Hundekot: Es stinkt zum Himmel in Viersen

Die Hundehäufchen-Flut in der Stadt Viersen nimmt immer mehr Platz in aktuellen Diskussionen ein. Gestern machten Anwohner auf die mit Hundekot verdreckte Wiese an der Primusschule in Dülken mit Schildern aufmerksam.

Viersen – „Osternestersuche? Oh nein! Scheiße!“ ist auf dem Banner zu lesen, welches an der Kettelerstraße, direkt an der Primusschule um den Baum gewickelt wurde. Davor zahlreiche kleine gelbe Schilder, direkt neben den ungeliebten Hinterlassenschaften. Immer mehr sorgt das Hundehaufenproblem für Unmut, welches sich quer durch die ganze Stadt zieht. Am Samstag eine Beobachtung auf dem Viersener Hauptfriedhof. Ein Hundebesitzer lässt die Hinterlassenschaft seines Hundes liegen, angesprochen auf das ‚Missgeschick‘ ist die Antwort: „Die Toten stört es eh nicht mehr.“ Kurz danach ein weiterer Hund, ohne Leine, der neugierig über die Gräber flaniert, dem Besitzer scheint dies egal zu ein und auch das Schild am Eingang, dass Hunde an der Leine geführt werden müssen ist ihm neu.

Ortswechsel. In der Kleingartenanlage „An de Bleek“, die an die Brasselstraße angrenzt ist es mit einem Hindernislauf verbunden, wenn man denn nicht in einen Haufen treten möchte. Ähnlich sieht es im Neubaugebiet Hoserfeld aus, an der Kreyenbergstraße direkt am Kindergarten, auf der Wiese am Ostgraben. Die Aufzählung könnte ohne weiteres fortgeführt werden. Viele Städte in NRW haben bereits die Bußgelder drastisch erhöht, doch die Aufklärungsquote ist gering. Dazu müssen die Hundebesitzer auf frischer Tat ertappt oder von einem Zeugen angezeigt werden. Doch wer zeigt schon seinen Nachbarn wegen eines Hundehäufchens an. So liegt die abschreckende Wirkung hoher Bußgelder eher im niedrigen Bereich.

Als weitere Maßnahme hat die Stadt Viersen, ähnlich wie viele andere Kommunen, Tütenspender aufgestellt, mit deren Hilfe Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere entsorgen können – was jedoch wiederum zu einem ganz anderen Problem führt. Denn einige Hundehalter sammeln die Häufchen ihres Vierbeiners erst ein, um ihn dann inklusive Tüte in die Natur zu werfen.

Hundehäufchen mit oder ohne Plastiktüte?

Aktuelle Statistiken zeigen, rund acht Millionen Hunde sind zurzeit in Deutschland gemeldet, die gute 16 Millionen Häufchen am Tag hinterlassen, alleine 55 Tonnen bleiben davon täglich auf Berlins Straßen liegen. Nach aktuellen Schätzungen werden für den Hundekot mehr als 285.000.000 Beutel werden pro Jahr in Deutschland von Städten und Gemeinden verteilt. Das sind knapp 5,4 % aller Plastiktüten und sind nicht abbaubar. Von diesen landen rund 20 Prozent nicht in der Müllverbrennungsanlage, sondern im nächsten Gebüsch und die Frage stellt sich: Worin liegt die Logik den Hundehaufen erst einzusammeln und dann wieder wegzuwerfen? Für Melanie W., die sich über die Hundekotbeutel auf dem Hohen Busch aufregt, ist klar die Stadt in der Verpflichtung mehr Mülleimer zu installieren. „Die meisten wollen nicht den Kackbeutel durch den ganzen Wald tragen und dann entsorgen. Es gibt mittlerweile Stellen, da sammeln sich die Kotbeutel an und ich verstehe nicht, warum die Stadt hier nicht tätig wird. Immer wieder nehme ich den einen oder anderen Beutel mit nach Hause und schmeiße ihn dort weg. Die meisten Beutel liegen dort bis in alle Ewigkeit.“

Erste Erfahrungen anderer Städte, die eine Standortoptimierung von Beutelspendern und Mülleimern vorgenommen haben, zeigen bereits erste Erfolge. Dabei konnte festgestellt werden, dass bei einer höheren Anzahl von Mülleimern auf beliebten Gassi-Geh-Strecken signifikante Verbesserungen eingetreten sind. Ebenfalls das Anheben von Hemmschwellen, wie beispielsweise durch Hundekotbeutel in Signalfarben führte zu ersten Erfolgen. Denn die meisten Hundekotbeutel häufen sich an Stellen, die den Hundebesitzern einen Sichtschutz geben. In Berlin droht mittlerweile ebenfalls ein Bußgeld, wenn Hund und Herrchen ohne Hundekotbeutel beim Spaziergang erwischt werden und die Hundekot-DNA-Datenbank, die in Deutschland aus juristischen und datenschutzrechtlichen Gründen noch nicht aufgebaut wurde, hat in London oder Neapel große Erfolge zu verzeichnen. Bis zu einer eventuellen Einführung bleibt vielen nur der Kampf gegen den Hundekot oder die Entsorgung wie beispielsweise in Berlin, wo Hundekotbeseitigungsfahrzeuge die Haufen einfach wegsaugen. Möglichkeiten um die Problematik zumindest zu verringern gibt es zahlreich, doch sie müssen auch angegangen werden. (wh)

Foto: Olaf Josten