IHK und Creditreform stellen Risikobarometer vor: Ausfallrate ist im Kreis Viersen niedrig

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein und Creditreform Düsseldorf/Neuss haben das aktuelle Risikobarometer veröffentlicht. „Bislang sind die Ausfallraten im Kreis Viersen und am Mittleren Niederrhein insgesamt noch erfreulich niedrig. Wir müssen allerdings leider von einer Steigerung im kommenden Jahr ausgehen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Kreis Viersen – Im Ergebnis fällt allerdings auf, dass die Werte ungünstiger sind als im Schnitt auf Landes- und Bundesebene. André Becker, Mitglied der Geschäftsleitung Creditreform Düsseldorf/Neuss, ergänzt: „Positiv hat sich das Zahlungsverhalten der Unternehmen in der Region entwickelt. Im Kreis Viersen liegt der durchschnittliche Zahlungsverzug allerdings noch über dem Vorkrisenniveau.“

Insbesondere aufgrund der Corona-Krise werten IHK und Creditreform die Daten zu Ausfällen aufgrund unternehmerischer Insolvenzen auf der einen Seite und Ausfällen infolge massiver Zahlungsverzögerungen auf der anderen Seite detailliert aus. Die bloßen Insolvenzzahlen haben nämlich durch die gesetzlichen Änderungen beim Insolvenzantragsrecht, die im vergangenen Jahr verabschiedet wurden und zum Teil auch noch in diesem Jahr galten, zu einer Verzerrung der amtlichen Statistik geführt. „Dennoch sind die Ausfallraten weiterhin auf einem niedrigen Niveau“, so Becker. Im Kreis Viersen liegt die Ausfallrate bei 1,35 Prozent – zum Vergleich: Der entsprechende Wert für NRW liegt bei 1,19 Prozent, für Deutschland bei 1,07 Prozent. Becker warnt allerdings davor, dies zu positiv zu bewerten. „Die Sofort- und Überbrückungshilfen haben schlimmere Auswirkungen der Corona-Krise verhindert. Viele Unternehmer haben ihre Rechnungen bezahlt und danach ihre Betriebe geschlossen. Die tauchen in dieser Statistik nicht auf“, so Becker.

Sie stellten das Risikobarometer vor (v.l.n.r.): André Becker (Mitglied der Geschäftsleitung Creditreform Düsseldorf/Neuss), Chris Proios (Initiative Konjunkturforschung Regional), Gregor Werkle (Leiter des IHK-Bereichs Wirtschaftspolitik) und Jürgen Steinmetz (IHK-Hauptgeschäftsführer). Foto: IHK

Chris Proios von der Initiative Konjunkturforschung Regional weist auf die Unterschiede in den Branchen hin. „Das Gastgewerbe als von der Pandemie besonders belastete Branche hat die höchste Ausfallrate.“ Sie sei zudem im Kreis Viersen mit einem Wert von 3,6 Prozent deutlich höher als im Bund, im Land und in der Region Mittlerer Niederrhein im Schnitt. Auch bei Verkehrsdienstleistern ist die Ausfallrate mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft im Kreis Viersen. Positiv bewerten die Partner die niedrige Ausfallrate bei der Industrie.

Auffällig ist, dass die Unterschiede in der Ausfallrate zwischen der Region Mittlerer Niederrhein und Deutschland insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen zurückzuführen sind. Bei den Unternehmen mit mehr als fünf Millionen Euro Jahresumsatz sind die Ausfallraten annährend gleich. „Das sind meistens die mitarbeiterstärksten Betriebe“, sagt Steinmetz. „Deshalb gehe ich davon aus, dass die Unterschiede in den Ausfallraten auf die Beschäftigung nur einen geringen Einfluss haben dürften.“

Chris Proios bilanziert: „Zu den Daten der Ausfallraten passt auch das verbesserte Zahlungsverhalten der Betriebe am Mittleren Niederrhein. Auch hier dürften die Wirtschaftshilfen einen positiven Einfluss gehabt haben.“ Im Kreis Viersen ist der durchschnittliche Zahlungsverzug jedoch während der Pandemie deutlich angestiegen und liegt jetzt bei 15,82 Tagen. Im Dezember 2019, also in der Zeit vor Corona, lag der entsprechende Wert im Kreis Viersen noch bei 14,68 Tagen.

Pessimistischer sehen die Experten die Entwicklung im Kreis Viersen im kommenden Jahr: „Die Creditreform-Prognosedaten lassen einen Anstieg der Ausfallraten befürchten“, erklärt Becker. „Für den Kreis Viersen gehen die Rechenmodelle zurzeit von einer Ausfallrate von 2,03 aus.“ Im Vergleich zu den anderen Teilregionen des IHK-Bezirks ist das zumindest der mit Abstand günstigste Wert. „Dennoch: Die Pandemie und die wirtschaftlichen Auswirkungen sind noch nicht vorbei. Es ist gut, dass die Ministerpräsidentenkonferenz am vergangenen Donnerstag beschlossen hat, die Wirtschaftshilfen über den 31. Dezember hinaus zu verlängern“, so Steinmetz. (opm)