Jazzrausch Bigband spielte mit Standing Ovations

Längst hat Jazz den Makel verloren den Geschmack alleine älterer Generationen anzusprechen. Jazz ist „In“, modern, verbindet über Altersstufen hinweg und fordert Musiker heraus musikalische Grenzen zu überschreiten.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Auf der großen Bühne der Viersener Festhalle fand beim 34. Jazzfestival eine der deutschen Musikformationen Platz, die sich mittlerweile weltweit innerhalb der Jazzszene einen Namen gemacht hat. 2014 von Roman Sladek gegründet ist der Sound der 35-köpfigen Jazzrausch Bigband schwer in Worte zu fassen. Ihr neues Programm „techné“ war längst nicht nur das angekündigte Bekenntnis zu fließenden Übergängen, zur Überschreitung musikalischer Grenzen zwischen Jazz, Klassik und Techno – es war ein klangvolles Feuerwehrwerk, dem man sich nur schwer entziehen konnte.

Foto: Rheinischer-Spiegel/Martin Häming

Aber warum auch, denn wer sich von den Musikern, die eigentlich zwischen dem New Yorker Lincoln-Center und dem legendären Techno-Club „Harry Klein“ in München künstlerisch beheimatet sind, mitreißen ließ, erlebte einen Abend der Extraklasse.

Mit über 600 Konzerten rund um den Globus zählt die Jazzrausch Bigband zurecht zu den erfolgreichsten Big Bands der Welt. Ihre beeindruckende Bühnenpräsenz und überragenden Klangwelten vermischten sie auch beim Jazzfestival Viersen mit den zunächst unterschiedlich erscheinenden Tonmöglichkeiten Jazz, Klassik und Techno. Was scheinbar nicht passte wurde passend gemacht, als ob es nie anders gewesen wäre.

Foto: Rheinischer-Spiegel/Martin Häming

Die Klänge zeigten sich im gegenseitigen Einvernehmen und machten unter jubelnden Beifallsstürmen sichtbar, warum das neue Programm „téchne“, abgeleitet von dem altgriechischen Begriff für das Verständnis von Kunst, Wissenschaft und Technik, im Zentrum ihrer Kreativität steht. Dass Sitzplätze irgendwann überflüssig waren und die Festhalle auch außerhalb der Karnevalszeit bebte war Auszeichnung für die Musiker, deren Auftritt sie hätten stetig verlängern können – ihre Fans hätten sie bis in den frühen Morgen hinein freudig spielerisch dabei begleitet die Weite ihres Könnens zu erforschen. (cs)

Foto: Rheinischer-Spiegel/Martin Häming