Impuls von Georg Konen – „Zukunftsängste gibt es in allen Generationen“

Der Begriff Generationenverantwortung beinhaltet bereits die gesamte Bandbreite unserer gesellschaftspolitischen Probleme, die sich in einer Vielzahl einzelner Indizien widerspiegelt. Da ist zunächst ein riesengroßer Wertewandel, der gerade für die ältere Generation mit einem Höchstmaß an Toleranzbereitschaft verbunden ist.

KKV-Impuls – Was in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts noch fester Bestandteil einer Weltanschauung war, die sich in Erziehung und dem täglichen Leben der Gesellschaft widerspiegelte, so sind diese Werte der Reihe nach in Frage gestellt und dem „Main Stream“ bzw. neuen Erkenntnissen angepasst worden.

Dieses veränderte Wertebewusstsein erleben wir in unserer Kirche und in der Gesellschaft in vergleichbarer Weise, wobei diese neue Orientierung durchaus auch sehr viel Positives beinhaltet. So hat die persönliche Freiheit zur Gestaltung des eigenen Lebens sehr viel mehr Bedeutung erlangt als die bedingungslose Anpassung an gesellschaftliche Vorgaben. Diese Veränderungen werden deutlich, wenn generationenübergreifende Themen diskutiert werden, bei denen die Individualität des Einzelnen oberste Priorität erhält und die Bereitschaft zur solidarischen Einordnung in einer Gemeinschaft immer weniger Zustimmung erfährt. Die ausgeprägte Bereitschaft der Jüngeren zu persönlichem Engagement ist bei sozialen Projekten durchaus positiv zu sehen.

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Auch ist die Sorge junger Menschen hinsichtlich der Einhaltung von Grundrechten in unserer Gesellschaft beispielhaft und in ihrer Vielfalt erstmalig. Diskriminierung von Minderheiten, Rassenvorurteile, Rechte und Unterstützung Behinderter, Verteilungsgerechtigkeit und das Recht zur Selbstbestimmung in allen Lebenslagen und die Sorge um die Umwelt und die Klimaveränderungen sind dafür anschauliche Beispiele. Dazu kommen trotz allem Zukunftsängste hinsichtlich veränderter Arbeits- und Lebensbedingungen auf Grund komplexer und radikaler Veränderungen im kommunikativen und im digitalen Umfeld des Wirtschaft- und Gesellschaftslebens. Diese Zukunftsängste sind auch bei der älteren Generation häufig anzutreffen, wobei ganz banale Dinge des Alltags in der bisher praktizierten Weise, durch Neuerungen ersetzt werden, die auf Unverständnis und große Vorbehalte stoßen.

Hier ist es auch in der Verantwortung der Gesellschaft auf die Bedürfnisse älteren Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und ihnen den Umgang mit technischen Neuerungen zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang muss zum Beispiel das weite Feld der sozialen Netzwerke gesehen werden, welches zu einer Anonymisierung und dadurch oftmals zu einer nicht mehr akzeptablen Verunglimpfung Andersdenkender geführt hat. Diese anonymen Beiträge haben in der Gesellschaft zu einer Verrohung unserer Gesprächs- und Streitkultur geführt. Die Sorge um ein respektloses Gesprächsklima sollte ebenso, wie das Wetterklima als Herausforderung für unser Zusammenleben angesehen werden. Hier müssen allerdings auch die Medien sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und gegen den eigenen Trend der Verharmlosung, Verrohung und Skandalisierung angehen.

Ein weites Feld der Verantwortung liegt naturgemäß im Bereich solidarischen Verhaltens auf Grund der demographischen Entwicklung. Durch den Geburtenrückgang und die sich erheblich positiv verändernde Lebenserwartung, sollten sowohl die im Arbeitsprozess Befindlichen als auch die Ruheständler gegenseitiges Verständnis aufbringen und sich ihrer Verantwortung ehrlich und solidarischen stellen. Sowohl dem Problem der Altersvorsorge der Berufstätigen, wie auch dem der Altersfürsorge, Stichwort Altersarmut, muss sozialverträglicher Rechnung getragen werden. Dabei gilt es, die berechtigten Belange der älteren Mitbürger zu würdigen und einer Überforderung der Jüngeren entgegenzuwirken.

Impulsgeber
Georg Konen, Vorsitzender des Fördererkreises für Bildungsarbeit des KKV e.V.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!