IHK-Konjunkturbarometer Rheinland: Rheinische Wirtschaft stabilisiert sich

Die Wirtschaft im Rheinland ist stabilisiert ins Jahr 2020 gegangen. „Die Unternehmen im Rheinland beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage erneut verhalten positiv. 35 Prozent von ihnen sind gut ins neue Jahr gestartet, nur 16 Prozent schlecht.“ 

Region/Wirtschaft – Der Negativtrend der Vorumfragen hat sich damit nicht fortgesetzt“, stellt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, die Kernaussage des IHK-Konjunkturbarometers Rheinland für den Jahresbeginn 2020 vor. Dass dies auch im laufenden Jahr so bleiben könnte, folgert er aus den Angaben der Unternehmen über ihre Geschäftserwartungen. „Insgesamt sind diese in etwa wieder ausgeglichen, bei 20 Prozent optimistischen versus 22 Prozent skeptischen Betrieben. Im Herbst haben die Skeptiker noch leicht überwogen.“ Damit ist der aus Lageurteilen und Erwartungen gebildete IHK-Konjunkturklimaindex geringfügig um zwei auf 108 Punkte gestiegen.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, kommentiert das Ergebnis: „Der Blick in wichtige Leitbranchen des Mittleren Niederrheins stimmt mich vorsichtig optimistisch, dass es im Laufe des Jahres langsam bergauf gehen könnte.“ Befragt hat die IHK-Initiative Rheinland (IHK-Bezirke Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein, Niederrhein und Bergischer) dazu rund 3.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.
Auch in den einzelnen Branchen überwiegen zumeist die positiven Stimmen. Dabei bleiben aber merkliche Unterschiede zwischen eher inlands- beziehungsweise konsumorientierten und eher exportorientierten Branchen. Ers-tere sind weiterhin im Konjunkturhoch, letztere haben durchweg verhaltenere Einschätzungen. Denn die Exportaussichten sind weiter eingetrübt, wenn auch geringer als zuvor.

Gründe für die skeptischen Exporteinschätzungen sind nach wie vor die bereits bestehenden und drohenden Handelsschranken, im noch nicht ausverhandelten Brexit, in den Russlandsanktionen sowie in den schwelenden Konflikten in Nahost und um den Persischen Golf. „Darüber hinaus macht der Automobilindustrie der grundlegende Strukturwandel aufgrund der Verkehrswende und Klimadebatte zu schaffen“, erläutert Berghausen weiter. Weitere Beeinträchtigungen erwarten die Unternehmen beispielsweise für den Wirtschafts- und Pendlerverkehr durch die marode Verkehrsinfrastruktur und durch den enormen Investitionsstau der Deutschen Bahn sowie für ihre unternehmerischen Aktivitäten insgesamt durch das deutsche Klimapaket und den Ausstieg aus der Kohleverstromung. „Angesichts dieser Vielzahl an belastenden Faktoren zeigt sich die Wirtschaft erstaunlich robust“, freut sich Berghausen. Da die Beschäftigung bis zuletzt zugenommen hat, sich die Einkommen ordentlich entwickelten und sich Sparen bei niedrigen Zinsen weiter nicht lohnt, ist die Konsumlaune ungebrochen.

Die industriellen Leitbranchen des Mittleren Niederrheins haben sich seit der Vorumfrage ambivalent entwickelt. Das Ernährungsgewerbe und der Maschinenbau melden bessere Lagebeurteilungen als im Herbst. Die Chemische Industrie und die Metallindustrie melden eine weiter eingetrübte Geschäftslage. Allerdings haben all diese Branchen ihre Erwartungen im Vergleich zum Herbst nach oben korrigiert. „Bei der für unsere Region so wichtigen Chemischen Industrie überwiegen wieder die Optimisten“, erklärt Jürgen Steinmetz. Dies sei bei der Logistikwirtschaft noch nicht der Fall. „Aber auch in dieser Branche hat sich die Lagebewertung im Vergleich zur Vorumfrage stabilisiert“, so Steinmetz. Die Logistiker belastet zwar die weitere Eintrübung der Lage der Industrieunternehmen, sie profitieren aber vom zunehmenden Online-Handel.

In der Einschätzung möglicher Konjunkturrisiken hat sich seit Herbst 2019 bemerkenswert wenig getan. Trotz der belastenden außenwirtschaftlichen Faktoren nennen nur noch 21 Prozent der befragten Unternehmen (Herbst 2019: 24 Prozent) und 41 Prozent (Herbst 2019: 45 Prozent) aus der Industrie die Auslandsnachfrage als besonderes Risiko. Leicht zugenommen haben dagegen die Bedenken wegen steigender Arbeitskosten: nach 34 Prozent der Befragten im Herbst 2019 geben dies aktuell 37 Prozent an. Selbst die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verursachen der Wirtschaft derzeit keine besonderen Kopfzerbrechen, und das trotz des Wirbels um den Klimawandel, die bislang ungeregelte Energie- und Verkehrswende oder die immer wieder aufkommenden Diskussionen über den Fortbestand der Großen Koalition auf Bundesebene.

Bleibt der Fachkräftemangel, der nahezu unverändert von jedem zweiten Unternehmen als Risiko eingeschätzt wird. Die Wirtschaft hat ihre Planungen für Investitionen und Beschäftigung erstmals seit zwei Jahren nicht weiter zurückgenommen, sondern hier und da sogar leicht nach oben korrigiert. Die Pläne liegen jeweils knapp im positiven Bereich, wobei sich auch hier die eher inlands- und die eher auslandsorientierten Branchen unterscheiden: In der Industrie sind die Beschäftigungspläne zum zweiten Mal nacheinander negativ, und zwar mit einem Saldo von über zehn Punkten. Im Handel sind sie in etwa ausgeglichen. Unter den Dienstleistern überwiegen schon traditionell die expansionswilligen Betriebe. „Bei den Investitionen ist auch im Jahr 2020 kaum mit Dynamik zu rechnen. Ausgeglichenen Plänen in Industrie und Handel – wie schon letzten Herbst – stehen in etwas größerem Umfang Expansionsabsichten der Dienstleister gegenüber“, so Berghausen abschließend.