In Süchteln proklamierten Alt und Jung gemeinsam ihr neues Prinzenpaar

Der Süchtelner Festausschuss stellt in diesem Jahr zwar mit Abstand das älteste Prinzenpaar. Dass Josef II. und Inge I. trotzdem die närrischen Bühnen erobern werden, das bewiesen sie gekonnt bei ihrer Proklamation. Bis in den nächsten Tag hinein wurde in schwarz-gelb geschunkelt, gefeiert und gelacht.
Von Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Süchteln – Wenn der Süchtelner Festausschuss zu der traditionellen Proklamation ruft, dann folgen die Karnevalisten gerne der Einladung. Bis auf den letzten Platz war das Josefshaus gefüllt, welches im Vorfeld mit viel Liebe durch das Saalbauteam, unter der Planung von Markus Wartmann, geschmückt worden war. Passend zu dem Prinzenpaar in Lauerstellung feierten an diesem Abend Alt und Jung Karneval mit Schwung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dass Freud und Leid eng zusammen stehen, zeigte sich bei der zunächst anstehenden Entthronisierung. Gregor Mackes und Daniela Erkens hatten ein Jahr lang die Süchtelner Jecken regiert und im Sturm die Herzen erobert. So floss nicht nur auf der Bühne das eine oder andere Tränchen in Erinnerung an eine fantastische Session. Die Dankesworte hatte die Prinzessin zwar bereits „gepostet“, der scheidende Prinz ergänzte diese aber gerne mit einem Dank an das Publikum, die Garde und ihre Begleitung – Grüße gingen dabei sogar nach Südafrika, wo ein Teil der Garde gerade weilt und in Gedanken in Süchteln war. Die Liebe hatte die beiden in der Session gepackt und so stand nun ein Paar auf der Bühne, nahm Abschied von ihrem närrischen Spiel. Die Prinzenkette nahm der Süchtelner Ortsbürgermeister Wolfgang Genenger schweren Herzens entgegen, schließlich mussten die Insignien an diesem Abend wandern.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Damit die Tränen Zeit zum Trocknen hatten, begeisterte die an Mitgliedern gewachsene kleine Süchtelner Jugend-Garde mit ihrer Darbietung – sicher ist, langsam, aber sicher wird die Süchtelner Bühne für diese Gruppe zu klein. Ihre Zugabe brillierte mit einer Tanzeinlage der Süchtelner Prinzengarde, die eigentlich ihre tänzerische Karriere im letzten Jahr beendet hatte. Sie bereiteten den Saal vor auf das Highlight des Abends, schließlich wurden an diesem Abend zwei Bürgerliche zumindest zeitweise in den närrischen Adelsstand erhoben. Beide Tollitäten sind zwar nicht in Süchteln geboren (der Prinz kütt aus Stuhmerfeld, die Prinzessin aus Duisburg), ihre Heimat allerdings haben sie hier gefunden und die Soetelsche Muhre hat sie dann auch direkt mit den närrischen Virus infiziert. Mit fast 80 Jahren erfüllen sich Josef II. und Inge I. (Kamps) nun einen Traum, nachdem die Gesundheit bisher diesen Schritt nicht zugelassen hatte.
Seit mittlerweile zehn Jahren sind sie aktiv im Karneval dabei und Mitglieder des Süchtelner Festausschusses ebenso wie des noch jungen Karnevalsvereins „Süchtelner mit Herz“. Schon seit Ausbruch der „karnevalistischen Grippe“ wollten sie als Tollitäten das Narrenzepter ergreifen, die Gesundheit spielte nur nie mit. Im Alter von fast und von 80 Jahren erfüllen sich die beiden nun ihren Traum.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ihr Motto „Alt und Jung feiert Karneval mit Schwung“ lässt einen Blick auf die bunt gemischte Truppe um das Prinzenpaar zu. Quer durch die Generationen möchte das kommende Prinzenpaar allen Narren zeigen, dass das Alter – ob Jung oder Alt – kein Hindernis für das gemeinsame Feiern ist. Sie wollen in der Session vorleben, dass verschiedene Altersgenerationen sich gegenseitig unterstützen im närrischen Brauchtum. „Alt wird man nicht mit den Jahren, alt wird man auch nicht mit den grauen Haaren, alt wird man, wenn man den Mut verliert und wenn einen nichts mehr interessiert“, so das Prinzenpaar.

Mit den Exprinzen und ihrer Garde zogen die beiden musikalisch begleitet von dem Fanfarenzug der Prinzengarde St. Tönis ein und genossen sichtlich ihren Abend im Kreise des närrischen Volkes. Die Gänge wurden so gut es geht mitgenommen und die gelben Rosen flogen bis in die hinterste Ecke des Saals. Für die Damen sei erwähnt, die Prinzessin hat nicht nur ihr Kleid, sondern das gesamte Prinzenoutfit selbst entworfen und versteckt eine gelbe Hose unter dem schwarzen, mit goldenen Ornamenten besticktem Rock.
Ihre elf Punkte der Proklamation umfassten natürlich das Jubiläumsjahr der Gesellschaft, sprachen aber zudem die vor langer Zeit entstandene Idee einer Umgehungsstraße und das leerstehende Kolpinghaus an. Ebenfalls das viel zu kleine Josefshaus für solche Veranstaltungen oder das Verbot der Erstürmung des Süchtelner Rathauses mit einer Leiter durch das Fenster fanden einen Platz. Ihr Sessionslied wurde von dem feiernden Publikum gerne begleitet. Mit jubelndem Beifall gefeiert, verdient so ein neu gekürtes Prinzenpaar selbstverständlich viele jecke Geschenke und nachdem die ersten Glückwünsche überbracht waren, reihten sich die musikalischen und tänzerischen Geschenke der großen Süchtelner Garde der Süchtelner Tanzmariechen ein.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Bühne blieb nach diesem schwungvollen Auftritt nicht lange leer, denn jeck gehörte an diesem Abend eben einfach dazu. Zu einer Vereinigung der Jecken dieser Welt rief die Gruppe „Jeck United“ auf, die mit „Höppe, Höppe“ oder „Tschö mit Ö“ Texte mitbrachten, die im Saal jeder mitsingen konnte. Die Arme flogen, der närrische Chor des Publikums begleitete die fünf männlichen Bandmitglieder und mit ihnen waren sogar fast die Sitzungspräsidenten des Abends, Detlef Belk und Werner Jungblut, kaum zu hören, die sich erneut hervorragend ergänzten.
Ihnen gebührte es, die beliebte Süchtelner Prinzengarde willkommen zu heißen, die in diesem Jahr bereits in der zweiten Session ihr Solomariechen, Sina Otten, mitbrachten. Gekonnt präsentierte sich ihre Darbietung als wahrer Augenschmaus mit akrobatischen Einlagen und hinterließ die perfekte Stimmung für das kölsche Rednerduo, die Beckendorfer Knallköpp, die allerdings die Unruhe im Saal nicht beenden konnten und Sitzungspräsident Detlef Belk zu Recht an den Respekt erinnerte, den jeder Künstler auf der Bühne verdient. Als kölsches Ehepaar nahmen sich Lydia und Rolf gegenseitig aufs Korn – perfekt eingespielt, schließlich stehen sie schon seit über 15 Jahren gemeinsam auf den Bühnen des Winterbrauchtums. 

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kein Unbekannter in der Region war Trompeter, Sänger und Entertainer Bruce Kapusta, der ein wenig verspätet seinen Auftritt begann. „Bühne ist überall. Selbst im kleinsten Wohnzimmer“, so der Künstler, der einen Mix aus Gesang sowie Trompetenspiel mitbrachte und so vorbereitete auf den letzten Höhepunkt des Abends.
Viele kennen Torben Klein noch als Mitglied der „Räuber“ oder der Boygroup „Verliebte Jungs“. Der sympathische Sänger und Musiker hat allerdings mittlerweile bewiesen, dass er auch als Solokünstler eine hervorragende Figur macht. Seine Stücke erobern regelmäßig die Charts und ebenfalls seine in diesem Jahr veröffentlichte Solo-Single „Fründe für et Levve“ schaffte es direkt auf die vorderen Plätze der Top-10-Listen. Er setzte dem Abend das i-Tüpfelchen auf, der natürlich traditionell mit der Süchtelner Hymne endete, für die nochmals stimmgewaltig der Chor der Karnevalisten erklang.

Der Süchtelner Festausschuss lädt nach diesem erfolgreichen Abend ein zum Möhrenschälen am 26. Januar 2020, der Galasitzung am 7. Februar 2020, dem Frühschoppen am 9. Februar 2020 und natürlich der Prinzenparty am 22. Februar 2020 mit den „Oedingschen Jonges“. (cs)

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