IHK-Studie: Berufsschulen in der Region müssen weiter gestärkt werden

Die Unternehmer in der Region sind mit dem engmaschigen Netz der Berufsschulen am Mittleren Niederrhein zufrieden. Sie bewerten Quereinsteiger in den Lehrerkollegien positiv, sehen allerdings Verbesserungsbedarf bei den Digitalisierungskompetenzen des Lehrpersonals und bei der Kommunikation zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb.

Region – Dies sind wesentliche Ergebnisse der Studie „Dualer Ausbildungspartner Berufsschulen – Stärken und Herausforderungen“, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein beim mmb Institut – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung in Auftrag gegeben hatte. „Die Berufsschulen sind während der dualen Berufsausbildung wichtige Partner für die Auszubildenden und Unternehmen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Deshalb wünschen wir uns, dass ihnen sowohl die Schulträger als auch die Wirtschaft wesentlich mehr Beachtung schenken. Mit der Studie wollen wir einen Teil dazu beitragen.“

Der IHK-Hauptgeschäftsführer ist sich sicher, dass die Attraktivität der Berufsausbildung eng mit der Attraktivität der Berufsschulen verknüpft ist. Immerhin 20 Prozent der Unternehmen sehen einen Zusammenhang zwischen dem Image der Berufsschulen und offenen Ausbildungsstellen. Attraktive Studienangebote in der Region sind für 57 Prozent der Betriebe ein Grund für die Schwierigkeit, Azubis für das eigene Unternehmen zu finden. „Das muss ernst genommen werden. Berufsschulen und Universitäten sind Konkurrenten“, erklärt Dr. Lutz Goertz, Leiter Bildungsforschung am mmb-Institut und Verfasser der Studie.

Die Chancen für eine weitere Steigerung der Attraktivität der Berufskollegs sind aus Sicht des Bildungsexperten allerdings besser als erwartet. „Die Unternehmen sollten in der Befragung die Zufriedenheit mit den Berufsschulen mit einer Schulnote bewerten und gaben im Durchschnitt die Note 3 plus. Das kann sich sehen lassen“, so Goertz. Bei den Auszubildenden polarisiert die Bewertung dagegen. Ein Drittel von ihnen vergibt gute Noten, ein Sechstel sehr schlechte. Insgesamt wird der praktische Teil der Ausbildung besser bewertet als der schulische.

Zufrieden sind sowohl die Unternehmen als auch die Azubis mit der Entfernung zwischen Ausbildungsstätte und Betrieb. 60 Prozent der Betriebe und mehr als die Hälfte der Auszubildenden vergaben hier die Note 1 oder 2. „Der Mittlere Niederrhein verfügt über ein engmaschiges Netz an Berufsschulen“, erklärt Goertz. Auch der Einsatz von Quereinsteigern aus der Praxis wird von den Ausbildungsunternehmen und Auszubildenden mehrheitlich positiv bewertet. Gleichzeitig werden der Vertretungsunterricht negativ beurteilt und die Praxisnähe der Berufsschullehre von Azubis und Unternehmen gleichermaßen in Frage gestellt. „Das ist ein klares Plädoyer für mehr Praxisbezug im Unterricht. Dazu können auch Quereinsteiger einen Beitrag leisten“, erklärt IHK-Chef Steinmetz.

Die Frage, wie gut Berufsschulen beim Thema Digitalisierung aufgestellt sind, bildet einen Schwerpunkt der Studie. Die Azubis geben der Computer- und Medienkompetenz ihrer Lehrer lediglich die Durchschnittsnote 3,2, dem Einsatz neuer Lernmedien, der Vermittlung von Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung und der Ausstattung der Schule mit neuen Lernmedien Durchschnittsnoten zwischen 3,3 und 3,6. Auch die Unternehmen sehen die Vermittlung von Digitalisierungskompetenz in den Berufsschulen kritisch. „Die Schulen hinken hinterher, die Digitalisierung muss ein Schwerpunktthema für die Berufskollegs werden“, so Steinmetz. Studienleiter Goertz weist auf wichtige Aspekte hin: „Durch die Vermittlung von digitalen Kompetenzen müssen die jungen Menschen auf die heutige Arbeitswelt vorbereitet werden. Dies muss in den Lehrplänen und damit in allen Fächer berücksichtigt werden.“ Der Einsatz von digitalen Lernwerkzeugen und die Fortbildung des Lehrpersonals seien ebenso wichtig.

Steinmetz möchte die Studie zum Anlass nehmen, um die Kommunikation zwischen Betrieben und Schulen zu verbessern. Einerseits kritisieren die Unternehmen die Kommunikationspolitik der Berufsschulen. Andererseits informieren sich die Betriebe auch nicht ausreichend über die Angebote. „Kommunikation ist keine Einbahnstraße“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer, der auch die IHK in der Pflicht sieht, den Austausch zu verbessern. Für Studienleiter Lutz Goertz ist der nur sporadische Kontakt zwischen Betrieb und Schule nicht neu – andere Studien bestätigen das Ergebnis. Er regt an, Anlässe zu schaffen, bei denen sich Lehrende und Ausbildende gemeinsam an einen Tisch setzen, um Projekte zu planen und umzusetzen. „Durch die Community-Bildung wird das Verhältnis zwischen Schule und Betrieb enger. Das kann dazu führen, dass man sich gegenseitig stärker wahrnimmt und ein Vertrauensverhältnis aufbaut“, so Goertz.

„Es ist noch ein weiter Weg, bis die Konkurrenz zwischen der dualen Berufsausbildung und dem Studium aufgehoben ist. Um dies zu erreichen, müssen wir die unverkennbaren Herausforderungen der Berufskollegs angehen. Die Studie zeigt uns, wo Handlungsbedarf besteht“, lautet das Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers.