Holz und Kohle im Freilichtmuseum

Scheit auf Scheit stapeln die Handwerker im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Nach und nach nimmt der Holz-Kegel Gestalt an. Zum ersten Mal in der Geschichte des Freilichtmuseums in Grefrath sind ab sofort professionelle Köhler zu Gast auf dem Gelände.

Herbert Kättner (v.l.), Vorsitzender Museumsverein Dorenburg, die Köhler Willi Engelen, Wilhelm Papen, Erik Eilert und Markus Heßelmans von der Köhlerei Reichswalde sowie der stellvertretende Museumsleiter Kevin Gröwig vor dem Holzkohlemeiler. Der Meiler vor der Dorenburg nimmt Gestallt an. Ab 31. Mai wird unter einer Erdschicht das Buchenholz zu Kohle schwelen. Foto: Niederrheinisches Freilichtmuseum
Herbert Kättner (v.l.), Vorsitzender Museumsverein Dorenburg, die Köhler Willi Engelen, Wilhelm Papen, Erik Eilert und Markus Heßelmans von der Köhlerei Reichswalde sowie der stellvertretende Museumsleiter Kevin Gröwig vor dem Holzkohlemeiler. Der Meiler vor der Dorenburg nimmt Gestallt an. Ab 31. Mai wird unter einer Erdschicht das Buchenholz zu Kohle schwelen. Foto: Niederrheinisches Freilichtmuseum

Grefrath – Die Köhlerei Reichswalde aus Kleve stellt bis zum 9. Juni vor Ort das traditionelle Handwerk vor – und mithilfe eines Kohlemeilers aus reinem Buchenholz hochwertige Holzkohle her. Während dieser Zeit leben und arbeiten die Köhler auf dem Museumsgelände.
„Unsere Besucher haben die Gelegenheit, ihnen über die Schulter zu schauen und mit den Köhlern ins Gespräch zu kommen“, sagt Kevin Gröwig, stellvertretender Museumsleiter. Schautafeln und Modelle geben einen Einblick in das Innere des Meilers und die Tradition der Kohleproduktion.

„Die Herstellung von Holzkohle ist eine der ältesten Handwerkstechniken des Menschen“, erklärt Köhler Wilhelm Papen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Willi Engelen, Erik Eilert und Markus Heßelmans baut er den Holzkohlemeiler auf.
Bei dem Meiler handelt es sich um einen Holzstoß, der mit Erde abgedeckt wird. Das Holz wird in Brand gesteckt und verschwelt unter Luftabschluss langsam zu Holzkohle. Der Meiler im Museum wird einen Durchmesser von 4,5 Metern und eine Höhe von etwa 2,5 Metern haben. Aufgebaut wird er aus etwa 20 Raummetern reinem Buchenholz und etwa 10 Kubikmetern Mutterboden. Der Aufbau des Meilers dauert bei passendem Wetter drei Tage. „Regen ist unser schlimmster Feind“, sagt Papen. „Dann saugen sich das trockene Holz und der Mutterboden voll Wasser.“ Planen zum Abdecken liegen daher griffbereit.
In früherer Zeit brachten die Mitbürger den Köhlern Misstrauen entgegen. Papen erklärt: „Schließlich beherrschten sie Feuer und Glut und veredelten mit ihrem Handwerk Holz zu einem hochwertigeren Brennstoff.“ Keine Gilde oder Zunft nahm die Köhler auf. Stattdessen lebten sie zurückgezogen in den Wäldern, wo es ausreichend Holz und Wasser gab.

Entzündet wird der Kohlemeiler am Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam), um 11 Uhr. Herbert Kättner, Vorsitzender des Museumsvereins Dorenburg, und die Köhler übernehmen diese Aufgabe. Zuschauer sind willkommen. Der Museumsverein hat mit seiner finanziellen Unterstützung den Aufenthalt der Köhler im Museum ermöglicht.

Meilerfest im Museum
Den Abschluss des Köhler-Projektes feiert das Niederrheinische Freilichtmuseum am Samstag, 9. Juni, von 11 bis 16 Uhr unter dem Titel „Holz & Kohle – Meilerfest im Museum“. Dort gibt es Handwerksvorführungen und Live-Musik. Die Besucher können an diesem Tag die im Museum produzierte Holzkohle in begrenzter Stückzahl kaufen (10 Euro pro 5-Kilo-Sack) Anmeldungen für Plätze an der großen Grill-Tafel können Interessierte per Email an freilichtmuseum@kreis-viersen.de buchen. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Grill, Kohle und Grillgut sind mitzubringen.

Die Köhlerei Reichswalde
Das Köhlern ist für den Reichswald bei Kleve bereits für das 14. Jahrhundert belegt. Seit 1992 führt die Köhlerei Reichswalde diese alte Tradition fort. Alle zwei Jahre entzünden die Köhler um Wilhelm Papen im Frühjahr ihre Meiler und feiern ihr über die Grenzen von Kleve bekanntes Meilerfest. Ziel der gemeinnützigen Köhlerei Reichswalde ist vor allem der Erhalt der Tradition des Köhlerhandwerks. Dafür erhielt Wilhelm Papen im Jahr 2012 das Bundesverdienstkreuz.