Karnevalisten können auch digital närrisch sein

Besondere Situationen erfordern besondere Wege. Das Brauchtum hat im Laufe der Zeit häufig gezeigt, dass es sich auf eben diese besonderen Situationen einstellen kann. So entstand in der Region nun der erste digitale Stammtisch für Karnevalisten, mit dem die Karnevalsvereine auch in Zeiten von Corona zusammenstehen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Niederkrüchten/Region – Wenn das Treffen im Vereinsheim oder an der Theke ausfällt, wenn der gemeinsame Schlachtruf „Helau und Alaaf“ verstummt, dann finden die Karnevalisten immer einen Weg ihr Brauchtum zu leben. Die Idee für den ersten digitalen Stammtisch der Karnevalsvereine entstand durch die Prinzengarde Niederküchten von 1987 e.V. (i. G.) und dem KV Maak Möt Brempt 1969 e.V., die erfolgreich per Videokonferenz in den vergangenen Tagen die Karnevalsvereine vernetzt haben.

Für Carsten Scholz, Vorsitzender der Prinzengarde Niederkrüchten, war der Gedanke die Vorsitzenden, Präsidenten, Kommandeure und andere Entscheidungsträger der Karnevalsvereine an einen Tisch zu holen nicht neu, doch während der Corona-Auflagen war die Ausführung ins Stocken geraten. Eine solche Pandemie kann allerdings auch etwas Gutes haben, denn mit dem neuen digitalen Format kann jeder interessierte Karnevalsverein nun ohne längere Fahrtzeit oder Aufwand dabei sein, wenn die Jecken sich zum Winterbrauchtum austauschen.

„Als Verein haben wir Kontakte von Wesel bis nach Baesweiler oder von Roermond bis nach Köln. Alle Karnevalsvereine haben die gleichen Probleme, wir lassen uns aber bei der Vernetzung von Ortsgrenzen, Verbandsgebieten oder Landesgrenzen aufhalten. Dieses Denken muss ein Ende finden“, so Carsten Scholz, dessen erfolgreiche Idee am Frühstückstisch reifte. Ein neues Format, das bei Jan Sevenich, dem Vorsitzenden des KV Maak Möt Brempt 1969 e. V., sowie weiteren Vorstandsmitgliedern auf fruchtbaren Boden fiel und kurzerhand als „1. Digitaler Stammtisch der Karnevalisten“ umgesetzt wurde.

Foto: KV Maak Möt Brempt 1969 e.V.

Mit Blick auf die kommende Session begleitet von Corona-Auflagen und dem Wunsch nach einem Austausch, fanden sich schnell weitere Karnevalisten aus Erkelenz, Ratheim, Golkrath, Hückelhoven, Merbeck, Tönisvorst, Dülken, Viersen und Mönchengladbach, die in dem digitalen Stammtisch Platz nahmen. Bereits nach einer kurzen Vorstellungsrunde schien es, als ob man nie anders zusammengekommen wäre.
Wie sollen unsere Tanzgarden trainieren? Was passiert mit Verträgen? Wer hat schon Orden bestellt? Wie bindet man die Mitglieder in dieser Zeit ein? Gemeinsame Sorgen und Ängste, verbanden sich mit einem lebhaften Dialog und dem Wissen, dass man sich doch irgendwann wieder an einen Tisch setzen kann. Trotz der Ungewissheit, die alle haben, wurde viel in der Runde gelacht und positiv in die Zukunft geschaut, denn irgenwie werden wir es gemeinsam schaffen“, ergänzt Carsten Scholz.

Nach 90 Minuten war dann zunächst erst einmal alles wieder vorbei. Geplant ist allerdings bereits das nächste digitale Treffen am 17. Mai 2020 um 11:30, denn alle waren sich einig: Wir können voneinander lernen und miteinander viel bewegen. Bis zum nächsten Treffen besteht die Möglichkeit Themenvorschläge einzureichen, die dann im Kreise der jecken Experten angesprochen werden können. Übrigens: Ebenfalls der Rheinische Spiegel wird dann wieder dabei sein um den Karnevalisten pressetechnisch zur Seite zu stehen. Der Stammtisch findet digital in einem ZOOM Meeting statt, welches mit einer App auf dem Smartphone oder dem Rechner mit Webcam betreten werden kann. Weitere Informationen hierzu bietet die Facebook-Gruppe „Digitaler Stammtisch der Karnevalisten“. (nb)