Historischer Stadtkern Dülken – der Kampf ums Überleben 

Die Umgestaltung der Lange Straße in Dülken war zum wiederholten Male das Ziel der Bürgerinformation im Dülkener Bürgerhaus. Die Hoffnung auf Fördergelder treibt die Stadt Viersen nun zur Eile.

Viersen-Dülken – Rund 100 Interessierte hatten sich zur Perspektive Dülken im Bürgerhaus zusammengefunden. Bereits 2014 war der immobilienwirtschaftliche Masterplan entstanden, öffentliche Investitionen als Anreiz für private Investitionen sollten geschaffen werden. Trotz der Ansiedlung eines ersten Frequenzbringers und einer neuen Wegeverbindung konnte das Sterben des Einzelhandels nicht aufgehalten, die Wiederbelebung nicht ausreichend angestoßen werden.

Rund 20% der Ladenlokale steht laut Stadt Viersen im historischen Stadtkern leer, weshalb für eine Stärkung der Mantelbevölkerung (Zuzug in die Innenstadt) und des kreativen Milieus geworben wird.

Die Lange Straße, die bis in die 1980er Jahre Teil der B7 und Verbindungsstraße zwischen Viersen und Boisheim/Nettetal war, wurde 1988 zur verkehrsberuhigten Fußgängerzone. In den Folgejahren versuchten mehrere Initiativen der Händlerschaft die Lange Straße wieder zu öffnen, zuletzt 2012.

Nun wirbt die Stadt Viersen für die erneute Öffnung der Lange Straße, allerdings nur als teilweise Einbahnstraße – wobei sie nicht ausschließen kann, dass Anliegerkosten für die Eigentümer entstehen.  Fünf Varianten stellte der Bereich der Stadtplanung dennoch vor, von Zweirichtungsverkehr bis hin zu Einbahnstraßen in vier verschiedenen Varianten (Viersener Straße bis Peterboroughplatz bzw. umgekehrt, vom Peterboroughplatz bis zum Nordgraben oder ab Westgraben in Richtung Peterboroughplatz). Vier dieser Varianten konnte die Stadtplanung nicht empfehlen.

„In den letzten Jahren wurde immer nur geredet, jetzt plötzlich geht es wegen der Fördergelder“, sagte eine Anwohnerin und schüttelt den Kopf. „Wir bekommen diese Entscheidung vorgelegt und ich frage mich, ob die Ratsmitglieder und die Dülkener dann ausreichend Zeit haben das Für und Wider zu prüfen.“ Kritische Fragen umfassten vor allem die angedachten neuen Verkehrsführungen. Mehr Bänke, Spielgeräte, Fahrradständer, eine bessere Beleuchtung, mehr Polizeikontrollen zur Durchsetzung des Fahrverbotes oder ein Wasserspender wurden bei der Ideenfindung aufgegriffen, immer mit dem Wunsch, dass der historische Charakter nicht verfälscht werden soll. Ebenfalls über die Fällung der vorhandenen großen Bäume mit einem starken Laubfall im Herbst wurde diskutiert, um dann neue, kleinere Bäume zu setzen.

Im Endeffekt des Abends kristallisierte sich in den Gesprächen eine Einbahnstraße ab Westgraben in Richtung Peterboroughplatz heraus. Die einzige Variante, die in der Dialogfindung an den Stationen positiv von den Moderatoren dargestellt wurde und die Empfehlung der Stadtplanung umfasste. Allerdings gab es ebenfalls viele Stimmen für das Belassen der Straße im aktuellen Zustand. Der Vorentwurf zu einer teilweisen Einbahnstraße soll in den Sommerferien erarbeitet, bis zum Herbst dieses Jahres dann der Politik vorgestellt werden, damit dann tatsächlich noch im Dezember ein Antrag auf Fördergelder von der Stadt gestellt werden kann. (re)

Foto: Viersen inside