IHK warnt vor Verschärfungen für die Wirtschaft und hofft auf angekündigte Verbesserungen bei Finanzhilfen

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am morgigen Dienstag warnt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, vor weiteren Restriktionen für die Unternehmen. Vielmehr benötigten die geschlossenen Betriebe eine Perspektive.

Region – Die Diskussion über eine Homeoffice-Pflicht bereitet dem IHK-Hauptgeschäftsführer Sorgen. „Viele Unternehmen engagieren sich in diesem Bereich bereits enorm“, betont Steinmetz. „Den neuerlichen Appell des Bundespräsidenten mit dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften, möglichst vielen Beschäftigten Homeoffice-Möglichkeiten zu gewähren, unterstützen wir ausdrücklich“, erklärt er. Aus Sicht der IHK würde eine ausdrückliche Homeoffice-Pflicht jedoch eine bürokratische Belastung werden, die gerade in Krisenzeiten für viele Betriebe kaum zu stemmen ist. Vor allem für kleinere Unternehmen ist die praktische Umsetzung etwa aus Gründen der IT-Sicherheit häufig schwierig. „Die Betriebe, in denen es bezüglich einer Homeoffice-Regelung noch Luft nach oben gibt, möchten wir allerdings motivieren, wo immer es möglich ist, mehr zu tun. Das wäre auch ein Zeichen der Solidarität für die Unternehmen, die jetzt vollständig geschlossen sind und erst wieder ihren Betrieb aufnehmen können, wenn die Infektionszahlen deutlich gesunken sind“, so Steinmetz.

Kritisch sieht Steinmetz zudem auch die diskutierten Kapazitätsbeschränkungen im ÖPNV. „Die Mitarbeiter müssen weiterhin ihre Betriebe erreichen können“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Dies gelte insbesondere für die Beschäftigten in der Industrie, die immer noch die Basis der konjunkturellen Entwicklung sei. „Deswegen müssen auch die Lieferketten erhalten bleiben“, so Steinmetz.

Dem IHK-Hauptgeschäftsführer fehlt weiterhin ein Plan für die kommenden Wochen. „Einzelhändler, Gastronomen, Veranstaltungsunternehmer, Fitnessstudios, das Reisegewerbe, körpernahe Dienstleister und alle anderen betroffenen Branchen benötigen ein Signal von der Regierung, wie es weitergehen soll“, betont er. „Natürlich ist der Gesundheitsschutz wichtig, aber die Ankündigung, erst bei einem 7-Tages-Inzidenzwert von unter 50 pro 100.000 Einwohnern über Lockerungen nachzudenken, sorgt eher für Frust als für Durchhaltewillen.“ Erst in der vergangenen Woche hatte die IHK eine Studie veröffentlicht, nach der 20 Prozent der Kleingewerbetreibenden an Aufgabe denken.

Deshalb begrüßt Steinmetz die Ankündigungen des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier, die Auszahlung der finanziellen Hilfen zu beschleunigen, den Aufwand zu verringern und das Fördervolumen aufzustocken. Ein Blick auf die Ergebnisse der IHK-Umfrage unter den Kleinunternehmen zeigt, wie wichtig dies ist. 57 Prozent der Kleingewerbetreibenden empfinden die Corona-Hilfsprogramme der Bundesregierung als weniger hilfreich oder überhaupt nicht hilfreich. Dies liegt für zwei Drittel dieser Unternehmer insbesondere an den restriktiven Verwendungsmöglichkeiten, aber auch an den Zugangsvoraussetzungen und dem Fördervolumen.

Nach wie vor sind viele Unternehmen am Mittleren Niederrhein auf Hilfe angewiesen. „Bei den Programmen Überbrückungshilfe I, Überbrückungshilfe II sowie der November- und der Dezemberhilfe gab es im Regierungsbezirk Düsseldorf bis zu Beginn des Jahres insgesamt knapp über 50.000 Anträge, davon je nach Programm nach unserem Kenntnisstand zwischen 10 und 20 Prozent aus unserem IHK-Bezirk“, so Steinmetz. Er geht davon aus, dass es bei der Überbrückungshilfe III zu einem Anstieg der Antragszahlen kommen wird. „Für viele Unternehmen, die durch die Verschärfungen im Dezember geschlossen wurden, sind erst durch die Überbrückungshilfe III Zugangsvoraussetzungen erfüllt, um Fördergelder in Anspruch nehmen zu können“, so Steinmetz. Deswegen sei es aus IHK-Sicht auch so wichtig, dass das Programm nach den von Altmaier angestrebten Verbesserungen nun zügig auf den Weg gebracht wird. „Die Rücklagen der betroffenen Unternehmen sind aufgebraucht“, so Steinmetz.