Wo Wildbienen zu Hause sind – In der Nachbarschaft gedeiht ein grünes Paradies

Vor vier Jahren begannen die Viersener Ulrike Will und Joachim Wals aus einem „ökologischen Unfall“ einen blühenden Garten zu formen, in dem sich Insekten, Nützlinge und vor allem Wildbienen und Schmetterlinge zu Hause fühlen können. Mit ihm möchten sie auch Anreize für Garteninteressierte und Besucher schaffen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Mönchengladbach-Eicken – Reisen oder ein neuer Fernseher? Als die Viersener Ulrike Will und Joachim Wals 2017 in ihre Zeit als Rentner eintraten, standen sie vor unerwarteten Entscheidungen in ihrem neuen Lebensabschnitt. Gemeinsam entschlossen sie sich einem eigenen Garten und dem Anbau von Obst und Gemüse ihre Zeit schenken zu wollen. Kein Stück Land mit einer gepflegten englischen Rasenfläche und in exakten Abständen blühenden Blumenbeeten. Nein, es sollte ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, ein Heim für Insekten und andere Tiere werden.
Ihre Suche endete an einem Grundstück des Kleingartenvereins in Mönchengladbach-Eicken, welches eine Fläche von stattlichen 406 bepflanzbaren Quadratmetern umfasst.

Vier Jahre später ist dieser Kleingarten längst zu einem prämierten Vorbild geworden, steht er mit Wildblumenwiese, Insektenhotel, Obstbäumen und dem Anbau von Gemüse doch für eine perfekte Verbindung zum Erhalt der Biodiversität im urbanen Raum. Durch die intensive Umgestaltung und Erfolge in der Bepflanzung des Grundstücks wurde der Vereinsvorstand auf das Projekt aufmerksam, der Ulrike Will zur Ausbildung als Fachberaterin zum Landesverband schickte.

V l.: Joachim Wals, Ulrike Will – Foto: privat

„Wir möchten hiermit weitere Anreize schaffen und Garteninteressierten, Besuchern, Anrainern oder Neugierigen Möglichkeiten an die Hand geben“, so Ulrike Will. „Gerne möchten wir unseren Garten mit den vielen Modulen zur Förderung der Biodiversität in der Öffentlichkeit vorstellen und auch dokumentieren, dass es sich hier um einen Qualitätsgarten nach besonderen Kriterien handelt.“

Dass ein solches Kleinod nicht lange unbemerkt bleibt, das zeigen die zahlreichen Auszeichnungen, mit denen sich die Kleingärtner bereits schmücken dürfen. Als Mitglied im Hortus-Netzwerk haben sie als geprüfter und eingetragener Garten „Hortus-Noctuarum“ die Anerkennung der „UN-Dekade 2019 – Biologische Vielfalt“ erhalten, gerade erst im vergangenen Jahr erhielt die grüne Insektenoase den 1. Platz der bundesweiten Ausschreibung „Wir tun was für Bienen“ in der Kategorie „Kleingartenwesen“.

Foto: privat

Hierbei war es beiden wichtig zur Gestaltung der Gartenanlage neben den Auflagen des Deutschen Kleingartengesetzes, Module der Permakultur und den Hortus-Gedanken von Markus Gastl einzubringen. Sandbeete (Sandarien), Trockenmauern, Steinhaufen und Totholzstellen ergänzen die Nisthilfen, die im Rahmen der Aktion „Mönchengladbach blüht“ geschaffen wurden und schaffen Futter-, Ruhe- und Bruträume. Ein gut durchdachtes Paradies auf engstem Raum, in dem sich auch Wildbienen wohl fühlen können, die im Gegensatz zu Honigbienen nur Strecken von 30 – 120 m zurücklegen. „Dies habe ich zur Förderung der Biodiversität und der ‚alten, vergessenen Pflanzen‘ nach und nach umgesetzt“, ergänzt die Naturgärtnerin. Gerade in NRW sieht sie noch ein großes Entwicklungspotential. „Wir mussten feststellen, dass nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch den Wegfall vieler Insekten, immer weniger Fruchtansätze an unseren Obstpflanzen zu verzeichnen waren.“

Gerne öffnen Ulrike Will und Joachim Wals ihr Kleinod für interessierte Besucher. Nicht einfach in der aktuellen Corona-Pandemie, zudem wird während der Wintermonate der Garten nicht täglich bewirtschaftet. Wer einen Blick in den Kleingarten 06 auf dem Mönchengladbacher Spielkaulenweg 70 werden möchte, kann vorab Kontakt per Mail (hortus-noctuarum@gmx.de) mit den fachkundigen Naturgärtnern aufnehmen. (nb)

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