In Nettetal schlief der Hoppeditz etwas länger

Das Hoppeditzerwachen ist längst zu einem eigenen Programmpunkt im närrischen Kalender geworden. Währen der Hoppeditz in vielen Städten sogar schon einen Tag früher erwachte, schlief er in Nettetal direkt noch etwas länger. Der Jeck zeigte sich nicht nur ausgeruht, sondern auch gewohnt närrisch.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Nettetal – Mittlerweile seit 1995 erwacht der Nettetaler Hoppeditz im Rathaus, nimmt es für sich ein und stürmt in altbekannter Weise den Balkon. Mit Narrenkappe und rot-weißem Ornat hieß er die 5. Jahreszeit willkommen, zu der alle Nettetaler Karnevalsvereine und Gäste aus der Region ihren Weg gefunden hatten in Erwartung auf die närrische Zeit.
Pünktlich um 11:11 Uhr und sogar ohne Wecker zeigte er sich seinem Gefolge und stimmte dabei nicht nur in ein kräftiges „Nettetal Helau“ ein, sondern griff ebenfalls die Geschehnisse des vergangenen Jahres auf, die ihm auf dem Herzen lagen und hielt den Menschen einen Spiegel vor.

Prinzessin Silvia hatte es ihm dabei besonders angetan, die die Jecken als erste Nettetaler Stadt-Prinzessin anführen wird, inthronisiert in einem Jahr, in welchem das Karnevalskomitee Lobberich auf stolze 60 Jahre zurückblicken darf. Ebenfalls sportlich hatte der Erzschelm einiges zu verkünden und hielt den mahnenden Finger hoch. Schließlich spielt der SC Union Nettetal mittlerweile in der Oberliga, doch die Nettetaler gehen nicht hin, wenn ihre Herren auf heimischem Rasen spielen. Über zu wenig Aufmerksamkeit kann sich dagegen die Borussia Mönchengladbach zurzeit nicht beklagen, noch nicht einmal durch den Hoppeditz, der gestand doch KFC Uerdingen-Fan zu sein und lieber diesen an der Tabellenspitze sehen würde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller

Närrische Unterstützung mit jeckem Blut gab es an diesem Tag für den Hoppeditz mit Hubert III. und Rita III. (Glock). Auch nach mittlerweile drei Prinzenspielen war den beiden anzusehen: Der karnevalistische Virus wird sie nicht loslassen. 2003/2004 hatten die beiden erstmals das Narrenzepter übernommen – eigentlich eher spontan, denn Hubert Glock verlor beim Hoppeditzerwachen eine Funkemariechenwette. Für ihre mittlerweile dritte närrische Amtszeit hatten sich die beiden übrigens dann doch ganz offiziell beworben. Doch aller guten Dinge sind eben drei und so soll nun Schluss sein, damit Silvia I. mit ihrem Sessionsmotto „Seid jeck und habt das Herz am rechten Fleck“ in ihre Amtszeit starten konnte, die schließlich noch am gleichen Tag begann.

Eine besondere Regentschaft, denn Silvia Peschkes wird als erste Prinzessin die Nettetaler Narren regieren. Dass damit eine echte Karnevalistin das Zepter übernimmt, daran kann niemand zweifeln, schließlich zog die jecke Regentin schon im Alter von vier Jahren im Tulpensonntagzug in Kaldenkirchen mit. Als dann 1980/81 ihre Eltern den Narrenthron eroberten war sie ebenso gerne dabei, wie auch in der Begleitung des Prinzenpaare Ulrike und Manfred Mertens nur wenige Jahre später. Ihre eigene Begleitung besteht mit zwei Prinzessinnenführern, ihrem Vater Horst Peschkes und Norbert Feldges, sowie vier Hofdamen, Ulrike Mertens, Sabine Houben, Agnes Gendrisch-Feldges und Sonja Rover, aus erfahrenen Jecken, zudem moderiert die Prinzessin bereits seit Jahren die Sitzungen des Damen-Elferrates. Nun steht die 47-Jährige selbst im Mittelpunkt des jecken Spiels und erfüllt sich mit dem Narrenzepter einen langersehnten Wunsch. Bei der KG Fidele Heide wird bereits fleißig am Prinzessinnenwagen gewerkelt, denn in dieser Session haben die Lobbericher die Ehre den Straßenkarneval auszurichten. Ihr Sessionsmotto möchte die Prinzessin nicht nur herausrufen, sondern leben und so verzichtet sie auf Blumen und Geschenke, bittet dafür um eine kleine Spende, die der Nettetaler Tafel nach der Session zugutekommen soll. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller