Holz Mevissen plant Wiederaufbau nach dem Brand

Das verheerende Feuer an der Eichenstraße Mitte April hat seine Spuren hinterlassen. Nach den Aufräumarbeiten haben die Pläne für den Wiederaufbau begonnen – nebenbei, denn die Kundenaufträge haben Vorrang und sind nicht immer einfach während der aktuellen Rohstoffknappheit zu erfüllen. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Viersen – Wer auf dem benachbarten Parkplatz an der Freiheitsstraße einen Blick über den Zaun auf das große Gelände des Viersener Holzhändlers Willi Mevissen und die letzten Spuren des alles zerstörenden Brandes Mitte April wirft, kann sich nur annähernd vorstellen, welche gefährliche Situation sich hier zugetragen hat.

Mittlerweile wurden die meisten Verbrennungsrückstände durch das Unternehmen P&Z beseitigt und Geschäftsführer Herbert Mevissen konnte bereits mit den ersten Planungen für einen Wiederaufbau der zerstörten Halle beginnen. Im Vordergrund standen jedoch bereits kurz nach dem Brand wieder die Kunden und Mitarbeiter. Möglich wurde das auch durch ein starkes Netzwerk an Kollegen aus der Branche, erklärt Mevissen, der noch am Brandtag zahlreiche Unterstützungsangebote erhalten hatte. „Alle Kollegen im Holzhandel, die unserer Firma zugesagt hatten uns zu unterstützen haben Wort gehalten und ich möchte mich nochmals herzlich für diese fantastische Hilfe bedanken“, so Herbert Mevissen. „Hierdurch haben wir alle Bestellungen zu der Brandzeit mit Erfolg erfüllen können. Ein gemeinsames Ergebnis, welches ebenfalls den Mitarbeitern zugutekommt, die keine Einbußen erleiden mussten.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Geplant ist zunächst eine Leichtbauhalle, erst nach kompletter Abwicklung des Schadens könne in ein bis zwei Jahren über den Bau einer Halle nachgedacht werden. Bis dahin steht die Holzbranche vor einer ganz anderen Hürde, denn die Rohstoffknappheit wächst rasant an.

Hinzu kommt die aktuell kritische Lage auf dem Rohstoffmarkt, die weltweit zu steigenden Preisen, längeren Lieferzeiten und geringeren Verfügbarkeiten führt. „Am Brandtag sind die Dachlatten im Preis schon gestiegen und seit geraumer Zeit sind die Preise bei Holz um 100 Prozent in die Höhe gegangen“, erklärt der Fachmann. „Diese Situation ist bereits seit drei – vier Monaten bekannt und hat mit den Brand nichts zu tun, sondern mit den unvorstellbar großen Schwierigkeiten der Holzbeschaffung.“

Bundesweit haben aktuell Zulieferer und Handwerker mit dieser Problematik zu kämpfen. Engpässe bei Verfügbarkeit und Lieferzeit sind dem massiven Anstieg der Transportkosten, einer erhöhten Exportnachfrage aus China und USA sowie durch Covid-19 geschuldet. Denn als der Passagierflugverkehr eingebrochen ist und damit die bisherigen Frachtkapazitäten wegfielen, waren plötzlich Leer-Container auf den Weltmeeren Mangelware. Höhere Gebühren, längere Lieferzeiten – tatsächlich verlangten Reedereien teilweise das 5-fache des ursprünglichen Preises. Ebenfalls durch die Hygienebestimmungen kam es zu Lieferverzögerungen. Und als ob die Rohstoffknappheit in Europa nicht schon schwierig genug wäre, ist die Nachfrage nach Rund- und Schnittholz hauptsächlich im Baugewerbe gestiegen. Alleine 2020 wurde 75 % mehr Papier nach Asien exportiert als noch im Jahr zuvor. Die Kosten steigen aktuell stetig an und werden das eine oder andere Bauprojekt nicht nur in diesem Sommer enorm verteuern. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath