Impuls von Prof. Dr. Patrick Sensburg, MdB – „Die Gesellschaft verändert sich – wie hält die Politik dabei mit?“

Gesellschaften verändern sich seitdem es Gesellschaften gibt. Soweit ist dieser Befund wenig verwunderlich. Doch was wir in den vergangenen Jahren – auch durch die digitale Revolution – erleben, hat eine neue Qualität des Wandels erreicht.

KKV-Impuls – Wir erleben in fast allen Bereichen des Lebens eine enorme Beschleunigung des Alltags. Auch die Politik steht angesichts medialer Dauerberichterstattung – rund um den Globus und auf allen Kanälen gleichzeitig – vor der Herausforderung, Schritt zu halten mit den stets neuesten Entwicklungen: Brexit, Klimawandel, Eskalation am Persischen Golf, antisemitische Übergriffe in Berlin und die stetig wiederkehrenden Provokationen jedweder Populisten im In- und Ausland. Kaum eine Stunde vergeht, ohne dass nicht ein neues Thema die Medien kurzzeitig dominiert um kurze Zeit später gleich wieder vom nächsten ‚Aufreger-Thema‘ abgelöst zu werden. Wie kann die Politik da mithalten? Und soll sie es überhaupt?

Foto: Patrick Sensburg, MdB

Politik und Gesellschaft sind – Gott sei Dank – keine losgelösten Sphären, sondern eng miteinander verwoben. Gesellschaftlicher Wandel schlägt sich also auch zwangsläufig in der Politik nieder. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass Gesellschaft und Politik auch weiterhin in einem engen und direkten Austausch miteinander bleiben. Die Volksparteien haben hier immer eine Klammer gebildet und werden dies hoffentlich auch künftig tun. Eine zentrale Rolle spielen dabei übrigens auch die direkt- gewählten Wahlkreisabgeordneten, die durch ihre Arbeit in den jeweiligen Wahlkreisen in einem ständigen und direkten Austausch mit der Gesellschaft stehen. Leider stellen diese direkt-gewählten Wahlkreisabgeordneten derzeit aufgrund der Verwerfungen im Wahlrecht nur eine Minderheit der Abgeordneten des Deutschen Bundestags.

Gleichzeitig müssen wir aber auch wieder verstärkt darauf achten, dass wir uns in unserem täglichen Tun nicht zu sehr treiben lassen von der Hektik um uns herum. Die Probleme unserer Zeit lassen sich nicht im Handumdrehen lösen, auch wenn die Populisten dieser Welt diesen Eindruck nur allzu gerne erwecken. Wenn wir Probleme lösen und Herausforderungen meistern wollen, dann müssen wir uns auch die Zeit nehmen, diese gründlich anzugehen und nicht extreme Lösungsansätze zu fordern. Vielmehr müssen der Mensch und die Schöpfung Gottes bei alledem stets im Mittelpunkt unserer Entscheidungen stehen. Nur dann wird es uns auch wieder gelingen Kompromisse als etwas Gutes zu empfinden und Brücken zwischen den unterschiedlichen Lagern zu bauen. Nur so verhindern wir die Spaltung unseres Landes in Gruppen, die der jeweils anderen Gruppe nur noch vorwerfen, sie wäre uneinsichtig, Leugner von Argumenten und Verweigerer. Gerade wir Christen in Wirtschaft und Verwaltung müssen hier die Brücken wieder aufbauen.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!