IHK-Gründerreport 2021: Corona-Krise sorgt im Kreis Viersen für ein Minus von 5,72 Prozent

Anke Smikalla hat unternehmerischen Mut in der Krise gezeigt. Seit 1992 ist die Nettetalerin mit einer Mandelbrennerei als Schaustellerin selbstständig. Dann kam die Corona-Pandemie und ihr war die Existenzgrundlage genommen.

Kreis Viersen – Smikalla hat daraufhin als zweites Standbein eine Adventure-Minigolfanlage am De Wittsee eröffnet. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hatte die Geschäftsidee als tragfähig bewertet. Seit wenigen Wochen ist die Anlage nun in Betrieb.

So wie Smikalla haben im vergangenen Jahr viele Bürger im Kreis Viersen unternehmerischen Mut bewiesen. 2.192 Menschen haben sich 2020 im Kreis Viersen selbstständig gemacht. Im gleichen Zeitraum haben auch 1.859 Unternehmer ihre Firma aufgegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 2.325 Gründungen und 2.338 Aufgaben. Damit verzeichnet der Kreis Viersen ein Minus von 5,72 Prozent bei den Gründungen und ein Minus von 20,49 Prozent bei den Aufgaben. Im Saldo ist demnach die Zahl der Unternehmen im Kreis Viersen 2020 um 333 Firmen gestiegen. Das sind die wesentlichen Kennziffern des Gründerreports 2021, den die IHK Mittlerer Niederrhein auf der Datenbasis des Landes NRW erarbeitet hat.

„Für Gründerinnen und Gründer sind die Rahmenbedingungen derzeit alles andere als ideal.“ Mit diesen Worten kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz die Zahlen. „Die Pandemie und damit verbundene Infektionsschutzmaßnahmen haben einigen Branchen schwer zu schaffen gemacht.“ Die Beschränkungen haben dazu geführt, dass die Konsumnachfrage und damit die Kapazitätsauslastungen aufgrund der ausgebliebenen Auftragseingänge zurückgegangen sind.

Nicht nur die akute wirtschaftliche Situation, sondern auch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie sowie möglicherweise damit einhergehende Restriktionen haben das Gründungsgeschehen ausgebremst.

Das zeigt sich auch an den Zahlen für Nordrhein-Westfalen. Während 2019 noch 122.320 Neugründungen im Land verzeichnet werden konnten, waren es 2020 nur 116.576 – ein Rückgang um 4,70 Prozent. Die Zahl der Betriebsaufgaben in NRW nahm ebenfalls ab: 2019 wurden noch 110.908 registriert, im Jahr darauf waren es 91.736.

Der Trend machte auch vor dem IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein nicht halt: Die Unternehmensgründungen lagen 2020 mit 8.403 im Vergleich zu 9.436 Gründungen um 10,95 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auf der anderen Seite sind die Geschäftsaufgaben im IHK-Bezirk 2020 um 18,88 Prozent gesunken – von 9.380 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2019 auf 7.609 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2020. Im Saldo ist demnach die Zahl der Unternehmen um 794 gestiegen. Die Gründungsdynamik des Jahres 2019 – erstmals seit 2013 wurde wieder ein leichter Anstieg verzeichnet – hat durch die Corona-Krise 2020 enorm an Schwung verloren.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (r.) und IHK-Existenzgründungsberater Pascal Görigk (l.) stellten auf der Adventure-Minigolfanlage von Anke und Jürgen Smikalla (3.v.l.) den neuen Gründerreport vor. Mit dabei: Christian Küsters, Bürgermeister von Nettetal. Foto: IHK

Auch Anke Smikalla hat die Folgen der Pandemie zu spüren bekommen. Die Beschränkungen des Lockdowns haben ihr Schaustellergeschäft bis heute zum Erliegen gebracht. Dennoch blickt sie nun optimistisch in die Zukunft. „Unsere Gäste sind von der Minigolfanlage begeistert“, sagt Smikalla. Die Adventure-Minigolfanlage „Tortuga“ bietet 18 Spielbahnen, weitere Spiel- und Freizeitangebote sowie Getränke, Eis und Snacks. Das Angebot richtet sich an Familien, Firmen, Schulen und Kindergärten. „Die Anlage wurden schon in einschlägigen Online-Foren als eine der schönsten Anlagen Deutschlands bezeichnet“, sagt die Unternehmerin. „Trotz alle dem bin ich mit Herz und Seele Schaustellerin und werde es auch immer bleiben. Sobald es wieder möglich ist, werde ich mit meiner Mandelbrennerei auch wieder auf den Kirmesplätzen vertreten sein.“

Solche engagierten Unternehmer seien gerade jetzt besonders wichtig, so IHK-Hauptgeschäftsführer Steinmetz. „Wir müssen eine Gründerkultur fördern, die Unternehmertum und Kreativität ermöglicht.“ Jungunternehmer bräuchten Rahmenbedingungen, die es ihnen erlauben, sich voll und ganz auf Kunden und Produkte zu konzentrieren. „Sie sollten weder Zeit noch Energie damit verschwenden müssen, bürokratische Hürden zu überwinden“, fordert der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Aber auch die angehenden Unternehmerinnen und Unternehmer selbst müssen ihren Teil zum Erfolg beitragen. „Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte gut vorbereitet werden. Wir stehen den Gründern dabei gerne mit unseren Dienstleistungen zur Seite, damit Fehler vermieden werden und aus einer Idee ein erfolgreiches Geschäftsmodell wird“, sagt IHK-Experte Pascal Görigk und appelliert an alle Gründer, das umfangreiche Beratungsangebot der IHK zu nutzen.

Angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern stehen die Berater Bert Mangels (Tel. 02151 635-335, E-Mail: bert.mangels@mittlerer-niederrhein.ihk.de) und Pascal Görigk (Tel. 02161 241-120, E-Mail: pascal.goerigk@mittlerer-niederrhein.ihk.de) zur Verfügung. Der Gründerreport steht als PDF-Datei im Internet unter www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/25179 zum Download bereit. (opm/paz)