Im Café der Residenz Irmgardis arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand

Bereits im August hat die Elterninitiative Kindertraum aus Nettetal das Café Tante Anna in der Süchtelner Residenz Irmgardis übernommen. Inklusion wird hier großgeschrieben, denn die Arbeit im Café leisten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Süchteln – Gegründet 1994 von Eltern behinderter Kinder, verfolgt der Nettetaler Verein Kindertraum bis heute das Ziel, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam leben, lernen und arbeiten. Die Projekte sind dabei zahlreich und vielfältig, so betreibt der Verein seit 2000 mit ausschließlich ehrenamtlichen Kräften in der Kaldenkirchener Fußgängerzone einen Secondhand-Laden. Seit 2011 sind im Freilichtmuseum Dorenburg sechs Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt, die sich nicht nur um die Säuberung des Geländes verantwortlich zeigen, sondern auch im Garten oder an Reparaturen teilhaben. Aktiv ist der Verein zudem in der Jugendherberge Brüggen, wo er seit mittlerweile neun Jahren sechs Menschen mit Behinderung im Team der Jugendherberge fördert und betreut.

Nun ist in diesem Jahr das Angebot durch das Café Tante Anna in der Süchtelner Residenz Irmgardis erweitert worden. Frühstück, Mittagstisch und Kuchen werden angeboten und nach mittlerweile rund drei Monaten zeigt sich, das Konzept wird in Süchteln angenommen. Für den Verein ist es das erste Angebot im gastronomischen Bereich, welches an sieben Tagen pro Woche angeboten wird. Vier Mitarbeiterinnen, zwei mit und zwei ohne Behinderung, arbeiten gemeinsam, am Wochenende manchmal zudem mit stundenweisen Aushilfen, und füllen die strukturierten Abläufe und festen Öffnungszeiten aus. So öffnet die Türen an der Bergstraße 54 montags bis samstags von 9 Uhr bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Im Café Tante Anna wird Inklusion jeden Tag gelebt. Foto/Interview: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

„Langsam spricht sich unser Angebot herum“, berichtet Café-Leiterin Corinna Francis, denn neben der täglichen Speisekarte besteht die Möglichkeit im Café, dem kleinen angrenzenden Saal oder der Irmgardiskapelle Familien- oder Firmenfeiern zu buchen. „Zwar enden unsere Öffnungszeiten um 17 Uhr, aber wir sind nach individueller Absprache auch bereit am Abend das Catering zu übernehmen. Wir freuen uns über Anfragen und helfen gerne, wenn es für uns machbar ist.“
Da das Café Tante Anna nicht über eine Großküche verfügt, können sich die Gäste sicher sein, dass alles regelmäßig frisch gekauft wird. Ein Vorteil mit einem ganz kleinen Haken, denn, so Corinna Francis, würde zwar beim Frühstück am Wochenende immer ein Platz für ein oder zwei Personen gefunden werden, bei größeren Gruppen allerdings empfehle sich immer eine Reservierung vorab. „Das gilt genauso für den Mittagstisch. Da ist es uns noch wichtiger, dass sich vorab angemeldet wird“, so die Café-Leiterin „Schließlich möchten wir zum einen niemanden hungrig wegschicken, zum anderen achten wir sehr darauf, dass nicht so viel weggeschmissen werden muss.“

Mittlerweile konnten zudem die ersten Ideen umgesetzt werden. So ist beispielsweise die Mitnahme von Gerichten in einem mitgebrachten Gefäß möglich, darüber hinaus plant das Team einen Bringdienst für die Bewohner der Residenz, die selber nicht die Möglichkeit haben das Café, welches für alle Besucher offen steht, im Erdgeschoss aufzusuchen. Ergänzt werden soll das Angebot mit Tanztee, Bingo, Fortbildungen, Ausstellungen oder Konzerten in der Irmgardiskapelle, welche mittlerweile immer mehr als Kulturkapelle genutzt wird. Ein breites Spektrum eines engagierten Teams und engagierten Vereins, welches die bestehende Veranstaltungspalette in Süchteln sicherlich ideal ergänzen wird. (cs)