IHK-Standortanalyse: Unternehmen sind mit dem Wirtschaftsstandort Brüggen zufrieden

Mit dem Wirtschaftsstandort Brüggen sind die Unternehmen insgesamt zufrieden. Trotz zahlreicher positiver Entwicklungen hat die Gemeinde allerdings noch Verbesserungspotenzial. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Die Standortanalyse basiert auf der Auswertung amtlicher Daten und einer von der IHK durchgeführten Unternehmensbefragung.

Brüggen – Die Beschäftigtenzahlen in Brüggen sind in den vergangenen 20 Jahren überdurchschnittlich stark gewachsen. Sowohl im produzierenden Gewerbe als auch in den Bereichen Handel und Dienstleistungen ist die Beschäftigtenentwicklung positiver als im Kreis Viersen und im Land NRW. „Insbesondere die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe ist mit einem Plus von rund 28 Prozent in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen. Das spricht für die Stabilität der Branche in Brüggen“, sagt Anna Kindsmüller, Referentin im IHK-Bereich Wirtschaftspolitik.

Die Analyse zeigt außerdem, dass Brüggen besonders von der Industrie geprägt ist. „Rund ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind im produzierenden Gewerbe tätig“, so Kindsmüller. Auch das Baugewerbe hat in Brüggen eine überdurchschnittliche Bedeutung, der Handel ist dagegen nur durchschnittlich stark vertreten. Die Verkehrs- und Logistikbranche sowie das Gastgewerbe liegen mit ihren Beschäftigtenanteilen ebenfalls unter denen des Landes und des Kreises Viersen.

Im interkommunalen Vergleich schneidet Brüggen größtenteils gut ab. Die öffentliche Verschuldung ist vergleichsweise gering, und auch die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Potenzial gibt es jedoch bei der Steuereinnahmekraft. Sie ist im Vergleich mit anderen Kommunen leicht unterdurchschnittlich.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz überreichte die Standortanalyse Brüggen an Bürgermeister Frank Gellen. Foto: IHK

Der Kern der IHK-Analyse ist die Befragung der Unternehmen vor Ort. Dabei konnten sie Standortfaktoren aus fünf Themenfeldern auf einer Schulnotenskala von eins bis sechs bewerten. Insgesamt erhielt der Wirtschaftsstandort Brüggen die Note 2,51. „Damit liegt die Bewertung leicht unter dem Durchschnitt vorheriger Standortanalysen am Mittleren Niederrhein“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Die Bestnote (2,09) erhält die Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz. Aus Sicht der Unternehmer hat dieser Standortfaktor eine sehr große Bedeutung. Weitere Standortstärken sind die Grenznähe zu den Niederlanden und das Image des Standortes. Die Qualität von Ortskern, Konsum und Freizeit haben die Unternehmen überdurchschnittlich gut bewertet. Dies gilt insbesondere für das Ortsbild. „Diese guten Bewertungen sollten die Gemeinde dazu motivieren, den Tourismus noch weiter zu stärken“, empfiehlt Steinmetz. „Das ist eine Standortstärke.“

Auch wenn die kommunalen Leistungen insgesamt gut bewertet werden, zeigt die Unternehmensumfrage Verbesserungsbedarf bei der Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren. Sie wird von den Unternehmen mit der Note 3,61 bewertet. „Die Beantragung des RAL-Gütezeichens ‚Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung‘ kann ein gutes Signal nach außen sein, um die Wirtschaftsfreundlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu dokumentieren und zeitgleich innerhalb der Verwaltung noch weitere Verbesserungen anzustoßen“, so Steinmetz. Hierbei müsse jedoch berücksichtigt werden, so Bürgermeister Frank Gellen, dass die Burggemeinde bei Genehmigungsverfahren im baurechtlichen Bereich keine eigene Zuständigkeit habe.

Ausbaufähige Ergebnisse erhalten außerdem sowohl die Qualifikation (3,45) als auch die Verfügbarkeit (3,46) von Arbeitskräften. Hier zeigt sich, dass der Fachkräftemangel auch in Brüggen als problematisch wahrgenommen wird.

Der Standortfaktor mit der größten Lücke ist die Informations- und Kommunikationsstruktur. Sie wird trotz ihrer großen Relevanz nur mit der Note 3,14 bewertet. „Das kann daran liegen, dass der mobile Empfang nach wie vor lückenhaft ist. Wir sehen jedoch, dass sich die Bewertung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. Die Ausbaubestrebungen der Gemeinde werden also wahrgenommen“, erklärt Steinmetz. „Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, die Aktivitäten zur Verbesserung der Informations- und Kommunikationsstruktur beizubehalten.“

Im Anschluss an die Vorstellung der Ergebnisse bedankte sich Bürgermeister Gellen bei der IHK für die Erarbeitung der Analyse. „Insgesamt ist das Ergebnis sehr erfreulich. Mich freut besonders die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes in Brüggen“, sagte er. „Natürlich gibt es in dem einen oder anderen Bereich nach wie vor Verbesserungspotenzial.“

In der anschließenden Diskussion mit den Unternehmerinnen und Unternehmern standen die Themen Öffentlicher Personennahverkehr, bezahlbarer Wohnraum und damit verbunden die Gewinnung von Fachkräften für die Gemeinde und vor allem der Mangel an Auszubildenden im Mittelpunkt. Aus dem Publikum wurde angeregt, dass noch intensiver als bisher bei den Schülern für eine Berufsausbildung bei den örtlichen Unternehmen geworben werden müsste. Steinmetz verwies auf die diversen Aktivitäten und Initiativen der IHK: „Nutzen Sie unsere Angebote wie Azubi-Speed-Dating oder CHECK IN Berufswelt.“ Darüber hinaus seien alle gefragt, den Stellenwert der dualen Ausbildung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu stärken. Bürgermeister Gellen und Wirtschaftsförderer Guido Schmidt stellten eine Initiative der Gemeinde in Aussicht, Betriebe und Schüler zusammenzubringen. „Dafür benötige ich Ihre Unterstützung“, appellierte der Bürgermeister an die Adresse der Unternehmen. „Wenn Sie mitziehen, werden wir etwas auf die Beine stellen.“ (opm)