Immobilienmakler Schorin übernimmt Investorengespräche: „Einen Bahnhof verkauft man nur einmal im Leben“

Der Verkauf des Viersener Bahnhofs über das Online-Auktionshaus „Ebay“ erinnerte ein wenig an ein „Monopoly-Spiel“. Dies allerdings ist nun Vergangenheit, denn der Veräußerung des vorgelagerten Eingangsgebäudes nahm sich mittlerweile ein erfahrener Makler an. Erste Interessenten für den Viersener Bahnhof gibt es bereits.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Die Reaktionen waren unterschiedlich, als in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass der Eigentümer des Viersener Bahnhofsgebäudes die „Empfangszentrale“ der Kreisstadt über das Auktionshaus „Ebay“ für 1,3 Millionen Euro anbot. Mittlerweile ist die Online-Anzeige verschwunden und der bekannte Immobilienmakler Bernd Schorin hat den Verkauf übernommen.

Gegründet 2006 ist der Name längst Programm in der Immobilienwelt der Region. Bernd Schorin legt Wert auf persönliches Engagement und sieht den Menschen im Vordergrund. Unterstützung erfährt der gelernte Immobilienkaufmann und zertifizierte Wertermittler durch deine Frau und seine Schwester, die mit ihm gemeinsam die Standorte in Brüggen, Dülken und Süchteln betreuen. Hierdurch erstreckt sich das Einzugsgebiet des Maklerunternehmens längst nicht mehr nur auf den Kreis Viersen, sondern ebenfalls auf den Kreis Heinsberg, die Stadt Mönchengladbach und Umgebung sowie die Stadt Krefeld. Auch das Gebiet um die Landeshauptstadt Düsseldorf ist kein Tabu.

„Erste Interessenten für den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof von 1917 gibt es bereits“, sagt der Viersener Immobilienmakler Bernd Schorin. Foto: Rheinischer Spiegel

Erste Interessenten für den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof von 1917 gibt es bereits. Rund 600 qm sind aktuell vermietet, 700 qm frei, dazu bietet das Bahnhofsgebäude weitere Ausbaureserven an – die ersten Mieter haben gerade erst von alleine ihre Verträge verlängert. Als denkmalgeschütztes Gebäude besteht zudem die Möglichkeit von hohen Sonderabschreibungen. „Möglich ist der Ausbau von Wohnungen, Gastronomie und Gewerbemöglichkeiten stehen ebenfalls zur Verfügung und auch einen Bäcker kann ich mir definitiv wieder vorstellen“, so Bernd Schorin, für den der Verkauf des Bahnhofs etwas Besonderes ist. „Einen Bahnhof verkauft man wahrscheinlich nur einmal im Leben“, lächelt der Makler, der zum Interview am Europaplatz 1 in Viersen gerne Auskunft zum ungewöhnlichen Gewerbeobjekt gab. „Als Kind, als Jugendlicher und natürlich als Vierscher Jung bin ich mit diesem Bahnhof groß geworden. Wir haben uns hier Brötchen gekauft und haben im Kiosk gestöbert. Schöne Erinnerungen, die hier wieder wachwerden.“

Die hervorragende Lage mit der zentralen Anbindung an Innenstadt und zu den angrenzenden Baugebieten sind ein klarer Pluspunkt. Bereits jetzt würde sich die Finanzierung durch die aktuellen Mieter rechnen, das Potenzial für Investoren sei enorm. „Ich kann mir ein Restaurant in den 240 qm leerstehenden Räumen vorstellen, auch eine weitere Etage könnte eingezogen werden“, sagt Bernd Schorin. Die Bäckerei sei voll funktionsfähig, was fehlt sei ein Backofen, sonst sei das Inventar vollständig. Schorin ist sich sicher, das Gebäude bietet sich an für namhafte Mieter. Der Kauf rechne sich von der Rendite in Verbindung mit dem Denkmalschutz steuerlich und wirtschaftlich. „Aufgrund des Ankers – des Bahnhofs und des angrenzenden kleinen Busbahnhofs sowie einer geplanten Direktanbindung nach Düsseldorf erhält das Gebäude nochmals einen Schub. Die Stadt Viersen hat mit der Umgehungsstraße, dem renovierten Vorplatz, dem Fahrradangebot auf der Rückseite und dem großen Parkplatz zusätzliche Vorteile geschaffen.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bei dem Verkauf handelt es sich allerdings alleine um das Gebäude und ein kleines Stück Grundstück an der Seite. Wer vorne aus dem Bahnhof seinen Fuß auf das Außengelände setzt, steht auf dem Bereich der Stadt Viersen, nach hinten hinaus beginnt mit dem Durchgang zu den Gleisen der Besitz der Deutschen Bahn.

Die Partei die Linke hatte den Antrag gestellt, die Stadt Viersen solle das Gebäude zurückkaufen. Diese hatte durch die städtische Entwicklungsgesellschaft 2006 den Bahnhof von einer Tochter der Deutschen Bahn erworben. 369.000 Euro verließen damals die Kasse des städtischen Ablegers, damit der Bahnhof nicht an einen unbekannten Investor fiel. Die Kosten für die Viersener Investorengemeinschaft lagen dagegen niedriger, die dann in das Gebäude finanzstark investierte. Bereits hier war der Name Horst Dannreuter als Teilhaber bekannt, der vor zehn Jahren das Gebäude dann vollständig übernahm.

Ob ein Kauf für die Stadt Viersen überhaupt in Frage kommt oder finanziell möglich ist, darüber müssen nach dem Antrag der Politik zunächst die zuständigen Gremien entscheiden. Gemeldet hat sich die Stadt Viersen bis heute zumindest nicht. „Sie können aber gerne mit mir Kontakt aufnehmen unter unserer Telefonnummer in Süchteln 02162 103 40 04 oder natürlich unsere Webseite schorin.de“, schmunzelt der Viersener Immobilienmakler. (nb)


Hauptbahnhof Viersen wird bei Ebay zum Kauf angeboten