Hilfen für Alleinstehende mit Demenz: Demenz-Netzwerk hat Arbeit aufgenommen

Im Kreis Viersen hat sich ein Netzwerk gegründet, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebenssituation alleinlebender Menschen mit Demenz zu verbessern. Nach einer aktuellen Prognose wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz von 4.760 im Jahr 2016 auf voraussichtlich 7.800 im Jahr 2040 erhöhen. Das ist eine Steigerung um 64,8 Prozent.

Kreis Viersen – Bekannt ist auch, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte stark ansteigen wird – auch oder gerade bei älteren Menschen. Laut Kreismonitoring 2018 lag der Anteil der Ein-Personen-Haushalte 2016 bei 35 Prozent. Für 2040 wird mit einer Steigerung auf 41 Prozent gerechnet. Es ist also mit einer deutlichen Zunahme der alleinlebenden Menschen mit Demenz zu rechnen.
Alleinlebenden Menschen mit Demenz fehlt das, was ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Halt gibt: Die kontinuierliche Begleitung durch vertraute Menschen. Sie sind daher bereits in einer frühen Phase ihrer Erkrankung stark gefährdet und benötigen früh fachliche Unterstützung. Menschen in ihrer Umgebung empfinden alleinstehende Demenzkranke sehr häufig als Belastung, für Institutionen, die helfen könnten, sind sie aber häufig nicht oder nur schwer erreichbar.

Die Gesundheitsdezernentin des Kreises Viersen, Katarina Esser, will, dass Menschen mit Demenz möglichst lange ihr gewohntes Leben führen können: „Die meisten von uns denken bei Demenz an eine Erkrankung im Endstadium. Das stimmt aber nicht. Demenziell Erkrankte gehen genauso zum Bäcker, zur Bank oder ins Konzert wie wir. Darauf wollen wir aufmerksam machen. Unsere Botschaft lautet: Ihr seid weiterhin Teil der Gemeinschaft.“
Gerontologe Helmut Woerner von der LVR-Klinik Viersen setzt deshalb alles daran, die Selbständigkeit der Betroffenen zu erhalten. „Menschen mit Demenz können durch ihr Verhalten Personen in ihrem Umfeld, beispielsweise im Einzelhandel oder bei einer Bank, verunsichern und für Irritation sorgen. Wir möchten daher durch Schulungsangebote die dortigen Mitarbeiter souveräner und geübter im Umgang machen und damit für die Betroffenen Barrieren nehmen.“

Die zurzeit 17 Mitglieder des Demenz-Netzwerks im Kreis Viersen wollen die Lebenssituation allein lebender Mensche mit Demenz verbessern: Zu den Initiatoren gehören Gesundheitsdezernentin Katarina Esser (Kreis Viersen, 2.v.l.), die Leiterin des Sozialen Dienstes des evangelischen Altenzentrums Oedt, Nicole Geitner (7.v.r.) und Gerontologe Helmut Woerner (LVR-Klinik Viersen, 8.v.r.). Foto: Kreis Viersen

Nicole Geitner, die Leiterin des Sozialen Dienstes im Ev. Altenzentrum Oedt, nennt ein konkretes Beispiel: In Oedt ist im Winter ein älterer Herr in Pantoffeln und ohne Jacke durch den Ort geirrt und war auf der Suche nach seinem Mittagessen. Passanten kümmerten sich um ihn und brachten ihn in ihrer Ratlosigkeit zu uns. Daran merkt man: Die Hilfsbereitschaft ist da, aber die meisten fragen sich: ‚Was mache ich denn jetzt?‘“
Im ländlichen Raum treffen die Menschen noch auf zusätzliche Probleme. Es gibt nur wenig Angebote für Menschen mit Demenz, zudem sind sie oft schlecht erreichbar. Die Folgen sind: Weniger Möglichkeiten zu zwischenmenschlichen Begegnungen und weniger Möglichkeiten, den Tag abwechslungsreich zu gestalten. Doch gerade soziale Kontakte, sportliche Aktivitäten und aktive Gestaltung des Alltags bremsen den Verlauf einer Demenz.

Das Demenz-Netzwerk im Kreis Viersen möchte genau hier ansetzen. Es möchte den Zugang zu Hilfen erleichtern, für eine größere Angebotsvielfalt sorgen und die Erreichbarkeit für die Betroffenen erleichtern.
Es ist erfreulich, dass das Demenz-Netzwerk auf breite Zustimmung und Unterstützung des Kreises Viersen und der kreisangehörigen Kommunen vertrauen kann. Ebenso erfreulich ist es, dass die Pflegekassen das Demenz-Netzwerk bereits im laufenden Jahr fördern und das auch für das nächste Jahr bereits zugesagt haben.
Erste Schritte sind bereits getan. Im kommenden Jahr bietet die Kreisvolkshochschule – ebenfalls Mitglied des Netzwerks – Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Institutionen wie Banken, Apotheken oder Einzelhandel an. Sie sollen lernen, wie sie mit Demenzkranken umgehen können und wie sie ihnen Hilfe vermitteln.
Ein weiteres Ziel des Demenz-Netzwerks ist es, ein flächendeckendes Netz von demenzfreundlichen Begegnungscafés aufzubauen. Hier soll den Menschen mit Demenz Gelegenheit zur Kommunikation und zur Begegnung gegeben werden. Regelmäßig anwesende Fachberaterinnen und Fachberater sollen eine niederschwellige Beratungsmöglichkeit bieten.
Eine Vielzahl von Institutionen und Anbietern hat sich dem Demenz-Netzwerk bereits angeschlossen. Alle die hier mitwirken oder unterstützen wollen, sind herzlich eingeladen Kooperationspartner im Demenz-Netzwerk zu werden.