Hofmarschall erhält höchste Gladbacher Auszeichnung

Die Große Gladbacher Karnevalsgesellschaft verleiht in jedem Jahr die höchste Auszeichnung im Gladbacher Karnevals und zwar den Orden „PRO MERITIS IN CARNEVALIS DIEBUS“

Mönchengladbach – Manuela Luhnen, die Präsidentin der Gesellschaft, begrüßte die geladenen Gäste und führte in ihrer Rede auf, dass die Gesellschaft beinahe 88 Jahre bestehe und es 44 sogenannte „PROM“ gebe. Das sind die Personen, die im Karneval dieser Stadt viel geleistet haben. In diesem Jahr fiel die Wahl auf einen stattlichen Mann namens Klaus Werthmann. Später erfolgt die standesgemäße Laudatio. Sie bat die Anwesenden, sich zurück zu lehnen und den Abend zu genießen, denn die Zeituhr tickt und heute ist heute.

Dann bat Manuela Luhnen das Prinzenpaar Dirk und Martina mit den beiden Adjutanten Dieter Lichtenhahn und Christian Ernst auf die Bühne. Auf den Hofmarschall Klaus Werthmann mussten sie an diesem Abend verzichten, da dieser als zu Ehrender im Publikum saß. Aus den Händen von Manuela Luhnen erhielt die Prinzessin ein Seidentuch und der Prinz eine Krawatte, beides von der Seidenmalerin Oda Walendy gefertigt.

Nach der Essenspause kam das Gastgeschenk von Klaus Werthmann: „et Röschen von de Hardt“. Sie brachte eine Rede, die auf den neuen Würdenträger zugeschnitten war, denn sie und Klaus waren gleich alt, nämlich 63. In ihrer lustigen Art schilderte sie so manche Passagen aus seinem Leben, so z.B. dass er eine Fahrradphobie habe und gerne tanze. Auch das Haupt lichtet das Geflecht und die Zähne sind nicht mehr echt. Auch erzählte sie von ihrem Mann Anton, dem sie glücklich mitgeteilt hatte, dass sie 5 Kilo abgenommen habe, worauf dieser meinte, wenn ein LKW eine Schraube verliert, sieht man das auch nicht.

Herzliche Lachsalven während des gesamten Vortrages waren der Dank für diese grandiose Rede.

Dann bat der Vorsitzende Winfried Hansen die anwesenden „PROM“ nach vorne, um ihnen den diesjährigen Gesellschaftsorden zu überreichen.

Jetzt wurde es ernst. Hermann Schnitzler, der Vorjahres-Preisträger, hielt die Laudatio auf Klaus Werthmann.

Klaus Wertmann wurde am Dienstag, den 29. März 1955 in der Frauenklinik auf der Gartenstraße in Rheydt geboren. Auf Platz 1 der damaligen Hitparade stand Catarina Valente mit ihrem Lied „Ganz Paris träumt von der Liebe“ und der neu geborene Widder Klaus war ab sofort Bestandteil einer wunderbaren Welt.

Im Kindesalter war ihm der Begriff Unterhaltung schon sehr wichtig. Bei ihm zu Hause stand eine Musiktruhe mit Schallplattenspieler und Klaus liebt vor allem Märchen.

Als er 3 Jahre alt war, nahm seine Mutter ihn zu einem Friseurbesuch mit. Da es bei einer Dauerwelle immer einige Stunden dauerte, vertrieb Klaus seiner Mutter und den übrigen Damen die Zeit damit, ihnen die Märchen, die er auswendig gelernt hatte, zu erzählen.

Ende der 50er Jahre sollte Klaus in den katholischen Kindergarten auf der Hardenbergstrasse aufgenommen werden. Da dieser von Nonnen geführt wurde, erschien es Klaus zu streng, denn die Aussicht auf Unterhaltung war äußerst gering und er wechselte als Katholik in den evangelischen Kindergarten auf der Oberheydener Straße. Die Leiterin des Kindergartens wurde bei Klaus immer beliebter, als sie ihm eine Rolle im Märchen Dornröschen zuwies, es war wohl nicht die Hauptrolle.

In der Vorschulzeit hatte Klaus die erste Berührung mit dem Karneval, denn seine Großmutter nahm ihn mit zum Rheydter Rosenmontagszug. Schwarz-Weiß gekleidete Männer hinterließen bei ihm einen bleibenden Eindruck, weil si ihm nicht nur ein paar Kamelle, sondern gleich eine ganze Tüte schenkten. Die Pinguine der Großen Rheydter Prinzengarde hatten ab diesem Zeitpunkt bei ihm einen Stein im Brett.

Als er auf der Volksschule Zingsheimer Strasse war, war auch die Zeit der großen Hits von Freddy Quinn. Am Geburtstag eines Schulfreundes stellte dessen Mutter ihn auf einen Hocker und forderte ihn auf „Junge, komm bald wieder“ zu singen. Das war für Klaus kein Problem, denn er hatte den Text drauf.

Nach vier Jahren Volksschule wechselte Klaus zur Realschule Rheydt. Seine Lieblingsfächer waren Englisch und Mathematik, gefolgt von Deutsch und Sport. Diese Mischung war in seinem späteren Berufsleben von großem Nutzen. Die Entlassungsfeier fand in den Räumen der Stadthalle Rheydt statt und Klaus sang ein Lied von Bata Illic und packte noch eine Parodie von Jürgen von Manger drauf.

Nach der Realschule besuchte Klaus die Höhere Handelsschule in Rheydt-Mülfort. Seine Lieblingsfächer waren Rechnungswesen und Organisationslehre. Auch interessierte er sich als geborener Rheydter für das Rheydter Platt.

1971 besuchte er erstmalig die Tanzschule Türk-Brinkmann in Rheydt. Er belegte weitere Kurse als Hospitant, da es an männlichen Kursteilnehmern mangelte. Es folgten Fortgeschrittenen- und Aufbaukurse und entdeckte die Freude am Tanz, die ihn nun schon einige Jahrzehnte begleitet.

Am 1. August 1972 begann er seine Ausbildung als Bankkaufmann bei der Commerzbank und am 2. September 1972 fand die erste Begegnung mit Marita statt. Da der Beziehungsstart etwas holprig verlief, dauerte es bis zum Kennenlernen noch einige Monate. Die Mode in dieser Zeit waren lange Haare, Koteletten, Schlaghosen und Knautschlackschuhe, was Klaus natürlich auch mitmachte und er bei seinen Vorgesetzten unter Beurteilungen den Eintrag erhielt „progressiv“. Nach Ende der Banklehre wurde Klaus zunächst in der Kundenberatung eingesetzt. Er hatte immer großen Spaß, sich mit Menschen zu unterhalten, sei es im beruflichen als auch im privaten Bereich.

Beim Tanzen näherten sich Klaus und Marita immer mehr an und dann folgte im Oktober 1976 die Verlobung, die standesamtliche Trauung 1977 und die kirchliche Hochzeit im Jahr 1978.

1981 wurde Sohn Daniel und 1984 Tochter Linda geboren. Das erste Mädchen seit 19 Jahren in der Großfamilie Werthmann. Die Kinder wuchsen und Klaus und Marita übten den Tanzsport wieder aus und zwar miteinander und nicht gegeneinander, wie z.B. beim Tennis. Sie tanzten auf Turnieren, die teilweise im Radius von 400 km stattfanden. Leider hielten seine Knie im Laufe der Zeit den Belastungen in dieser Sportart nicht mehr stand und Klaus musste auf ärztliches Anraten das Turniertanzen beenden.

In seiner Freizeit wurde Klaus nun Mitglied eines Herrenkochclubs. Dort wurde gekocht, gegessen, geredet, aber auch abgewaschen und aufgeräumt, was laut Marita aber nur im Kochclub funktioniert.

Beruflich ging es für Klaus stetig aufwärts. Bei längeren Auslandsaufenthalten besuchte Marita ihren Klaus und erkundete diese Metropolen tagsüber, während er arbeitete. Gemeinsam besuchten sie abends oder am Wochenende Museen oder Theater.

Auch haben die Werthmänner ein großes Herz für Tiere. Hunde aus Tierheimen fanden bei ihnen ebenso ein Zuhaus, wie ein verlassenes, blindes Hängebauchschwein namens Manfred, das für 50 Monate bei ihnen einzog.

Ihre Urlaubsziele bis in die 90er Jahre waren die Balearen und Kanaren. Inzwischen sind ihnen die Berge Tirols und die Nordsee ans Herz gewachsen.

Für ein aktives karnevalistisches Leben war während seiner Berufszeit keine Gelegenheit. Das änderte sich dann 2007, als Klaus passives Mitglied der Großen Rheydter Prinzengarde wurde. 2009 wurde er Reservist der Garde und ab 2012 begleitete er das jeweilige Prinzenpaar als stellvertretender Adjutant. Im Frühjahr 2014 stellten ihm Dieter Beines und Bernd Gothe die Frage, ob er die Aufgabe des Hofmarschalls übernehmen wolle. Mit Zustimmung seiner Marita nahm er dieses Amt an. Von Anfang an war es ihm wichtig, authentisch zu bleiben und der zu bleiben der er war. Er versteht die Arbeit des Hofmarschalls als Aufgabe und nicht als Rolle, die man spielt. Das wäre auch nicht authentisch und das wäre in keinem Fall Klaus Werthmann.

Hermann Schnitzler beendete seine Laudatio mit den Worten: ich freue mich, dass er heute die hohe Auszeichnung im Mönchengladbacher Karneval erhält.

Dann wurden Klaus Werthmann als äußere Symbole dieser Auszeichnung vom Vorsitzenden Winfried Hansen, der Präsidentin Manuela Luhnen und dem Ordensmeister Michael Gruyters die Urkunde, der Orden und das Schulterband verliehen.

Klaus Werthmann bedankte sich in seiner Rede für die unerwartete große Ehre, mit diesem Orden ausgezeichnet zu werden. Als er vom Vorstand der GGK informiert wurde, dass er mit diesem Orden ausgezeichnet werden sollte, machte sich bei ihm zunächst eine ungläubige Sprachlosigkeit breit. Aber wenn das Gremium überzeigt war, dass er dieses auch verdient habe, erfülle es ihn mit Stolz.

Als Hofmarschall verrichtet er Arbeit und investiert sehr viel Zeit. Das alles würde aber nicht funktionieren, wenn ihn nicht noch andere Menschen unterstützen würden. Sein besonderer Dank ging an seine Marita und seine Kinder, ohne deren Zuspruch und Unterstützung er niemals Hofmarschall geworden wäre und somit sehr wahrscheinlich auf niemals diese Auszeichnung erhalten hätte. Besonders musste er sie loben, denn 2014 waren alle der Meinung, er sollte die angebotene Aufgabe als Hofmarschall übernehmen.

Weiter zitierte er den französischen Schriftsteller Nicolas Chamfort, der einmals gesagt aus, der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat. Seit frühester Jugend begleitet ihn dieser Spruch und es ist ihm immer ein großes Bedürfnis, Menschen zu unterhalten und ihnen Freude zu schenken. Wie alle wissen, besteht das Leben nicht nur aus freudigen oder gar lustigen Momenten. Auch gehören unangenehme Dinge hierzu. Darum sollten alle die schönen Momente des Lebens genießen, denn ein Genießer lächelt und mit einem Lächeln fällt alles leichter und es kann Mut machen. Deshalb möchte Klaus keinen Tag verloren geben ohne sein Motto: der verlorene Tag ist der, an dem man nicht gelacht hat.

Damit seine Rede nicht zu einer trockenen Philosophie mutierte, sondern damit die Gäste im Saal auch noch einmal zum Schmunzeln, Lächeln oder sogar Lachen kommen, trug er noch eine kleine Geschichte vor. Es ging um einen Radfahrer, der es eiligt hatte. Als er so durch die Stadt fuhr, achtete er nicht auf den Weg und fuhr eine schwangere Frau an. Dadurch verlor sie ihr Kind und die Rechtsfrage war diese: hat der schuldige Radfahrer die Pflicht, den alten Zustand wieder herzustellen.

Nach den ergreifenden Worten von Klaus Werthmann übernahm Hans-Peter Jansen als Sprecher der PROM das Wort und er bestätigte, dass das Gremium bei einer Klausurtagung nach reiflicher Überlegung doch zu dem Ergebnis gekommen sei, Klaus in das erlauchte Gremium aufzunehmn.

Anschließend erfolgte die Gratulationskur der anwesenden PROM, die Marita Werthmann jeweils eine rote Rose überreichten.

Auch das Prinzenpaar gratulierte zu dieser Auszeichnung. Prinz Dirk hat Klaus kennen und lieben gelernt. Des weiteren ist er eine große Stütze für die Prinzenpaare und ohne Marita würde nichts funktionieren. Auch Prinzessin Martina rühmte das gute Verhältnis zu Klaus, welches über die Prinzenzeit hinaus gehe. Sie wusste vieles über Klaus, aber auch vieles Neues habe sie zum Schmunzeln gebracht. Weiter fügte sie hinzu, dass sich das Prinzenpaar unter seiner Obhut besonders wohl fühle.

Gert Kartheuser, der Vorsitzende des MKV, richtete seine Worte an Klaus und führte aus, dass er heute im Mittelpunkt stehe und die höchste Auszeichnung von Mönchengladbach wahrlich verdient habe. Klaus habe alles, um ein würdiger Preisträger zu sein.

Zum Abschluss dieses wunderbaren Abends trug das Prinzenpaar noch ihr Lied vor.           (Text: Marlene Katz)

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