Horst Meister: Auch mit 80 Jahren kein bisschen leiser

Vor 36 Jahren zog der gebürtige Karlsruher mit seiner Frau Almut Grytzmann-Meister in seine Wahlheimatstadt Viersen. Nicht erst seit dieser Zeit ist der erfolgreiche Künstler mit den klaren Botschaften in seinen Werken bekannt für seinen unermütlichen Einsatz für die Würde des Menschen oder den Natur-, Umwelt- und Tierschutz.

Viersen – Nein, er ist kein Politiker und er will es nicht werden, denn Horst Meister setzt in seinen Bildern gesellschaftskritisch um, was viele sich nicht zu sagen trauen, was aber ausgesprochen werden muss um auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Sein Werk umfasst Ölbilder, Skulpturen, Installationen, Grafiken, Zeichnungen, Texte, Essays und Theaterstücke; er ist in seinen bildnerischen Exponaten, sowohl inhaltlich wie auch in seinem persönlichen Engagement, wesentlich von den gesellschaftspolitischen Ereignissen seit etwa 1975 geprägt; stilistisch fühlt er sich in seiner Kunst dem figurativen Expressionismus verwandt.

Parallel zu seinem Akademiestudium nahm er beim Oberspielleiter des Schauspiels am Badischen Staatstheater Karlsruhe Hans-Herbert Michels Schauspielunterricht, absolvierte erfolgreich die erforderliche Eignungsprüfung, studierte dann aber Theatergeschichte und arbeitete in mehreren Produktionen am Karlsruher Schauspielhaus als Regieassistent. Hier entstand auch sein erstes Bühnenbild für einen Soloabend des berühmten Ausdruckstänzers Harald Kreutzberg zu Samuel Becketts „Akt ohne Worte“.

Nach Abschluss seines Kunstakademie-Studiums arbeitete er zunächst als Volontär in der Ausstattungsabteilung des Südwestfunks Baden-Baden, danach als Szenenbildner in mehreren Fernsehproduktionen in München und Berlin, bevor er sich wieder der Theaterarbeit zuwandte.

Insgesamt fast 20 Jahre war Horst Meister als Bühnen- und Kostümbildner an mehreren deutschen Bühnen engagiert, u. a. in Karlsruhe, Kaiserslautern, Regensburg und Berlin (hier hatte er u. a. für die Theater-Uraufführung von Michael Endes „die Unendliche Geschichte“ viel beachtete Kostüme und Bühnenbilder entworfen. Am Schauspielhaus Kiel schuf er die Bühnenbilder und Kostümentwürfe zu „Feuer aus den Kesseln“ von Ernst Toller (über den Kieler Matrosenaufstand), zu Aristophanes „Der Friede“ und zum satirischen Einakter „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo.

In den vergangenen Tagen wurde dieser Ausnahmekünstler nun 80 Jahre alt, der erst 1975 seine Karriere als Maler und Bildhauer begann. In seinem Wohnzimmer hängt ein Gemälde, welches einen kopflosen Gefesselten zeigt. Seine gesellschaftskritischen und politischen Werke fanden und finden auch heute noch ihr Forum, sei es beim Ev. Kirchentag oder als er 1997 in Jerusalem eine dreieinhalb Meter hohe Bronzestatue installierte. Die Statue mit dem Namen „Ein Engel für Jerusalem“ war eine Hommage an Else Lasker-Schüler.

Er ist Mahner, rüttelt auf, hält den Spiegel vor – erfolgreich immer mit seiner engagierten Frau an seiner Seite. Die Schauspielerin und Diseuse Almut Grytzmann-Meister ist auch gegenwärtig nicht nur auf den Bühnen aktiv, kümmert sich gemeinsam mit Horst Meister um eine fünfköpfige Familie aus dem zerstörten Aleppo, engagiert sich im BUND für Natur-, Umwelt- und Tierschutz oder Amnesty International. Horst Meister möchte, dass seine Kunst über das Jetzt hinaus wirkt, Augen öffnet, sensibilisiert – das tut sie und die Gesellschaft kann sich sicher sein, dass er auch in den kommenden Jahren in seinen Bildern das aussprechen wird, was zu gerne mit einem Mantel des Schweigens belegt werden würde. (dt)

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