Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nimmt Werke des Viersener Künstlers Horst Meister auf

Von dem in Viersen lebenden deutschen Künstlers Horst Meister wurden zwei seiner SHOA-Kunstwerke in die Kunstsammlung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem aufgenommen. Eine besondere Ehre, da fast alle der gezeigten Werke bisher von jüdischen und israelischen Künstlern stammen.

Viersen – Das Kunst-Komitee des Yad Vashem-Kunstmuseums hat entschieden zwei der SHOA-Bilder des deutschen Künstlers Horst Meister für die Kunstsammlung Yad Vashem in seine Sammlung aufzunehmen: Das Ölbild „Jaakobs Traum von Auschwitz“ und „Judenfreies Gruppenbild, eine Bildcollage aus dem 6-teiligen Bilder-Zyklus „Die Kaldenkirchener jüdische Passion“. Die beiden Kunstwerke wurden vor wenigen Tagen dem Kunstmuseum Yad Vashem in Jerusalem übergeben.
Fast alle der im Yad Vashem-Kunstmuseum Jerusalem gezeigten Bilder stammen von jüdischen und israelischen Künstlern. Deshalb empfindet Horst Meister es als eine besondere Auszeichnung, dass jetzt zwei seiner SHOA-Bilder in die Yad Vashem-Kunstsammlung aufgenommen wurden – Bildwerke von einem nicht- jüdischen und dazu noch deutschen Künstler.

„Judenfreies Gruppenbild“ – Blatt No. 2 aus dem 6-teiligen Collagen-Zyklus: „Kaldenkirchener Jüdische Passion“

Der gesellschafts-politische Künstler Horst Meister (82) arbeitet, neben einer Reihe anderer zeitkritischer Themen, seit vielen Jahrzehnten insbesondere zum Thema „Die SHOA und ihre Folgen“. Er reist seit 30 Jahren, fast jährlich einmal, nach Israel und befasst sich seither sowohl mit der traditionellen, wie auch mit der jüngeren jüdischen Geschichte und mit der nach wie vor latenten Judenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft.

Mit der sogenannten „Reichsprogromnacht“ am 9. November 1938 begannen die Nationalsozialisten (vor 81 Jahren) damit, alle Bürger jüdischen Glaubens systematisch zu verfolgen, zu verhaften und in den eigens dafür gebauten Konzentrationslagern zu ermorden. Diese gewaltsame, in der Menschheitsgeschichte bisher einmalige Ausrottung einer religiösen Minderheit, wurde von den Nazis im Namen des ganzen Deutschen Volkes betrieben. Die SHOA zählt mit ihrer industriell erfolgten Ermordung von über 6 Millionen europäischen Juden durch die Nazis und ihren Gefolgsleuten zu den grausamsten Massakern, zu denen Menschen jemals fähig waren.
„Und die SHOA ist aktuell, trotz großer Widerstände vieler deutscher Mitbürger, im öffentlichen deutschen Bewusstsein nach wie vor verhaftet. Inzwischen eskalieren die Angriffe einer neuen Generation von Naziterroristen, deren Hass auf alles Fremde, auf Juden und Muslime, zu immer neuen Gewalttaten und zu Morden führen“, so Horst Meister. Die künstlerischen SHOA-Arbeiten von Horst Meister seien deshalb auch eine aktuelle Positionierung des Künstlers gegen jede Form von rechtem Terror – auch in Deutschland.

Jaakobs Shoa-Traum von Auschwitz

In seinen beiden SHOA-Bildern verweist Horst Meister auf zwei unterschiedliche historische Ereignisse: In „Jaakobs Traum von Auschwitz“ verwandelt sich die Himmelsleiter des Jaakob zu Bahngeleisen, übersät mit Menschenleichen auf dem Weg nach Auschwitz. In der Bild-Collage „Judenfreies Gruppenbild“ aus seinem 6-teiligen Zyklus „Kaldenkirchener jüdische Passion“ wird von der Niederrheinischen Kleinstadt Nettetal-Kaldenkirchen berichtet. „Hier gab es einen Nazi-Bürgermeister, der dafür sorgte, dass dieser Ort „judenfrei“ gemacht wurde. Dieser Bürgermeister konnte auch nach 1945 ungeniert noch viele Jahre sein Bürgermeister-Amt weiter ausüben“, berichtet Horst Meister.

Bereits im Jahr 1997 hat Horst Meister im Jerusalemer Aminadav-Wald seine 3,5 Meter hohe Bronzeskulptur „Ein Engel für Jerusalem“ eingeweiht, eine Hommage an die deutsch-jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler. Leider wurde diese Skulptur, genau zehn Jahre nach ihrer Einweihung, von Metalldieben gestohlen. Im vergangenen Jahr war Horst Meister von der Universität Tel Aviv eingeladen worden, anlässlich einer Else Lasker-Schüler-Tagung über seine sozio-politische Kunst -auch in Bezug auf die SHOA zu sprechen.