Impuls: Klimaschutz ist Lebensschutz

Christen haben eine „ökologische Berufung“. Bei der Diskussion um den Klimaschutz müssen vor allem diejenigen berücksichtigt werden, die am meisten betroffen sind.

KKV-Impuls – Der Jahrhundertsommer hat uns die Erderwärmung wieder ins Gedächtnis gerufen. Spätestens seit Papst Franziskus ist klar: Ökologisch bekehrte Christen nehmen den Klimawandel ernst und die weltweit am stärksten Gefährdeten in Schutz.

Es ist 4 vor 12: Der Klimawandel ist menschengemacht, und er kann bloß noch abgemildert werden. Noch immer begreifen viele nicht, was das für die Zukunft der Erde bedeutet; einige leugnen den Klimawandel sogar und wittern nur Schwindel, Verschwörungen und „Fake Science“. Dabei ist der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der „Weltklimarat“, längst durch das läuternde Feuer der Kritik gestählt worden und stellt die menschlichen Einflüsse auf die Erderwärmung in jedem seiner Berichte konservativ und solide auf internationalem Forschungsertrag gegründet heraus. Was die Weltgemeinschaft tun muss, ist schon seit vielen Jahren klar: Weniger CO2-Ausstoß, weg mit den fossilen Brennstoffen, mehr erneuerbare Energien. Wie ist die Lage bei uns in Deutschland?

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Tage von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind gezählt, das Image der „Klima-Kanzlerin“ ist indes schon seit langem so abgeschmolzen wie mancher Gletscher, deren Rettung sie sich einst auf die Fahnen schrieb. Seit dem letzten Sommer kommen dagegen wieder mehr Bürger auf den Trichter, dass der deutsche Elan in Sachen Klimapolitik wieder aus der Eisstarre geholt werden muss; nicht zuletzt die Wahlerfolge der Grünen bezeugen dies.
Doch die Herausforderung ist groß: Die deutschen Klimaziele können nur durch einen beschleunigten Ausstieg aus der Kohle erreicht werden, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor kurzem dargelegt hat. Zwar gibt es auch Fortschritte. Die jüngsten Debatten und Ereignisse rund um den Hambacher Forst haben aber beispielhaft gezeigt, wie vertrackt die Sache ist. Von den Beschäftigten und der Leitung von RWE, den Umweltaktivisten und Umsiedlern bis hin zur Politik – ganz unterschiedliche Interessengruppen liegen hier miteinander im Clinch. Doch eine Interessengruppe wird oft vergessen: die gegenwärtigen und zukünftigen Opfer des Klimawandels.

Kehren wir daher zurück zur globalen Perspektive und schauen uns die umweltethische Position unserer Weltkirche an: Schon Papst Johannes Paul II. hat während seines Pontifikats mehrfach an die „ökologische Berufung der Christen“ appelliert und nichts weniger als eine „ökologische Bekehrung“ gefordert. Auch Papst Benedikt XVI. hat den „Schrei nach frischer Luft“ der ökologischen Bewegung bei seiner Rede vor dem Bundestag ausdrücklich gewürdigt. Dann kam Papst Franziskus mit ,Laudato si‘, die den Klimawandel visionär und prägnant als Menschheitsaufgabe beschreibt, jedoch mehr ist als eine reine Umweltenzyklika.

Sie ermahnt nämlich sehr deutlich dazu, „die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde“ (LS 49). Der Pontifex hat mit seinen Appellen zum erfolgreichen Abschluss der Pariser Klimakonferenz 2015 ein Stück weit beigetragen. Damals hat sich die Staatengemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 bis höchstens zwei Grad zu begrenzen. Denn deren Folgen, etwa zunehmende Wetterextreme, sind schon jetzt für viele Menschen weltweit und besonders in den ärmeren Ländern lebensgefährlich. Hier braucht es in ethischer Hinsicht also eine klare Option für die Gefährdeten als Option für den Klimaschutz und damit auch für einen ganzheitlich verstandenen Lebensschutz. So sehr und so notwendig gerade wir Christen für den Schutz des Lebens am Lebensanfang und -ende eintreten, so sehr sollten wir uns auch für die Leben all derjenigen engagieren, die durch die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel weltweit am meisten gefährdet sind. Sie leben vor allem in denjenigen Staaten, die sich für die Verhandlungen auf den Klimakonferenzen zu den Gruppen der Least Developed Countries (LDCs) und der Alliance of Small Island States (AOSIS) zusammengetan haben. Wegen des klimawandelbedingten Anstiegs des Meeresspiegels bangen jene Inselstaaten schlicht um ihre Existenz.

Das lässt die Probleme und widerstreitenden Interessen hier in Deutschland dagegen geradezu verblassen. Die ärmsten Länder und die kleinen Inselstaaten und ihre Bewohner bilden indes diejenige Interessengruppe, die die Anwaltschaft der Industrieländer und auch der Kirche zweifellos am nötigsten hat. Denn Klimaschutz ist Lebensschutz.

Impulsgeber
Lars Schäfers, Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle Mönchengladbach

Foto: KSZ Mönchengladbach

Mag. theol. Lars Schäfers, 1988 geboren in Wuppertal, ist wissenschaftlicher Referent der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft.

Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!