. V. Pflegestellen für weitere Enten und erneut Helfer ab heute Nachmittag. Die Tierschützer werden auch heute die Niers weiter absuchen um tote und lebende, kranke Enten zu sichern. Treffpunkt ist ab 16.30 Uhr die Niersbrücke „Liekweg“ in Grefrath (Höhe Kloster Mariendonk). Wer helfen möchte kann einfach (ohne Anmeldung) dabei sein und den überlebenden Tieren zur Seite stehen.
Helfer sollten lange Hosen und festes Schuhwerk (Gummistiefel) tragen. Benötigt werden Müllbeutel, Transportboxen, Kescher und Watthosen. (nb)

Foto: Notfelle Niederrhein

Grefrath/Süchteln: Notfelle Niederrhein e. V. bergen etliche tote Enten aus der Niers