JKS for Future lehrte aktiven Klimaschutz

Während erneut Schüler bei „Fridays for Future“ auf die Straße gingen, hatten die Schüler der Süchtelner Realschule einen ganzen Aktionstag für den Klimaschutz ins Leben gerufen. An den vielfältigen Projekten nahmen alle Klassen teil, die an diesem Tag tatkräftig für den Umwelt-, Natur- und Tierschutz anpackten.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen-Süchteln – Nicht nur demonstrieren, sondern vor allen Dingen anpacken stand im Vordergrund der vielfältigen Projekte, die am gestrigen Freitag den „Friday for Future“ in der Süchtelner Johannes-Kepler-Schule zu einem besonderen Tag machten. „Wir wollen etwas verändern, denn Nichts-Tun und nur streiken funktioniert nicht“, so der kommissarische Schulleiter Thomas Küpper und dafür hatten sich Schüler und Lehrer gemeinsam einiges einfallen lassen.

Noch vor Schulbeginn starteten zahlreiche Schüler mit dem Fahrrad zur Schule und taten den ersten Schritt für den Klimatag der JKS. Die Idee war entstanden durch die anhaltenden Proteste der Jugendlichen. Als dann die Rufe der Schüler an der Süchtelner Realschule immer lauter wurden und einen Aktionstag in Leben rufen wollten, nahm sich die stellvertretende Schulleiterin Ute Postertz der Idee an. Selber aktiv für den Umwelt-, Tier- sowie Naturschutz und beeindruckt von den vielfältigen Projekten der verschiedenen Klassen, nahm sie zusätzlich viele externe Partner mit ins Boot, die tatkräftig gestern mit Manpower, Sachspenden und Beratung unterstützten.

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Als die Schulklingel zum ersten Mal zu hören war, wuselten zahlreiche Schüler durch die Gänge auf dem Weg zu ihren Umweltprojekten. Auf den Süchtelner Höhen entstanden so unter der Leitung von Günter Wessels (NABU) Wildbuchenhaine, weitere Klassen begannen mit einer Müllaktion unterstützt von aktiven Mitgliedern des BUND Stadt und Kreis Viersen, der an diesem Tag mit einem großen Team nach Süchteln gekommen war. Rosemarie Lehmann (BUND) sammelt selber mehrfach in der Woche den Müll aus den Sträuchern und von den Wiesen, sie war das Vorbild am gestrigen Freitag für die teilnehmenden Realschüler.

Bewaffnet mit Tüten und Handschuhen ging es für mehrere Klassen Richtung Niers, jeweils eine Doppelstunde lang. Gestartet mit den leeren biologisch abbaubaren Mülltüten passte kaum noch etwas herein, als die Klassen pünktlich zu den Pausen zurückkehren. Währenddessen entstanden Seedbombs (Blumenbomben), die die Schüler nach den Osterferien an Passanten verteilen werden.

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Eine Klasse weiter wurde hitzig diskutiert. Horst Meister (BUND) hatte sich mit den älteren Schülern an das Thema Massentierhaltung herangetastet. „51,9 Mio. Hühner werden zurzeit in Deutschland zum Zweck der Eierproduktion gehalten“, so Meister. „Davon leben noch etwa 8,31 % aller Legehennen in Käfighaltung. Hier haben sie 550 cm² Platz zur Verfügung, das ist weniger als ein DIN-A4-Blatt.“ Er hielt ein einzelnes Blatt hoch auf das er ein Huhn gemalt hat. Plötzlich herrschte Stille im Raum. So genau hatten die Schüler noch nicht über die Tierhaltung nachgedacht und auch die Ausführungen zur Schweinemast gefielen nicht.

Im Schultrakt gegenüber ging es dagegen lustiger zu, denn Almut Grytzmann-Meister brachte die Umweltthemen um Tiere-, Wald- und Baumsterben spielerisch an die Jüngeren heran. Mit einem Quiz traten die Schüler gegeneinander an, hatten zu den Themen allerdings zusätzlich auch viele Fragen. Fragen, die sich durch alle Klassen zogen, wie sich im Chemieraum zeigte, wo ebenfalls der BUND mit Dr. Ingeborg Weuthen und Werner Schmidt den Fragen stellten.

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Das Thema Trinkwasser und die Nitratbelastungen des Grundwassers wurde hier interessant für die älteren Klassen aufbereitet mit einem aktiven Umwelt- und Naturschutz für die nächste Generation. „Doch dieser darf nicht nur theoretisch erfolgen, denn alles hat mit allem zu tun: Der Klimawandel, die Massentierhaltung, das Abschmelzen der Pole und Gletscher, das Grundwasser, die Landwirtschaft, der Plastikmüll, das Bienen- und Artensterben, die Bäume und vieles mehr“, erklärte Almut Grytzmann-Meister.

Grund genug um mehr zu tun, so wie auf dem Schulhof, wo nicht nur fleißig der Müll gesammelt wurde, hier wurde auch tatkräftig angepackt. Die Eheleute Rolf und Hildegard Eichenauer kamen an diesem Tag ausnahmsweise mit dem Auto, vollgepackt mit neuen Pflanzen, Stauden und Bastelmaterialien für Insekten. Die Schüler der teilnehmenden Klassen blieben nicht im warmen Klassenraum sitzen, für sie hieß es ran an die Spaten.

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An der Turnhalle entstand nicht nur eine Wildblumenwiese mit Beinwell, Herbstastern oder Eisenkraut und auch ein Insekten- und Bienenhotel wurde für die Schule gefertigt, in der es an diesem Tag an jeder Ecke etwas zu erleben, staunen oder auch nachdenken gab. Erlebnisse, die beim Upcycling von Tetra Packs zu Vogelhäuschen oder dem Basteln von Schmuck-Magneten aus Kronkorken gemacht wurden. Erschreckende Fakten, beispielsweise bei der Entstehung von Kohlendioxid oder dem von Menschen gemachten Treibhauseffekt, der mit einer Brennstoffzelle untersucht wurde.

Dass mit diesem einen Tag nicht Schluss ist, da waren sich die Jugendlichen einig. In der nächsten Zeit werden unter anderem so die Brachflächen im Schulumfeld mit insektenfreundlichen Pflanzen begrünt, der Müll wird in die neu gestalteten Mülleimer entsorgt und ebenfalls die Sammlung „Plastikdeckel gegen Polio“ wird weitergeführt. (nb)

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