Keine „Landflucht“ der jungen Erwachsenen – Zahl der Personen im Alter von 18 bis 29 Jahren ist konstant

Die mediale Berichterstattung und politische Interpretation einer im Spiegel veröffentlichen Studie legen nahe, im Kreis Viersen habe eine „Landflucht“ der jungen Erwachsenen eingesetzt. „Diese einseitige Darstellung erweckt den falschen Eindruck, die Anzahl der 18- bis 29-Jährigen sei rapide geschrumpft“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen. „Diese Lesart lässt wesentliche Inhalte der realen Bevölkerungsentwicklung außen vor.“

Kreis Viersen – Richtig ist: Diese Altersgruppe ist generell sehr mobil. Von den 37.605 der 18- bis 29-Jährigen im Jahr 2008 haben 6.953 deutsche Staatsbürger das Kreisgebiet bis 2014 verlassen – rund 1.000 Personen pro Jahr. Allerdings ist die absolute Zahl dieser Altersgruppe im gleichen Zeitraum dennoch stabil. Auch im Jahr 2014 lebten immer noch 37.083 junge Erwachsene im Kreis Viersen (minus 1,4%). „Da die Bevölkerung insgesamt leicht geschrumpft ist, ist der relative Anteil der 18- bis 29-Jährigen zum Stichtag 2014 sogar geringfügig höher als sechs Jahre zuvor“, stellt Christoph Löw, Statistiker des Kreises Viersen, klar.

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Studie ausschließlich den Wanderungssaldo betrachtet.
Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen jährlich durch Jüngere nachwächst. „Sofern mehr Jüngere in die Altersgruppe aufsteigen, als Ältere diese verlassen, kann die- se natürliche Bevölkerungsbewegung einen negativen Wanderungssaldo kompensieren“, so Löw. Und auch die Tatsache, dass in der folgenden Altersgruppe – die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen – über den betrachteten Zeitraum rund 2.000 mehr Menschen im Kreis lebten, komme zu kurz. „Das ist die Altersgruppe, in der man Familien gründet, und damit wieder mehr jüngere Personen im Kreis leben.“

Zwei Beispiele machen die beschriebene Schieflage deutlich:
Eine Familie, die im Jahr 2010 mit einem 17-Jährigen und einer 15-Jährigen in den Kreis Viersen zieht, taucht in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen überhaupt nicht auf. Und das, obwohl die Kinder schon sehr schnell der betrachteten Gruppe zugehören.
Eine junge Frau aus dem Kreis Viersen, die im Jahr 2008 zum Studium in die Großstadt zieht und mit 32 Jahren in den Kreis Viersen zurückkehrt und eine Familie gründet, taucht sogar als „minus 1“ in der Statistik auf. Dabei ist sie das Gegenteil der „Landflucht“.

„Vielmehr als von einer vermeintlichen Landflucht ist die Bevölkerungsentwicklung von einem Kreislauf geprägt“, fasst Landrat Dr. Coenen zusammen.

Ein Kommentar

  1. Aktuell ist was anderes!

    (kopfschütteln über so eine veraltete Statistik……2014)

    Ich glaube, wir leben bereits im Jahr 2019, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.

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