Hubertus-Schützen lebten das Sommerbrauchtum und spendeten an Flutopfer

Die St. Hubertus-Bruderschaft hat sich getraut: Drei Tage lang hielt sie Anfang August Schützentage ab, genau an dem Wochenende, an dem normalerweise ganz Oberbeberich Schützen- und Heimatfest feiern würde. Erstmals seit über eineinhalb Jahren zogen in Viersen und Umgebung Schützen mit klingendem Spiel durch die Straßen und ließen das Schützenbrauchtum wieder sichtbar werden. 

Viersen – Die klassischen Feierlichkeiten mussten auch in diesem Jahr pandemiebedingt ausfallen. Dennoch: Genau wie im Vorjahr, als sich die Bruderschaft zu einer öffentlichen Feldandacht mit anschließender Kranzniederlegung traf und es kleine Veranstaltungen auf der Ebene der Bruderschaftsgruppen gab, war erneut der feste Wille da, Glaube, Sitte und Heimat in der Öffentlichkeit erlebbar zu machen. „Wir haben uns schon im März gemeinsam mit dem Vorstand und allen Gruppenleitungen darauf verständigt, dass wir das möglich machen, was im Rahmen der Corona-Pandemie vertret- und umsetzbar ist. Allen war klar, dass wir von der Planung her völlig neu denken mussten – insbesondere was kurzfristige Entscheidungen betraf“, so Präsident Hans-Willi Pergens. Was dann folgte, war ein einziger Nervenkitzel: Vor- und Rückschritte, Zu- und Absagen, Zuversicht und Resignation – aber mit erfolgreichem Ausgang.

Großes Glück hatten die Hubertus-Schützen bei der Suche eines Veranstaltungsortes. Mit den Eheleuten Peter und Lisa Mertens, hat die Bruderschaft zwei Mitglieder in ihren Reihen, die ohne großes Zögern ihren landwirtschaftlichen Betrieb mitten in Oberbeberich mit großzügigen Außenflächen und einer Halle zur Verfügung stellten. „Lisa und Peter in unser Mitte zu haben ist ein riesiger Gewinn und das Anwesen zentral im Ort erleichterte die Planung ungemein“, so Pergens. Gemeinsam mit Vize-Präsident Stefan Lilienweiß und dem stellv. Schriftführer Klaus Böken erstellte er ein pandemiegerechtes Veranstaltungskonzept und reichte es bei der Stadt Viersen als zuständige Ordnungsbehörde ein. Das Konzept konzentrierte sich auf drei wesentliche Aspekte: Hohe Sicherheit und kontrollierter Zutritt durch Vorlage des Impf- bzw. Gensungsnachweises oder eines negativen Corona-Tests, überwiegender Aufenthalt im Freien und Einhaltung der Hygienerichtlinien, von den mittlerweile selbstverständlichen Dingen wie Maske, Desinfektionsmitteln, über die Gestaltung der Aufenthaltszonen bis hin zu Speisen und Getränken.

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„Die Stadt Viersen war uns jederzeit ein verlässlicher Partner und guter Berater, ob bei den Genehmigungen oder auch dem Nutzungsänderungsantrag für den landwirtschaftlichen Betrieb. Wir stellten fest, dass allen am Gelingen der Schüztentage sehr gelegen war,“ betont Klaus Böken. Die letzten Genehmigungen konnten aufgrund der sich ständig ändernden Coronasituation natürlich erst kurz vor dem eigentlichen Veranstaltungswochenende erteilt werden. Doch der gesamte Verein stellte sich darauf ein, in kürzester Zeit das zu organisieren, was für die Durchführung notwendig war. Und so gab Schriftführer Mirko Lennertz erst 48 Stunden vor dem geplanten Beginn der Schützentage den Startschuss für die Arbeiten: Die Sektion wurde gemeinsam mit den Anwohnern geschmückt, zahlreiche Mitglieder richteten das Veranstaltungsgelände her, der Maibaum wurde aufgestellt und die eigene Hubertus-Kapelle sowie das Ehrenmal festlich herausgeputzt.

Während der gesamten Planungs- und Vorbereitungsphase achtete Kassierer Andre Gormanns darauf, dass das wirtschaftliche Risiko selbst bei einer kurzfristigen Absage, mit der die Bruderschaft trotz guten Konzeptes bei kurzfristigem Hochschnellen der Infektionszahlen hätte rechnen müssen, beherrschbar blieb. Seine besten Verbündeten fand er dabei bei den Damen der Bruderschaft: Beispielsweise erstellte Christina Nießen anstelle einer Festschrift wie bereits auch im ersten Corona-Jahr wieder ein Jahrbuch mit zahlreichen Anzeigeninseraten oder Eva Tschöp und ihr Team überlegten sich eine pfiffige Dekoration.

Den Auftakt der Schützentage bildete ein erster Umzug der Bruderschaft durch Oberbeberich. Dabei wurde schnell deutlich: Das Problem des Abstandes bei einem Schützenumzug stellt sich nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass für das Antreten und die Auflösung Orte mit reichlich Freifläche ausgewählt werden. Ein Gänsehautmoment folgte dem nächsten. Endlich wieder klingendes Spiel, endlich wieder Gemeinschaft und eine dankbare Anwohnerschaft, die sich vor ihren jeweiligen Häusern am Straßenrand einfand. Dem Umzug folgte – erstmals am Ehrenmal – die Proklamation der neuen Majestäten. Nachdem Dominik Hendriks im September 2019 den Königsvogelschuss für sich entschied und alle Feierlichkeiten im Vorjahr ausfielen, musste er bis jetzt warten, ehe er das ehrwürdige Schützensilber erhielt. Er hofft nun auf das kommende Jahr, um dann unter hoffentlich ganz normalen Bedingungen sein Schützen- und Heimatfest zu feiern. Dagegen entschieden sich die Jugendmajestäten, Prinzessin Caro Funken und Schülerprinz Christoph Ingerfeld, die Schützentage als Höhepunkt ihrer Regentschaft anzusehen, weil sie im kommenden Jahr entweder in die nächste Altersstufe aufrücken oder altersbedingt gar aus der Schützenjugend ausscheiden. Mit den Klängen des Viersener Tambour Corps klang der erste Tag auf dem Mertenshof entstpannt aus.

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Am Samstag trafen sich die Schützen mit ihren Partner/innen und hielten ihren zweiten Umzug ab. Mit dabei auch die Freunde des Musikvereins Herongen und des BundesschützenTambourcorps „Mit vereinten Kräften“ Wickrath. Ein erster Höhepunkt war die Kranzniederlegung am Ehrenmal. Nach einer bewegenden Ansprache des Präsidenten lauschten die versammelte Schützenfamilie sowie zahlreiche Gäste, die sich auf dem weitläufigen Areal des Ehrenmals eingefunden hatten, den Klängen der Musiker. „Wir sind so froh über den Mut der Bebericher, dieses Schützentage auszurichten. Für uns ist das der erste öffentliche Auftritt seit mehr als einem Jahr. Wir staunen über die gute Organisation und fühlen uns sehr gut aufgehoben“, erklärten einmütig sowohl Andreas Tissen vom Musikverein Herongen als auch Lothar Kückes vom Tambourcorps.

Der anschließende zweite Schützenabend auf dem Mertenshof stand ebenso im Zeichen verdienter Schützen: Zahlreiche langjährige Mitglieder, die auf ihre 25-, 40-, 50-, und 65-jährige Mitgliedschaft zurückschauen konnten, erhielten ihre Jubiläumsurkunde und eine Anstecknadel. Mit Unterstützung von Vize-Präsident Stefan Lilienweiß und der stellv. Bezirksbundesmeisterin Claudia Küsters verlieh Hans-Willi Pergens dann in seiner Eigenschaft als stellv. Diözesanbundesmeister und Präsidiumsmitglied dem Schützenbruder Theo Lennertz das Schulterband zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz. Klaus Böken wurde mit dem St. Sebastianus-Ehrenkreuz ausgezeichnet. André Gormanns erhielt den Hohen Bruderschaftsorden, Lisa Mertens die Frauenbrosche in Silber sowie Peter Mertens und Christian Bockers den Silbernen Verdienstorden.

Zu Ehren der Prinzessin fand ausschließlich für sie und ihre Ministerinnen ein Ehrentanz statt. Und auch wenn vielen danach war, sich dem Tanz anzuschließen, hielt sich die versammelte Schützenschar an die Vorgabe der Coronaschutzverordnung und beließ es bei einem Schunkeln auf Abstand.

Der dritte Veranstaltungstag begann mit einem Gottesdienst. Da aufgrund der Pandemie die Anzahl der Gottesdienstbesucher in der Kirche St. Peter begrenzt ist, entschieden sich Pfarrgemeinde St. Remigius und Bruderschaft für eine Messe auf dem Veranstaltungsgelände. Unter dem Motto „Mut zum Aufbruch“ feierte die Bruderschaft gemeinsam mit Pfarrer Klaus Grafe den vom Oberbebericher Liturgiekreis gestalteten Gottesdienst. Die teils eigens entworfenen Textbeiträge von Kerstin Gormanns, Eva Tschöp und Dominic Hollenbenders sowie die ausgewählten Lieder gingen abermals unter die Haut.

Nach dem Gottesdienst trat die Bruderschaft zum kurzen Umzug durch die Sektion mit Vorbeimarsch an den Majestäten und Ehrengästen an der Bockerter Straße an, darunter auch der stellv. Bundesschützemeister Wolfgang Genenger und Ortsbürgermeister Hans-Willy Bouren.
Mit einem fulminanten Schlussauftritt der musikalischen Weggefährten aus Wickrath klangen die Oberbebericher Schützentage am frühen Nachmittag dann offiziell aus.

„Ich bin dem Vorstandsteam und vielen ehrgeizigen Mitstreitern unserer Bruderschaft sehr dankbar. Nur gemeinsam konnten wir uns auf den Weg machen. Dazu gehören ja eine ganze Menge Verantwortungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und gute Nerven. Das Gelingen der Veranstaltungen und noch besser, dass unser Konzept nach heutigem Stand offenbar coronasicher war, freut uns riesig. Hoffentlich sind unsere Schützentage nur ein erster Schritt und Ansporn für andere, ebenfalls Formate zu erarbeiten, wie unser Schützenwesen und das gesellschaftliche Leben insgesamt wieder Aufwind erfahren kann. Denn eines ist sicher: Das Virus bleibt und wir werden Wege finden müssen, mit ihm umzugehen“, resümiert Hans-Willi Pergens.

Die Bebericher hätten ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihr Glück nicht teilen könnten. Und so nutzte die Bruderschaft die Schützentage auch, um für die Fluthilfeopfer zu sammeln. „Viele Schützenfamilien in den betroffenen Gebieten haben Schlimmes erlebt und ihr Hab und Gut in den Fluten verloren. Wir sind bei dem Starkregen im Juli glimpflich davon gekommen. Da gehört es sich zu helfen“, betonen die Hubertus-Schützen. Anstelle des Trommelgeldes wurde bei der traditionellen Haussammlung für die Flutopfer gesammelt. Darüber hinaus gab es nach einer musikalischen Serenade eine Hutsammlung und die Jungschützen organisierten unter Federführung von Hannah-Sophie Pergens spontan eine Tombola. Das alles erbrachte einen Gesamtbetrag von 4.000 Euro, der nun über den Diözesanverband Aachen betroffenen Flutopfern zukommen soll. (opm/paz)