Jubiläumssitzung der Großen Rheydter Prinzengarde

Nach fünf Jahren fand wieder eine Sitzung der Großen Rheydter Prinzengarde im Theater in Rheydt statt, die immer nur ihre runden, halbrunden oder karnevalistischen Jubiläen feiert.
Von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach/Rheydt – Die Kapelle 9-Live stimmte vor Beginn der Veranstaltung die zum großen Teil kostümierten Besucher mit ihren karnevalistischen Liedern auf die Sitzung ein.

Dieter Beines als Präsident und Holger Vits, der Vorsitzende, moderierten zusammen diesen Abend und begrüßten die Gäste im Rheydter Narrennest.

Dann zogen die Mitglieder der Garde mit ihrem Gardemarsch „Wir sind die Garde in schwarz-weiß“ auf die Bühne. Zuerst die Standarte mit Wolfgang Pütz, dann die Mariechen, der Kommandant Guido Gauls, Helmut Hahnen mit der weiteren Standarte, die Aktiven, der stellvertretende Kommandeur Ulli Leuchter, die Rheer Knöppkes, die Marketenderinnen und die Reservisten. Es waren so viele, dass der Marsch nicht ausreichte, um alle auf die Bühne zu bekommen und Beines meinte hierzu, Hauptsache feiern und Spaß haben.

Es war ein phantastisches Bild, die ganze Garde einmal auf der Bühne zu haben auch um einmal gegenüber dem Publikum zu demonstrieren, wie groß die Familie der Garde ist.

Mit Ausnahme der Rheer Knöppkes, die jetzt ihren Tanz zeigten, zogen die Übrigen wieder von der Bühne, die man aber später in verschiedenen Formationen wiedersehen konnte.

Der Nachwuchs eröffnete die diesjährige Jubiläumssitzung. Sie zeigten ihren schmissigen Tanz mit Pyramiden, Hebefiguren und Radschlagen. Junge Menschen tanzten zu junger Musik und ohne Zugabe kam die Kinder nicht von der Bühne. Trainiert werden sie von Petra Beckers und betreut von Monika Ferfers und Alexa Poth.

Die Zugabe war auch für Dieter Beines unbekannt und er war stolz auf die 22 Rheer Knöppkes, denn die Garde hat keine Nachwuchssorgen, einmal schwarz-weiß, immer schwarz-weiß. Denn nach einem bestimmten Alter wechseln sie meistens in das Tanzcorps oder in die GardeGirls.

Beines begrüßte den Bürgermeister Ulrich Elsen nebst Gattin, der an diesem Abend den Oberbürgermeister vertrat. Weiter die MdL Jochen Klenner und Frank Boss, den MKV-Vorstand mit dem Vorsitzenden Gert Kartheuser und natürlich den Ehrenvorsitzenden des MKV und langjähriges Mitglied der Prinzengarde, Bernd Gothe.

Weiter waren die Oecher Penn aus Aachen, die Flittarder Karnevalsgesellschaft sowie viele Gesellschaften aus Mönchengladbach vertreten.

Mit der seit 22 Jahren bestehenden Musikgruppe „De Boore“ ging es weiter. Sie spielten sich mit ihrer Musik selbst auf die Bühne, spielten ihre Oldies sowie den Sessionstitel „rut und wiess“ und forderten dann beim Boore-Tanz das Publikum auf, kräftig mitzumachen.

Eine Ehrung, die beim Empfang nicht vorgenommen werden konnte, musste noch nachgeholt werden. Fritz Reuter ist mehr als 60 Jahre Mitglied der Garde und steht treu zu seinem Verein. Er erhielt die Goldene Ehrennadel, die für Mitglieder mit mehr 50 Jahren Mitgliedschaft neu aufgelegt wurde.

Dann erfolgte der Einmarsch des Prinzen-Paares Axel und Niersius Thorsten mit den Adjutanten Dieter Lichtenhahn und Stefan Neus sowie der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach, worauf sich jeder Präsident einer Sitzung freut. Mit ihnen zog auch der MKV-Vorstand auf die Bühne.

Auf die zweimalige Frage von Axel „geht’s gut“ und die Antwort des Publikums „Ja“ meinte er, er habe auch nichts anderes erwartet. Die Beiden waren begeistert von dieser familiären Garde und sie wollen alleine Karneval feiern und Spaß haben. Sie bedankten sich bei den Ehrenamtlern, die aus Spaß dafür gesorgt hätten, dass die Gäste, die hier sitzen, Musik hören und tanzen können.

Auch hatten die Beiden zwei kleine Geschenke mitgebracht und zwar ihren Prinzenorden. Zum einen für eine starke Frau, die hinter einem starken Mann steht und zwar Jutta Kartheuser. Zum anderen für die Schwiegermutter von Axel, Ingrid Neumann. Wenn sie nicht gewesen wäre, stünde Thorsten nicht auf der Bühne.

Ohne ihr Prinzenlied „Gladbach-Gladbach“ kamen die Beiden nicht von der Bühne und auf Nachfrage, ob sie noch ein weiteres Lied singen dürften, obwohl ihnen nur 13 Minuten zugesagt waren, gewährte der Präsident es ihnen und sie sagen noch „Wir halten die Welt an“, wobei jeder bei dem Wort „Welt“ so stehen bleiben musste, wie er gerade war und beim nächsten Wort „Welt“ durfte man sich wieder bewegen.

Beines war froh und stolz ein solches Prinzen-Paar in der Stadt zu haben. Er wies noch einmal darauf hin, dass das Prinzen-Paar ihren Sticker gegen eine Spende von mindestens 10 Euro für einen guten Zweck verkauft und zwar für eine Wagenbauhalle der Karnevalswagen, die dringend benötigt wird.

Kartheuser bescheinigte den Prinzen, dass sie immer gut drauf sind. Ob am Samstag mit 17 oder am Sonntag mit 15 Auftritten, sie machen wirklich einen phantastischen Job. Er gratulierte der Gesellschaft zum 85. und zu 85 Jahren Familie Beines. Die Garde ist in all den Jahren von 0 auf ca. 700 Mitglieder angewachsen, wovon er auch schon 36 Jahre dabei ist.

Das Prinzen-Paar blieb für den weiteren Abend auf der Bühne, nachdem die Garde sowie der MKV-Vorstand ausmarschiert waren.

Wieder ein Eigengewächs der Garde und zwar das Tanzcorps mit 13 Mädchen und einem Jungen zeigten zuerst einen Gardetanz und zogen sich dann um, um zu fetziger Musik ihren Rock-n-Roll-Tanz darzubieten. Auch sie werden von Petra Beckers trainiert, die ebenfalls im Corps mittanzt.

Vor 15 Jahren standen sie zum ersten Mal auf der Bühne und zwar die Garderottis. Michael Dahl ist jetzt nur noch als einziger von den Gründern übriggeblieben, hat aber neue Mitstreiter gefunden. Nach ihren verschiedenen Songs hatten sie ein besonders Lied für das Prinzen-Paar und zwar „E Levve lang“.

Die Garderottis bildeten auch den Background für Mery, der Kommandantin der Kindertraditionsgarde, die bereits bei der Proklamation des Kinderprinzenpaares Louis und Theresa sowie beim Jubiläumsempfang mit ihrem Lied „Wenn du nit danze kanns“ die Herzen der Zuhörer erobert hatte.

Beines teilte den „Vogelnestbesuchern“ mit, dass bis jetzt alles vorhanden war wie Musik und Tanz, aber eines fehlt noch ein Büttenredner. Er kündigte den Blötschkopp Marc Metzger (er hat die Büttenrede neu erfunden) an, der nach einem Jahr Auszeit wieder auf der Bühne steht.

Er ist ein Unikum im Karneval und quatscht die Hütte voll, so dass nach vier Stunden alles ausverkauft ist. Immer wieder nimmt er sich Personen aus dem Publikum, sie irgendwie aufzuziehen. So meinte er, dass der Tisch 1 Scheiße sei, die Leute aber super. Oder dass man bei einer Sitzung aufstehen, sitzen und winken müsse und wenn dann ein Interpret sagt, wo sind die Hände, kommt die Antwort: im Eiskübel.

Ein weiterer Lacheffekt ging so. Der Blötschkopp wollte eine Brücke passieren, die aber gesperrt war. Ein Selbstmörder wollte in den Rhein springen, aber ein Schutzmann kam dazu. Er meinte, lass den Blödsinn sein, wenn du springst, wirst du driss nass. Und wenn ich hinterher springe, werde ich auch driss nass und dann sind wir beide driss nass. Dann ziehen sie uns an Land, du hast eine Lungenentzündung und wir müssen ein Protokoll machen. Steig lieber von der Brücke, geh nach Hause und häng dich auf.

Weiter ging er auf das Jubiläum der Bläck Fööss von 50 Jahren ein. In einem Schnelldurchgang zählte er alle von ihnen gesungenen Lieder auf. Als Zugabe imitierte er die frühe Doof Nuss aus dem Kölner Karneval mit einem tollen Witz.

Ein weiterer Augenschmaus war der Tanz der GardeGirls, ebenfalls aus den eigenen Reihen. Diese Gruppe wurde 1974 gegründet und sie zeigen in jedem Jahr einen neuen Tanz mit neuen Kostümen. Mittlerweile sind es über 20 junge Damen, die sich dieser Tanzleidenschaft verschrieben haben.

Auch sie hatten als Zugabe eine Überraschung für den Präsidenten dabei. Sie tanzten zu dem Prinzenlied „Gladbach-Gladbach“ und dann kam der Clou. Die Prinzen Axel und Thorsten erschienen in T-Shirts mit dem Aufdruck GardeGirls und in kurzen blauen Hosen und tanzten kräftig mit.

Beines war so begeistert, dass er nicht wusste, wen er loben sollte, das Prinzen-Paar oder die GardeGirls, denn nach dem Tanz hatten Axel und Thorsten Schnappatmung.

Zu einem Jubiläum ist es mittlerweile Usus, dass sich die Aktiven der Garde immer eine Überraschung für den Präsidenten ausdenken. In diesem Jahr ging es um Reisen in andere Länder. Ulli Leuchter und Anna-Leonie Pütz begrüßten die Gäste in den verschiedensten Sprachen.

Auf die Frage von Anna, wie man sich denn früher unterhalten habe, meinte Ulli: Platt hat immer geholfen.

 

Peter Mangold wollte einen Crashkurs für Touristen im Rheer Platt demonstrieren. Hierzu bat er sieben Damen mit Stühlen auf die Bühne, worauf sich jeweils große Blätter befanden. Hierauf standen Wörter in englisch und wenn man sie mit Bedacht las, kam wirklich Platt heraus. So z.B. You Ten More Yen = Juten Morjen oder Leg Air Mad Share = Lecker Mädche. Unter anderem auch „einmal Prinz zu sein, sonst hast du was verpasst“. Bei diesem Crashkurs machte das Publikum kräftig mit.

Erst ging die Reise nach Spanien, wo drei Gardisten ein Lied sangen und anschließend auf Bierflaschen spielten, als wenn es Pan-Flöten wären.

Weiter ging es nach England und um die Musik der 90-iger Jahre mit den Back Street Boys und den Spice Girls. Auf die Frage, wer am Besten war, wurden durch Publikumsapplaus die Spice Girls zu Siegern erklärt.

Auch nach Irland führte die Reise. Dort hatte sich Maite Kelly (Michele Forstbach) den Roland Kaiser (Guido Gauls) geangelt und sie sangen zusammen das Lied „Warum hast Du nicht Nein gesagt“.

Man blieb in Irland und wollte noch einen draufsetzen. Die Legende erzählt von Gut und Böse, aber hier ging es nur um das Gute. Es ist das Land vom Riverdance und 7 junge Mädchen stellten den Tanz vor.

Ebenfalls wurde die Schweiz besucht und die Exportschlager sind die Löcher im Käse und DJ Bobo, der einen bemerkenswerten Auftritt hinlegte und in Begleitung von Mädchen in regenbogenfarbigen Röcken war.

Zum Schluss kam man nach Deutschland, wo es sehr schön ist, aber die Leute sind am Schönsten.

Zum Finale standen alle Aktiven dieses Programmpunktes noch einmal auf der Bühne und sangen als Homage an das Prinzen-Paar das Regenbogenlied.

Für Beines ist das bei einer Jubiläumssitzung immer das Highlight, wenn die Aktiven auftreten. Es sieht zwar alles locker und leicht aus, aber es steckt sehr viel Arbeit dahinter. Die Zusage sah so aus, dass Ulli und Anna noch einmal alle mit Namen vorstellten, während diese dann langsam die Bühne verließen.

Den Abschluss dieses wundervollen Abends rundeten noch die „Höhner“ ab. Ihre Lieder sind so bekannt, dass jeder mitsingen konnte und es auch immer wieder zu Zugaberufen kam. Auch das Lied „Wir halten die Welt an“ stammt aus ihrer Feder, das vom Prinzen-Paar als Zusage gesungen werden darf.

Dieser Abend wird wieder für alle in wunderbarer Erinnerung bleiben.